Warum Facebook gefährlich ist

Was das Leben sonst noch so zu bieten hat
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bebop
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Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von bebop » 19 Dez 2010, 16:21

Wie Facebook seine Nutzer nutzt
Der Gefällt-mir-Klick

von Philippe Rivière

Vor ein paar Tagen bat mich Facebook, meinen Namen zu wechseln. Nein, ich hatte mir kein unanständiges oder rassistisches Pseudonym zugelegt, weder den Nicknamen von Facebook-Gründer, Chef und Hauptaktionär Mark Zuckerberg übernommen noch vage auf einen Markennamen angespielt.

Aber mein Name war aus schönen Braille-Blindenschrift-Zeichen zusammengesetzt, und die Ingenieure der kalifornischen Website hatten auf einmal beschlossen, dass dies nicht länger den typografischen Vorschriften entspricht.

Bei der Registrierung hatte Facebook meinen richtigen Namen verlangt. Dann bestätigten sie meine Existenz, indem sie mir einen geheimen Code übers Telefon schickten, den ich anschließend eingeben musste. Die Website hatte auch darauf bestanden, mein E-Mail-Passwort zu erfahren, um Zugang zu meinem Adressbuch zu erhalten und so meine Kontakte - Freunde, wie es dort heißt - leichter ausfindig machen zu können.

Im Hintergrund wird sie ständig von Algorithmen überwacht und unterliegt Geschäftsbedingungen, die nie jemand liest. Doch die blaue Facebook-Seite bietet ihren Mitgliedern eine gemütliche Kuschelecke, in der sie sich treffen können, ohne von Nachrichten unbekannter oder lästiger Absender überflutet zu werden.

Die Werbebanner sind relativ diskret platziert, und man kann stundenlang Fotos seiner Freunde betrachten, sich über dieselben Dinge freuen oder ärgern wie sie, dieselben Spiele spielen und ihren alltäglichen Verrichtungen ebenso beiwohnen wie den wichtigsten Ereignissen in ihrem Leben. Die Nachrichten decken das gesamte menschliche Spektrum ab: vom unvermeidlichen "Ich geh jetzt duschen" über Geburtsanzeigen bis hin zu den ausgefeiltesten Anmerkungen über zeitgenössische Kunst.(1)

Die vorgegebenen Interaktionsmuster auf Facebook sind ausschließlich positiv: Man kann spontan auf den "Gefällt mir"-Knopf klicken, aber nichts ablehnen, man wird benachrichtigt, wenn man einen neuen Freund gefunden hat, aber nicht, wenn jemand seine Freundschaft aufkündigt. Gleichzeitig wird der Nutzer durch verschiedene Kontrollroutinen geschützt. Wenn er sich von einem unbekannten Ort aus einloggt, präsentiert man ihm zunächst ein fotobasiertes Fragespiel, um seine Identität zu überprüfen.

Das geht nicht ohne Willkür ab: Bisweilen werden brisante Seiten ohne Erklärung gesperrt und erst ein paar Tage später - ebenfalls ohne Erklärung - wieder zugänglich gemacht, wie etwa die Seite der Unterstützergruppe für den Soldaten Bradley Manning, der beschuldigt wird, geheime Informationen über den Irakkrieg an die Internetplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.

Um Junkmails zu vermeiden, sind die Mitglieder aufgefordert, schadhafte Nachrichten per Mausklick zu melden, woraufhin Facebook den Zugang der Verdächtigen sperrt. Diese Methode nutzen inzwischen Aktivisten aller Couleur, um ihre jeweiligen politischen Gegner zu blockieren.(2)

Facebook verbietet seinen Nutzern, Links auf gefährliche Seiten zu setzen (die etwa versuchen könnten, Viren zu installieren oder Bankdaten auszuspähen); doch der gute Big Brother neigt gelegentlich zu Zensur und blockiert Links zu Seiten, auf denen Daten frei zur Verfügung gestellt oder künstlerische und politische Performances geboten werden, wie etwa seppukkoo.com, einen Dienst, mit dem Nutzer ihre persönlichen Daten löschen und Facebook verlassen können.

