Yuppisierung der Städte

Was das Leben sonst noch so zu bieten hat
Antworten
Benutzeravatar
bebop
Beiträge: 296
Registriert: 01 Jul 2009, 12:33

Yuppisierung der Städte

Beitrag von bebop » 11 Nov 2009, 07:37

Wir sollten in Chefduzen auch Fragen des Wohnens diskutieren. Dazu hier mal diese Reporter-Sendung zum Zürcher Seefeldquartier, die ich sehr empfehlen kann.

Auch in hier Biel werden überall schöne alte Häuser abgerissen und potthässliche (!) Plastikwürfel schiessen wie Pilze aus dem Boden. Gegenüber von mir bauen sie gerade ein 7-Stöckiges Bürogebäude (in einem Quartier neben der Altstadt, wo alle bisherigen Gebäude nur 4-Stöckig sind). Viele solche Wohnungen sind dann aber nicht mal vermietet und stehen leer. Es ist zum Kotzen.

Naja, hier mal der Film: http://videoportal.sf.tv/video?id=910b5 ... 8aaf8808a6
Bild
Vertrieben von Zuhause - Die Yuppisierung eines Quartiers

Rentner Willy Berger schaut zu, wie das Haus, in dem seine Kinder geboren wurden und seine Frau gestorben ist, stückweise fällt: Seine 4 Zimmer-Altbauwohnung für 1000 Franken Miete muss einem Neubau weichen.

Die deutsche Werbetexterin Nina-Britt Rauer ist begeistert von ihrer luxuriösen 2,5-Zimmer-Wohnung für 3500 Franken. Beide leben im Zürcher Seefeld-Quartier. Noch vor 15 Jahren war das Seefeld verpönt wegen dem Drogenstrich, heute ist 8008 Zürich eines der begehrtesten Pflaster der Schweiz.

Das Seefeld ist Symbol für die Veredelung eines Stadtteils: Der Quadratmeterpreis steigt, alteingesessene Mieter werden verdrängt, die Bevölkerungsstruktur verändert sich. Karin Bauer porträtiert Mieter, Investoren und Politiker und erzählt die Geschichte der Schönheitsoperation ihrer Heimat.
Zuletzt geändert von bebop am 06 Dez 2009, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

Benutzeravatar
Sansculotte
Beiträge: 154
Registriert: 17 Okt 2009, 18:28

Re: Reporter-Sendung über das Zürcher Seefeld-Quartier

Beitrag von Sansculotte » 12 Nov 2009, 17:27

na heut wird oder soll halt alles schnell aufgebaut und fertig sein. und blöcke sind halt schneller "aufgebaut" (besser: hingeschmissen) als Häuser wie wir sie aus Altstädten kennen, mit schönen Verzierungen etc.

doch eben solche, wenn sie nicht zum touristischen vorzeige(heuchel-)bild gehören, ganz schnell wegkommen und werden ersetzt.

die arschkarte zieht nicht nur die bevölkerung sondern auch wir arbeiter, die beim bau schnelschnell vorwärts machen sollen. nunja da gibts nur eins: wenn jemand wegen dieser 'schnellschnell' mentalität stresst (zumB. chef), unverändert weiterarbeiten. sollen sie doch mehr arbeiter bestellen (jetzt zum stückpreis von ca. 25 fr pro stunde :roll: ). denn ob wir stressen oder nicht: wir sind eh 8 stunden da, 5 tage die woche ...wenn wir stressen verdienen wir nicht mehr.

darum arbeite ich lieber auf dem ausbau. neubauten sind entweder klotz-blöcke oder bei einfamillienhäuser (standardisierte). bei letzterem ist es heute oft so das Interessierte ein katalögchen erhalten, wo man dann zwischen 30 fertighäusern auslesen kann (siehe zumB. http://www.swisshaus.ch/de/architektur.html )
aramtamtam aaaaaaramtamtam!!!

-- gesperrt --
Beiträge: 153
Registriert: 21 Sep 2009, 17:35

Re: Reporter-Sendung über das Zürcher Seefeld-Quartier

Beitrag von -- gesperrt -- » 23 Nov 2009, 09:41

Die Sendung habn ich zufälligerweise auch gesehen!
Das ganze ist auch unter dem Namen Gentrifizierung bekannt!
Und in Deutschland wird dies auch in den grossen Städten wie Berlin und Hamburg thematisiert und Neubauten haben mit dem Widerstand der linken Szene zu rechnen! :twisted:
Schade, dass in zürich überhaupt nichts davon zu hören ist, obwohl hier ja in der Doku ein paradebeispiel gefunden wurde :?