700 Milliarden Minuten online

Diese kluge Mischung aus Privatleben und Voyeurismus, dieses liebenswürdige Regime maßvoller Grenzüberschreitung und überwachter Freiheit bildet das erfolgreiche Geschäftsmodell von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. So gelang ihm das Kunststück, 500 Millionen registrierte Nutzer anzuwerben, von denen sich 50 Prozent jeden Tag einloggen und jeden Monat 700 Milliarden Minuten auf der Seite verbringen.

Mittlerweile loggen sich 200 Millionen Menschen mobil über ihr Telefon ein. Fast aus dem Nichts - das Gütesiegel der Harvard-Universität trug einiges zum rasanten Start der Seite im Februar 2004 bei - ist Facebook heute mit nur 1.700 Angestellten die größte Internetseite der Welt.

Die von den Nutzern so freigiebig zur Verfügung gestellten persönlichen Daten wecken Begehrlichkeiten aller Art. Marketingagenturen können ihr Zielpublikum nach Geschlecht, Alter, Geburtsdatum, Sprache, Land, Stadt, Bildungsniveau, Interessen und so weiter wesentlich genauer auswählen als bei herkömmlichen Erhebungen. Zudem entspricht die Reichweite der Facebook-Seite nahezu der des Fernsehens.

So konnte die Luxusmarke Louis Vuitton am 15. November ohne Umweg über ein anderes Medium gezielt Facebook-Nutzer ansprechen - daraufhin summierte sich die Gesamtzahl der Menschen, die den "Gefällt mir"-Knopf angeklickt und damit ihre Freunde dazu gebracht hatten, dasselbe zu tun, auf über 1,5 Millionen. Auf der Website des Taschenherstellers sind etwa Modeschauen oder das Reisetagebuch des U2-Sängers Bono und seiner Frau Ali Hewson "aus dem Herzen Afrikas" zu sehen.

Zu den beliebtesten Facebook-Seiten zählen die Markenauftritte von Unternehmen wie Starbucks, Coca-Cola und den Oreo-Keksen, die 10 bis 25 Millionen Fans haben. In dieser Liga findet man auch die Stars aus Musik, Kino, Fußball und Fernsehserien ebenso wie Facebook-Spiele und die Seite von Barack Obama, dessen Wahlkampagne 2008 vor allem im Internet erfolgreich war.

Die großen Firmen sind jedoch nicht die Einzigen, die Facebook als Vermarktungsplattform entdeckt haben. Der Handwerker vor Ort, der unbekannte Schriftsteller und das Kleinunternehmen nutzen die Seite ebenfalls, um ihre Dienste anzupreisen. Auch Le Monde diplomatique betreibt seit Ende 2009 eine Facebook-Seite.

Indem Facebook es jedem gestattet, sein eigenes Image aufzupolieren, und ihn dazu animiert, sein eigenes Profil ständig neu zu gestalten, wird es zum Spiegel unserer egozentrischen und werbesüchtigen Zeit. Die Facebook-Erfahrung besteht hauptsächlich darin, sich ständig den eigenen "Freunden" (durchschnittlich 130) zu präsentieren, die jede Geste und jeden Witz kommentieren. Je mehr die virtuelle Projektion unseres Ichs unsere wahre Persönlichkeit oder unsere Sehnsüchte widerspiegelt, desto mehr kann man sich an dieser Spiegelung berauschen.(3)

Dieses Gefühl bringt die Menschen dazu, manchmal zwanghaft, ihre Seite zu füllen und ihre Vorlieben, ihren jeweiligen Standort in Echtzeit (über verschiedene mobile Techniken) oder ihr Liebesleben öffentlich zu machen. So setzt die Seite einen großen Teil der traditionellen Abwehrmechanismen des Privatlebens außer Kraft.