Benutzeravatar
ribiräbiruuu
Beiträge: 24
Registriert: 12 Jul 2009, 06:21

Gentrifizierung

Beitrag von ribiräbiruuu » 29 Nov 2009, 20:37

wikipedia meint:
Die Gentrifizierung (von engl. Gentry /dʒɛntri/: niederer Adel), teils auch Gentrifikation (von engl. Gentrification), umgangssprachlich auch „Yuppisierung“,[1] ist ein in der Stadtgeographie verwendeter Begriff, der einen sozialen Umstrukturierungsprozess eines Stadtteils beschreibt. Demnach führen die gezielte Aufwertung eines Wohnumfeldes sowie Restaurierungs- und Umbautätigkeiten zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung
Neubauten haben mit dem Widerstand der linken Szene zu rechnen! :twisted:
kann sein, aber es gelingt wohl nur sehr sehr selten, den prozess wirklich aufzuhalten. schau dir diese bilder an (sind vom wikipedia-artikel). darauf ist berlin, mainzer strasse 1990 und 2006. die einstige hochburg der hausbesetzer ist jetzt eine hochburg von gutverdienenden hippsters.

Vergleich (von wiki):

Bild Bild

-- gesperrt --
Beiträge: 153
Registriert: 21 Sep 2009, 17:35

Re: Yuppisierung der Städte

Beitrag von -- gesperrt -- » 30 Nov 2009, 18:50

Das aufzuhalten ist wohl eine Sache, wie man ja gut an der Mainzer strasse sieht...
Aber da diese Prozesse den Unmut der arbeitenden Bevölkerung auf sich zieht, ist es eine gute Möglichkeit um auf gesellschaftliche Zusammenhänge aufmerksam zu machen und dabei zu zeigen, dass die revolutionäre Linke nicht nur alles kaputthauen tut^^
Ausserdem ist es ja nicht direkt gesagt, dass Widerstand nichts nützt. Wenn sich ein ganzes Quartier organisieren und mittels direkter Aktion wehren würde, wäre es für die Stadt nicht so einfach dies auf Biegen und Brechen heraus durchzusetzen!!! :mrt

Benutzeravatar
bebop
Beiträge: 296
Registriert: 01 Jul 2009, 12:33

Re: Yuppisierung der Städte

Beitrag von bebop » 06 Dez 2009, 20:44

Wenn sich ein ganzes Quartier organisieren und mittels direkter Aktion wehren würde, wäre es für die Stadt nicht so einfach dies auf Biegen und Brechen heraus durchzusetzen!!!
Da hast du natürlich recht. Nur sind die meisten Leute z.B. im Seefeldquartier wohl kaum dazu bereit, sowas zu machen. Aber es ist wahrscheinlich der einzig gangbare Weg um den Immobilien- und Werbeheinis wirklich paroli zu bieten.

Hab auf youtube zwei interessante Sendungen zur Wohnungssituation in Spanien gefunden:



Zuletzt geändert von bebop am 14 Dez 2009, 03:11, insgesamt 5-mal geändert.
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

Benutzeravatar
lucky puke
Beiträge: 84
Registriert: 03 Dez 2009, 13:44

Re: Yuppisierung der Städte

Beitrag von lucky puke » 06 Dez 2009, 20:53

Das Thema wird hier auch diskutiert:
http://www.ronorp.ch/zuerich/forum/stad ... ines.49577
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

Kuddel
Beiträge: 422
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Re: Yuppisierung der Städte