Hyperaktive Spinne im rechtsfreien Raum

Doch Facebook ist noch lange nicht am Ende: Ausgehend von einer geschlossenen Plattform soll sich das kleine "f" über das gesamte Internet ausbreiten. Der im April 2010 eingeführte "Gefällt mir"-Knopf ist eine scheinbar harmlose Funktion, die seither jeder Betreiber auf seiner eigenen Website einfügen kann; dank diesem ausgetüftelten System, das bereits auf einer Million Internetseiten installiert ist, rühmt sich Facebook, die Spuren von 150 Millionen Menschen pro Monat im Internet verfolgen und damit ihr Profil verfeinern zu können.

Um die Kommunikation seiner Nutzer zu erleichtern (und sie dadurch noch besser erfassen zu können), hat Facebook in seinem neuen Message-Dienst E-Mail, SMS und Chat zusammengefasst. Damit geht die Plattform in direkte Konkurrenz zu Google, dem anderen Kontrollgiganten des Netzes.

Facebook verspricht, dass nur die jeweiligen "Freunde" Zugang zur Masse der Texte und Bilder haben, die sich ständig in seine Datenbanken ergießt. Im Oktober 2010 zeigte eine Recherche des Wall Street Journal jedoch, dass einige der größten Spieleanbieter auf Facebook persönliche Nutzerdaten an Werbekunden weitergegeben hatten.(4)

Das Unternehmen erklärte daraufhin eine Nulltoleranz gegenüber Datenmaklern und versicherte, Facebook "hat niemals und wird niemals Nutzerinformationen verkaufen". Das ändert allerdings nichts daran, dass die US-Behörden seit der Verabschiedung des Patriot Acts 2001 weitgehenden Zugang zu diesen Daten haben.

Noch im Jahre 1993 erklärte Peter Steiner in einer schönen Zeichnung für den New Yorker: "Im Internet weiß niemand, dass du ein Hund bist." Im Jahr 2010 wird diese Anonymität abgeschafft. "Mit 14 Fotos können wir jede beliebige Person identifizieren", sagte der CEO von Google, Eric Schmidt, bei der Techonomy-Konferenz am 4. August 2010. "Sie glauben, im Netz findet man keine 14 Fotos von Ihnen? Es gibt doch Facebook!" Dieser Tatbestand ist in seinen Augen nicht nur unwiderruflich, sondern notwendig: "In einer Welt asymmetrischer Bedrohungen ist echte Anonymität zu gefährlich. […] Wir brauchen einen zuverlässigen Dienst zur Identitätsüberprüfung - und das beste Beispiel für einen solchen Dienst ist heute Facebook. […] Die Regierungen werden diese Daten letztlich auch für sich beanspruchen." Selbst wenn Täuschungen heute noch möglich sind, werden sie in Zukunft immer schwieriger zu bewerkstelligen sein.

Die mächtigsten Architekten der Online-Welt und die Regierungen wollen das freie Internet, das immer als rechtsfreier Raum galt, "zivilisieren". Wenn es ihnen gelingt, diesen Freiraum einzuhegen, dann wird man, um weiter daran teilhaben zu können, seine wahre Identität preisgeben müssen. Bis jetzt hat man sich das Internet stets als dezentrales System miteinander verbundener Computernetzwerke vorgestellt. Niemand konnte ahnen, dass sich im Zentrum eine hyperaktive Spinne einnisten würde, um das Verhalten aller Nutzer auszuspähen.

Fußnoten:

1) Miyase Christensen, "Facebook is watching you", in: "Manière de voir, Nr. 109, "Internet, révolution culturelle", Februar/März 2010.

(2) Fabrice Epelboin, "Guerre civile sur Facebook", ReadWriteWeb France, 14. Mai 2010.

(3) Noch besser als "The Social Network" (David Fincher, 2010) - ein ausgezeichneter Film über Harvard, Informatik und Macht - enthüllt der Dokumentarfilm "Catfish" von Henry Joost und Ariel Schulman das Wesen von Facebook. Die DVD erscheint im Januar 2011.

(4) Siehe "Facebook in Privacy Breach", "Wall Street Journal, http://www.wsj.com, 18. Oktober 2010.
Aus: Le Monde diplomatique, Dezember 2010, S. 3
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

Kuddel
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von Kuddel » 18 Jan 2011, 15:44

Facebook will Entwicklern und Anbietern von Drittapplikationen künftig ermöglichen, mit Adressen und Telefonnummern der Mitglieder zu arbeiten. Allerdings müssten Anwender die Abfrage der Kontaktdaten explizit bestätigen. Internet-Sicherheitsexperte Graham Cluley sieht in dieser Möglichkeit dennoch ein "neues Gefahrenlevel" für Mitglieder von Facebook. Durch die neuen Möglichkeiten hätten es dubiose Interessenten noch leichter, an persönliche Informationen zu kommen. Er empfiehlt Nutzern, Adresse und Telefonnummer sofort aus ihrem Facebook-Profil zu entfernen.

http://www.rf-news.de/2011/kw03/18.01.1 ... iter-geben

gingerbreadman
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von gingerbreadman » 03 Feb 2011, 18:19

@bebop: Danke für den Artikel. Ein wichtiges Thema. :ugeek:

Um die Gefahren von Facebook für Angestellte geht es auch in den folgenden Artikeln:

«Scheissjob, Scheissfirma»: Digital gemotzt, real entlassen
Rufschädigung des Arbeitgebers über Facebook kann zur Kündigung führen. Im Ausland wurden bereits mehrere Personen entlassen.
Wenn der Personalchef auf Facebook schnüffelt
Personalverantwortliche durchsuchen das Internet bei der Vorauswahl von Bewerbern. Das kann Kandidaten zum Verhängnis werden. Die meisten Firmen sprechen nicht gerne darüber.
Einige sehen im aktuellen Kommerzialisierungsschub bereits den...

Anfang vom Ende von Facebook
Für den Buchautor Douglas Rushkoff ist der Deal mit Goldman Sachs der Anfang vom Ende des weltgrössten Netzwerks. Um das zu erkennen, genüge ein Blick in die IT-Geschichte.

Kuddel
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von Kuddel » 05 Feb 2011, 09:19

Partnerbörse klaut eine Million Facebook-Profile
Eine Million Profile des größten sozialen Netzwerks der Welt stehlen und ungefragt auf einer Partnerbörse namens "Lovely Faces" veröffentlichen. Das ist Kunst - behaupten die Portalgründer.

http://www.ftd.de/it-medien/medien-inte ... 07574.html

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bebop
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von bebop » 05 Feb 2011, 20:41

rofl :mrgreen:
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

gingerbreadman
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Firesheep - Account-Diebstahl leicht gemacht

Beitrag von gingerbreadman » 08 Feb 2011, 19:03

Ein Programmierer hat schon im Oktober 2010 das Firefox Add-on Firesheep veröffentlicht, mit dem man mit wenigen Klicks Onlinesessions von allen am selben WLAN verbundenen Computern übernehmen kann. Für 'grosse' Websites wie Facebook, youtube, twitter, myspace ect. funktioniert es kinderleicht, für andere ist ein jeweils eigenes Skript nötig, um den Session-Cookie abfangen zu können.

downloaden und ausprobieren: http://codebutler.github.com/firesheep/
mögliche Gegenmassnahmen: http://en.wikipedia.org/wiki/Firesheep


Firesheep
Account-Diebstahl für Jedermann

Viele Websites sichern Nutzerkonten nicht, sagt Programmierer Eric Butler. Um es vorzuführen, baute er einen Firefox-Zusatz, der Accounts klaut.