Beitrag von Kuddel » 20 Sep 2010, 01:00

Die Krise ist an der Zürcher Bahnhofstrasse scheinbar spurlos vorbeigegangen. In mehreren Fällen haben die Mieten die Marke von 10'000 Franken pro Quadratmeter und Jahr durchbrochen :o

http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunkt ... y/21847444

-- gesperrt --
Beiträge: 153
Registriert: 21 Sep 2009, 17:35

Re: Yuppisierung der Städte

Beitrag von -- gesperrt -- » 10 Feb 2011, 14:58

In der Zürcher Weststrasse wird gerade jerder 2. Mieter vor die Türe gesetzt :o
Weil kein Verkehr mehr durch die Strasefliesst, wird die billige Wohngegend aufgewertet, heisst renoviert und höhere Mieten verlangt. Reiche, die sich Luxuswohnungen leisten können oder damit spekulieren wollen, werden stattdessen gesucht.
Die ärmeren, die sich höhere Mieten nicht leisten können, werden wohl aus Zürich verdrängt... :X

Beitrag auf schweiz aktuell: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=7 ... 7c572aa28e

Gibt es keinen Protest?
Die Gentrifizierung ist ein Thema, welche uns alle betrifft.
Wird der Zwangsvertreibung der Arbeiterklasse nicht Einhalt geboten, so endet die Stadt als Yuppie- und Pseudolifestylsumpf d:o

Vorallem wenn man bedenkt, wie erfolgreich die Agitation gegen die Yuppisierung in Deutschland funktioniert... Siehe Liebig 14 usw...
Es scheint sich ein neues Klassenbewusstsein über die Immobilienaufwertung und Spekulation zu bilden: jeden "Normalo" stört es, dass die Mieten steigen, schöne alte Häuser zerstört und ärmere Familien vertrieben werden.

Guter Beitrag habe ich auf http://7h3linguist.wordpress.com/2011/0 ... omment-128 gefunden.

Vorallem sollte man sich bewusst sein, dass wenn wir nicht das Thema aufgreifen, es die SVP mit Sicherheit macht :|
Sie begründen die Vertreibung und die höheren Mieten mit der überfreumdung der Schweiz, welche den Wohnraum verknappen, heisst klassisch die Ausländer sind schuld...
In Interviews haben sie angekündigt, bald das Thema mit einer grossen Kampagne anzugehen -.-
Blocher hat drum im Le Matin verkündet, dass nun die (linken) Städte in den Fokus der SVP geraten.
Gentrifizierung als Basis für ein neues Klassenbewusstsein?

Wenn man Twitter als valides Instrument für ein Stimmungsbild in Deutschland heranziehen würde, so hätte man am 2. Februar feststellen können, dass das Thema #Liebig14 an erster Stelle bei Trending:Germany firmiert.

Die zumindest nicht rechtlich einwandfreie Räumung der doch Miete zahlenden Bewohner sorgte bundesweit für viele Solidaritätsbekundungen, der massive und martialische Polizeieinsatz mit 2500 Beamten sorgte wohl nicht nur in Berlin für Kopfschütteln.

Die Räumung, Linksradikale und die verängstigte Mittelschicht

Die, nach bürgerlicher Denke, arbeitsscheuen, dauerstudierenden und auf dem Wochen- oder im Biomarkt stehlenden Lebenskünstler und Überbleibsel der 80er-Jahre verlieren eines ihrer letzten nicht-kommerziellen Hausprojekte. Das Haus wird saniert und anschließend zu höheren Mieten wieder vermietet. Die ehemaligen Bewohner kommen schon woanders unter… Ist das Topic “Liebig14″ also nur auf einen kleinen Personenkreis begrenzt? Geht es nur um Revolutionsromantik vergangener Tage? Warum fühlen sich dann aber unter anderem die Tagesthemen dazu verleitet, zumindest kritisch zu berichten?

Nun, das Problem der “Stadtteilaufwertung” (Wert?), was eventuell gar kein Problem wäre, sondern die damit verbundenen und in kapitalistischer Logik wurzelnden immer höheren Lebenshaltungskosten (für mich noch so ein absolutes Unwort), sind das Problem. Und diese Mechanik aus “besserer Lebensraum –> höhere Kosten –> Vertreibung niederer Einkommens- und Besitzklassen” erfasst eben nicht nur Linksradikale, bzw. Alternative , sondern alle nichtvermögenden Mieter und ist somit ein gesamtgesellschaftliches Problem – welches durch eine erodierende Mittelschicht zunehmend an Relevanz gewinnt. Vor allem in einer Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung, die die Menschen vor über 150 Jahren in die Städte trieb und nun, begründet auch auf einer erhöhten Mobilität des Individuums, sie wieder hinaus und in die Vororte der Metropolen treibt.

Diese Entwicklung werden wir übrigens auch zunehmend in Stuttgart erleben. Die Wohnungen im neuen Quartier, z.B., werden neu sein. Sie werden modern sein. Zudem liegen sie im Zentrum der Landeshauptstadt. Wer wird sich die Wohnungen leisten können? Wird diese Entwicklung die Mieten der angrenzenden Wohnungen beeinflussen? Sicherlich wird sie das. Werden die Wohnräume für einkommensschwache, nicht-vermögende Familien, Migranten, “Lebenskünstler” subventioniert werden? Nein, werden sie sicherlich nicht.

Das von Lokalpatrioten häufig bemühte “Aber das ist doch für uns in Baden-Württemberg!”, “Das kommt uns doch allen zu Gute!” und anderer Schwachsinn mag die Kleingeister unter uns von S21 überzeugen – aber von einer glänzenden, schnieken und aufpolierten Stadt lässt sich weder die Miete noch das täglich Brot bezahlen. Also nichts als Augenwischerei im Stile eines “Hurra!” schreienden, royalistischen Mobs.

Doch was bleibt am Ende des Tages?

Es bleibt die Erkenntnis, dass das Gros der Menschen in dieser Gesellschaft und Wirtschaftsordnung zunehmend mit den gleichen substanziellen Problemen konfrontiert wird. Wir erlebten mit der Räumung der Liebig14 und den anschließenden, kreativen Protestaktionen also nicht das letzte Zucken einer romantisch-verklärten Lebenskultur, sondern wir selbst sind Teil einer hochaktuellen Entwicklung, die den Weg zu einem neuen Klassenverständnis aller Betroffenen weisen kann. Dabei ist es wichtig, sich nicht in seinen eigenen Argumenten und Sichtweisen zu suhlen und dabei die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und Möglichkeiten für Ansätze einer neuen, besseren Gesellschaft außer Acht zu lassen. Es muss um alles gehen! Und auf dem Weg dorthin müssen wir uns eben manchmal unserer Gemeinsamkeiten besinnen.

Wir bleiben alle!

p.s.: Und wenn mir hier jetzt jemand konterrevolutionäres BlaBla unterstellt, wird vom ZK an die Wand gestellt und wacht morgen in einem Kofferraum auf!

Kuddel
Beiträge: 422
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Re: Yuppisierung der Städte

Beitrag von Kuddel » 08 Feb 2012, 13:14

Gummischrot-Einsatz bei Räumung von besetzem Haus
Besetzer auf Zürcher Landolt Areal versuchten, Räumung zu verhindern

Die Zürcher Stadtpolizei hat am Mittwochmorgen das besetzte Haus in der Brandschenkestrasse im Zürcher Kreis 2 geräumt. Dabei setzte sie Gummischrot gegen 25 bis 30 Personen ein, die versuchten, Barrikaden aufzustellen, um die Räumung zu verhindern.


(sda) Der Polizeieinsatz begann kurz nach 8 Uhr und war schnell wieder beendet, wie ein Sprecher der Stadtpolizei eine Meldung von Radio 24 bestätigte. Das Gebäude der ehemaligen Weinhandlung Landolt wurde am 19. Oktober 2011 durch rund 50 Personen besetzt und seitdem als Wohnraum, für Ateliers, Sport, Werkstätten, Proberäume und als Kino genutzt.

Die Besetzer protestierten in einem Communiqué gegen den «Abriss auf Vorrat». Auf dem Gelände sollen rund 60 Wohnungen gebaut werden. Das neue Projekt stecke jedoch noch in den Kinderschuhen. Den Grundeigentümern ging es darum, möglichst schnell mit den notwendigen Sondierungsarbeiten auf dem Gelände zu beginnen. Dafür sei der Abbruch nötig, teilte die Agruna Immobilien Management AG mit.

Die Arbeiten seien sehr anspruchsvoll, weil ein SBB-Tunnel die Liegenschaft kreuzt und quasi zum Fundament des Gebäude-Ensembles gehöre. Insgesamt rechnet das Unternehmen, dass Vorbereitung und Abbruch acht bis zwölf Monate dauern.
http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/s ... 79724.html

Antworten