(...) Firesheep nutzt eine Lücke in der Datenübertragung. Wenn man sich bei einem Dienst wie Twitter einloggt, wird an den Computer ein sogenannter Session-Cookie geschickt. Das ist nötig, damit Twitter beim nächsten Klick des Nutzers weiß, dass er derselbe ist, der sich eben einloggte und nun etwas anders innerhalb seines Accounts tut.

Das Problem: Der Erstkontakt ist bei den meisten Seiten durch Verschlüsselung geschützt, nicht aber die weitere Datenübertragung bei der Überprüfung, ob der Nutzer immer noch der korrekte ist. Auch bei Facebook kann man sich via HTTPS einloggen, um sein Passwort verschlüsselt zu übertragen. Aber schon beim nächsten Klick in seinem Account wird man in das normale Protokoll HTTP zurückgeschubst. Dabei ist schon einige Monate lang bekannt, dass dadurch an anderen Stellen eben jene Passworte unverschlüsselt übertragen werden und nicht nur Session Cookies.

Firesheep nun sucht nach unverschlüsselt übertragenen Session-Cookies und schickt eine eigene Anfrage an die betreffende Seite samt einer Kopie dieses Cookies – gaukelt also vor, der echte Nutzer zu sein.
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/ ... refox-hack

Kuddel
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von Kuddel » 18 Mär 2011, 13:08


Kuddel
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von Kuddel » 15 Apr 2011, 15:14

Die Facebook-Falle

Interview mit Sascha Adamek über gravierende Risiken und Nebenwirkungen des Internet-Giganten


http://www.heise.de/tp/artikel/34/34322/1.html

-- gesperrt --
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von -- gesperrt -- » 03 Mai 2011, 17:52

Assange warnt davor, dass die Facebook Schnittstellen zu den US-Geheimdiensten installiert hat. Er warnt davor, dass jeder der auf Facebook seine Daten preisgibt für die amerikanischen Geheimdienste arbeitet...
In einem Interview mit Russia Today spricht er über aktuelle Themen der Weltpolitik und Informationshoheit der Staaten.
«Facebook ist die fürchterlichste Spionagemaschine, die jemals erfunden wurde», so der 39-Jährige gegenüber der Journalistin Laura Emmett. Dort gäbe es die «komplettesten Angaben über Menschen, ihre Beziehungen, Namen, Adressen und Aufenthaltsorte».

«Schnittstellen für Geheimdienste»

Diese Infos würden systematisch von Geheimdiensten ausgewertet. Mit einem speziellen Interface kämen diese Organisationen zu jeder Info, die für sie wertvoll erscheine. «Jeder sollte wissen, dass er, wenn er Freunde zu Facebook einlädt, Gratisarbeit für die US-Geheimdienste macht und diese Datenbank für sie aufbaut.» Assange ist überzeugt, dass auch die Suchmaschinen-Unternehmen Google und Yahoo entsprechende Schnittstellen eingebaut haben.
http://www.tagesanzeiger.ch/digital/int ... y/11409316


Kuddel
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Re: Warum Facebook gefährlich ist

Beitrag von Kuddel » 10 Mai 2011, 15:24

Schweizer Konzerne überprüfen Bewerber im Internet

Viele Arbeitgeber durchleuchten Stellenbewerber mit Hilfe von Google, Facebook und anderen Netzwerken. Dies ergab eine TA-Umfrage. Doch längst nicht alle Nachforschungen im Netz sind rechtlich zulässig.
Im Vordergrund stehen Informationen über Familie, Freizeit und Lebensstil: Oft schauen sich Personalfachleute private Fotos von Stellenbewerbern im Internet an.


Eine Umfrage bei einem Dutzend der grössten Schweizer Arbeitgeber zeigt: Rund die Hälfte der Unternehmen nutzt Google (GOOG 539.98 0.43%) und soziale Netzwerke wie Facebook, um mehr Informationen über Stellenbewerber zu erhalten. Acht der zwölf Grossfirmen machen sich auf beruflichen Plattformen wie Xing oder Linkedin schlau. Nur ABB, Credit Suisse und die Zürich Versicherung geben an, Bewerber nicht im Internet zu überprüfen.

Die Internetnutzer unter den Firmen betonen unisono, dass sie Bewerber nicht systematisch unter die Lupe nehmen, sondern nur von Fall zu Fall. Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und das persönliche Gespräch seien wichtiger. «Die Prüfung der Onlinepräsenz eines Bewerbers soll lediglich das Bild abrunden», sagt Adecco-Mediensprecher José San José. Das Know-how für den Bewerber-Check liefern Kurse von Personalberatern mit Titeln wie «Facebook, Xing und Co. in der Personalabteilung».Noch verbreiteter als hierzulande sind Internet-Recherchen in den USA. Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 «googeln» dort vier von fünf Personalsachbearbeitern Personen, die sich um eine offene Stelle bewerben. Zwei Drittel durchforsten Social Media wie Facebook, Twitter oder Myspace, gut die Hälfte sucht in Karriereportalen.

Im Bewerbungsgespräch tabu

Hier wie dort ist das Ziel, mehr über eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu erfahren, als Unterlagen und Bewerbungsgespräch hergeben. Im Vordergrund stehen Informationen über Familie, Freizeitverhalten und Lebensstil – Themen, die in einem Bewerbungsgespräch tabu sind, weil sie nichts mit der offenen Stelle zu tun haben. Für Bewerber kann ein unrühmliches Foto oder eine «falsche» politische Aussage im Netz Folgen haben: 35 Prozent der befragten Unternehmen gaben laut US-Studie an, sie hätten Kandidaten abgewiesen, weil sie im Internet auf Negatives gestossen seien.

Den Zürcher Anwalt und IT-Rechts-Spezialisten Urs Egli erstaunen die Zahlen aus den USA und das Ergebnis der TA-Umfrage nicht. «An Weiterbildungsveranstaltungen für Personalfachleute erhalte ich jeweils ein ähnliches Feedback», sagt er. Er referiert dort über die rechtlichen Aspekte des Screenings.Was er den Kursteilnehmern erzählt, dürfte viele überraschen: Das Nachforschen via Suchdienste und soziale Netzwerke sei nicht zulässig. Erlaubt sei nur die Suche in beruflichen Netzwerken oder auf persönlichen Websites der Bewerber. Vor allem bezüglich Social Media gibt es aber auch andere Meinungen. Im Einzelnen:

Die Google-Recherche

Dank Google Earth und Google Street View kann sich heute jeder Personalchef vom Schreibtisch aus anschauen, wo und wie ein Stellenbewerber wohnt. «Sich selber im Internet als Detektiv zu betätigen, ist aber genauso unzulässig, wie einen Bewerber durch einen Privatdetektiv ausforschen zu lassen», sagt Urs Egli. Hinzu komme, dass Google auch Informationen anzeige, die ohne Wissen und manchmal gegen den Willen des Betroffenen ins Netz gestellt wurden. Häufig seien die Suchresultate zweideutig oder sogar falsch, etwa bei Personenverwechslungen. «Dafür können die Arbeitgeber zwar nichts», sagt Egli, «trotzdem muss man von ihnen erwarten, dass sie nicht zulasten von Stellensuchenden von den Wildwest-Verhältnissen im Internet profitieren.»

Schützenhilfe erhält der Anwalt von Rechtsprofessor Thomas Geiser von der Hochschule St. Gallen: Arbeitgeber dürften nur Informationen über Bewerber sammeln, die direkt mit der fraglichen Stelle zu tun haben. Persönliches gehöre nicht dazu, es sei denn, der Kandidat habe es selber im Internet veröffentlicht. «Da Firmen aber nicht wissen können, ob der Stellenbewerber selber oder ein Dritter die Informationen ins Netz gestellt hat, sollten sie ein Screening unterlassen», sagt Geiser. Kontrollierbar ist das allerdings nicht.

Die Suche in sozialen Netzwerken


Auch auf Facebook, Twitter und Co. dürfen sich Arbeitgeber laut Egli nicht schlaumachen: «Wenn es schon nicht zulässig ist, im Bewerbungsgespräch nach dem Privatleben zu fragen, so ist es auch nicht zulässig, sich diese Informationen durch Spionieren in einem sozialen Netzwerk zu beschaffen.»

Die dortigen Informationen richten sich nach Eglis Auffassung an einen geschlossenen Benutzerkreis. Sie seien für Personen gedacht, die jemand als «Freunde» zugelassen hat, nicht aber für die Allgemeinheit – und schon gar nicht für künftige Arbeitgeber. Wer ein Bild vom letzten Ausgang für seine Freunde ins Netz stelle, wolle nicht, dass es der Personalchef sieht. Wenn dieser danach suche, missbrauche er die Information. Das Problem sei, so Egli, dass viele Teilnehmer ihre Privatsphäre-Einstellungen nicht im Griff hätten und heikle Daten deshalb für die ganze Community einsehbar seien.Der Berner Informatikrechtler Nils Güggi teilt Eglis Ansicht. Widerspruch kommt hingegen vom Zürcher Anwalt und IT-Spezialisten Martin Steiger: «Wer will, kann bestimmte Informationen nur seinen ‹Freunden› zugänglich machen.

Möglichkeit zur Stellungnahme geben

Dass trotzdem viele Facebook-Teilnehmer den Arbeitgebern Privates auf dem Präsentierteller servieren, hängt mit einem gesellschaftlichen Trend zu mehr Offenheit zusammen. Da ist es doch realitätsfremd, von einem geschlossenen Benutzerkreis zu sprechen.»So argumentieren auch mehrere der befragten Firmen. «Unsere Bewerber müssen sich bewusst sein, dass sie sich auf Social-Media-Plattformen und anderen Webpages praktisch im öffentlichen Raum bewegen», sagt etwa die Mediensprecherin von Coop, Sabine Vulic.Unterstützung erhalten die Unternehmen von unerwarteter Seite. Für den Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten sind soziale Netzwerke wie Facebook «öffentlich zugängliche Quellen, in denen Arbeitgeber nach Informationen über Stellenbewerber suchen dürfen».

Er setzt den Hebel vielmehr bei den Nutzern an: «User sollten persönliche Details nicht ins Internet stellen, weil es dort keine Privatsphäre gibt.» Stellenbewerbern, die von einer problematischen Veröffentlichung wissen, empfiehlt der Datenschutzbeauftragte, den potenziellen Arbeitgeber von sich aus zu informieren. «Ebenso wäre es im Sinne von Fairness und Transparenz geboten, dass der Arbeitgeber den Bewerber auf problematische Funde im Netz hinweist und ihm die Möglichkeit zur Stellungnahme gibt.» Einig sind sich alle Befragten, dass HR-Verantwortliche nicht mit falscher Identität einen Kandidaten ausspionieren dürfen, etwa indem sie bei Facebook inkognito eine Freundschaftsanfrage stellen. Hingegen ist es erlaubt, das Profil eines Bewerbers in einem sozialen Netzwerk anzuschauen, wenn dieser in der Bewerbung darauf hinweist.

«Keine Option»


Die Suche in Karrierenetzwerken Anderes gilt in beruflichen Netzwerken. «Hier haben die Teilnehmer geradezu die Absicht, ihr Profil anderen Geschäftsleuten und vor allem auch Arbeitgebern zur Kenntnis zu bringen», sagt Urs Egli. «Im Hinblick darauf redigieren sie ihr Profil meist sehr sorgfältig. Deshalb ist es aus meiner Sicht unproblematisch, wenn sich Chefs in solchen Netzwerken nähere Informationen holen.» Genau diese Unterscheidung zwischen sozialen und beruflichen Netzwerken soll nun in Deutschland Gesetz werden. Während Informationen auf Karriereportalen von Arbeitgebern genutzt werden dürfen, sollen solche auf Social Communities tabu bleiben. Kritiker fragen allerdings, wie das kontrolliert werden soll.

Hierzulande müssten die Gerichte in einem konkreten Fall entscheiden, wie weit Arbeitgeber beim Durchleuchten von Stellenbewerbern gehen dürfen. Doch dazu wird es kaum kommen. Nicht nur wegen des Kostenrisikos, sondern vor allem, weil abgewiesene Bewerber in aller Regel gar nicht merken, dass ein «wildes» Foto aus ihrer Jugendzeit Ursache ihres Misserfolgs war. Und kaum ein Personalchef wird sich beim Stöbern auf Google oder Facebook erwischen lassen. Deshalb macht sich Urs Egli auch keine Illusionen: «Digitales Bewerber-Screening wird weiterhin praktiziert werden, auch wenn es aus meiner Sicht für Unternehmen mit professioneller HR-Strategie keine Option ist».
http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/ ... y/17153295
Die Datenschnüffler-Lobby macht mobil

Die grossen Internet-Konzerne Google, Facebook und Yahoo wehren sich gegen ein Gesetz, welches den Browser-Datenschutz obligatorisch macht – und bekommen Hilfe von unerwarteter Seite.





Mozillas neuster Browser Firefox 4 hat es: Die sogenannte «Do not track»-Funktion. Sie verhindert das Ausspionieren der Nutzer via Browser. Werbeunternehmen haben keine Freude daran, denn die Funktion verhindert das Ablegen von Cookies auf dem Computer des Nutzers und damit gezielte, auf den Nutzer zugeschnittene Werbung.

Auch beim neuen Internet Explorer 9 haben die Nutzer (in etwas abgeänderter Form) die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies via Microsoft-Browser zu erlauben oder zu verbieten. Dieser Privatsphärenschutz wird gemäss unbestätigten Angaben zudem in Apples Betriebssystem Mac OS X (Version Lion) eingebaut, das diesen Sommer herauskommt.

Auch Hollywood mischt mit

Ist aus Sicht der Konsumenten alles paletti? Keineswegs. Laut einem Bericht von «Marketwatch» regt sich in den USA, dem Land mit den meisten und grössten IT-Unternehmen der Welt, massiver Widerstand von Wirtschaftsverbänden sowie Facebook, Google (GOOG 541.34 0.68%) und Yahoo. (YHOO 18.55 -0.05%) Sie opponieren gemäss dieser Quelle gegen ein kalifornisches Gesetz, welches die «Do not track»-Funktion zur Pflicht macht.

Die Parteien werden im Kampf gegen den von Senator Alan Lowenthal vorgebrachten Vorstoss für den gesetzlich festgeschriebenen Datenschutz von der einflussreichen Motion Picture Association of America (MPAA) unterstützt, der Selbstorganisation der amerikanischen Filmproduzenten und -verleiher.

Die Argumente für den «Anti-Datenschutz»


Die Kritiker monieren, dass sich ein solches Gesetz «negativ auf die Konsumenten auswirken» würde, denn diese schätzten «inhaltsreiche und kostenlose Services». Die Verpflichtung, «Do not track»-Funktionen einzubauen, würde zu einem Rückgang der Werbeeinnahmen führen und Gratis-Inhalte nicht mehr finanzierbar machen.

Ob die starke Lobby mit ihrem Engagement in Kalifornien Erfolg hat, darf allerdings bezweifelt werden. Denn über Anti-Schnüffel-Vorlagen wird nach Vorstössen der Senatoren Jon McCain und John Kerry seit ein paar Monaten auch in Washington diskutiert.

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