Wikileaks / Assange

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PuppetMaster
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Re: Wikileaks / Assange

Beitrag von PuppetMaster » 09 Dez 2010, 00:57

Diese Anonymous Leute sind ja seehr geil! Es gab offenbar auch Angriffe auf Mastercard, Visa, PayPal und die Schwedische Staatsanwaltschaft.

Hier ein sehr guter youtube-Radiobeitrag zur Wikileaks-Geschichte:


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savo
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Re: Wikileaks / Assange

Beitrag von savo » 09 Dez 2010, 15:41

ich finde die ganze geschichte irgendwie auch noch unterhaltsam, würde das aber nicht überbewerten. im gegenteil: müssten wir uns nicht eher fragen "welche interessen sind bei wikileaks vorhanden, welche interessen haben die informanten von wikileaks (hohe militärs, geheimdienstler, politiker) und wie muss man die mediale kontrolle der vertragspartner (spiegel, NY times, usw.) beurteilen?"

in der woz von dieser woche gabs ein paar kluge ansätze. stelle die artikel bei gelegenheit hier rein.
"Was tun, wie die nächsten Kämpfe in Angriff nehmen,wie stabile Verbindungen einrichten, das sind Probleme, an die wir herangehen werden. Heute ist es bereits ein grosses Ergebnis, dass wir uns als Arbeiter begegnen und miteinander diskutieren."

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bebop
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Re: Wikileaks / Assange

Beitrag von bebop » 13 Dez 2010, 13:58

Die Flut von Ereignissen und Meldungen macht es schwierig, bei dem Thema den Überblick zu bewahren.

Am Wochenende gab es in mehreren Ländern Demos zur Unterstützung von Wikileaks / Assange:
Madrid.
Zahlreiche neue Wikileaks-Enthüllungen haben am Wochenende weltweit für Aufsehen gesorgt. So ist in den angeblichen US-Dokumenten unter anderem von Spannungen zwischen Irland und dem Vatikan die Rede, von einem geplanten Anti-Terror-Zentrum in Barcelona sowie von Militärplänen Kolumbiens auf venezolanischem Gebiet.

Derweil demonstrierten Unterstützer von Wikileaks-Gründer an mehreren Orten, in Madrid etwa kamen am Samstag mehr als 100 Menschen zu einer Kundgebung vor der britischen Botschaft zusammen.

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http://www.abendblatt.de/politik/articl ... sehen.html

Die Unterstützung in der Bevölkerung für Wikileaks halte ich für gross, viel grösser als man aufgrund der Anzahl Teilnehmer an diesen Demos vielleicht meinen könnte. Seit einiger Zeit gibt es diese Internetpedition gegen die Einschüchterung von Wikileaks: http://www.avaaz.org/de/wikileaks_petition?fp
savo hat geschrieben:in der woz von dieser woche gabs ein paar kluge ansätze. stelle die artikel bei gelegenheit hier rein.
meinst du den?

Harte Kritik daran, dass Wikileaks vorgibt, "absolut sicher" zu sein, gibts seit einigen Jahren auf Libcom: http://libcom.org/news/caution-warned-o ... e-02022007

Auch ein interessanter Artikel zur ganz aktuellen Bedeutung von Wikileaks auf Libcom: http://libcom.org/blog/world-vrs-wikileaks-12122010
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

Kuddel
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Re: Wikileaks / Assange

Beitrag von Kuddel » 23 Dez 2019, 09:37

Es ist unsere Freiheit
Julian Assange könnte an die USA ausgeliefert werden. Geschieht das, ist nicht nur sein Leben in Gefahr


Als würde man als Lehrer mit erhobenen Händen vor einer Klasse stehen, und an den Fingern vorzählen, dass zwei plus zwei gleich vier ist, während alle Welt beharrlich weiter behauptet, zwei und zwei sei drei oder auch fünf.“ Das antwortete mir Nils Melzer, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Folter, auf die Frage, wie es sein könne, dass im Herzen Europas ein Journalist in Isolationshaft sitzt, weil er die Wahrheit über Kriegsverbrechen enthüllt hat, und nichts passiere – kein Aufschrei der Presse, keine offenen Briefe prominenter Intellektueller oder Appelle von Politikern. Und ob er, Melzer, nicht langsam verzweifle daran.
(...)
Snowden, Assange und Manning sind die ersten westlichen Dissidenten des globalen Informationszeitalters: Sie fordern Transparenz und Rechenschaft von den Regierungen und das Recht auf Privatsphäre für die Bürger. Warum also halten sich vor allem etablierte Medien so zurück bei Assanges Verteidigung, wo es doch um nichts Geringeres geht als um ihre eigene Zukunft und Freiheit?
(...)
Es ist auch das Ergebnis einer jahrelangen und beispiellosen Kampagne gegen Julian Assange. Er selbst sprach mir gegenüber von Anfang an von „character assassination“: Rufmord. Seit seinen Enthüllungen über amerikanische Kriegsverbrechen sind viele Jahre vergangen, ich habe inzwischen hunderte Artikel über ihn gelesen. Es gab und gibt zum Glück auch Ausnahmen, aber der Großteil zeichnet geradezu reflexhaft ein negatives Bild: Narziss, Vergewaltiger, verrückter Egomane, Sexist, Russenfreund, Paranoiker, Verräter, Sektenguru, Antisemit und ja, es gab auch schon den Vorwurf der Pädophilie.
(...)
Warum also diese Besessenheit der Presse, Assange zu delegitimieren? Wir leben in einer Demokratie, die auf Gewaltenteilung basiert. Es ist Aufgabe der unabhängigen Presse, sie zu überwachen und die Wahrheit zu verteidigen. Dass unsere Medien den Mächtigen vielleicht ein wenig zu nah gekommen sind und deshalb ihrer Aufgabe als „vierte Macht“ im Staat nicht mehr vollkommen nachkommen – auch das hat Wikileaks ans Licht gebracht. Denn wenn die Medien unkorrumpierbar wären, dann müsste es Wikileaks gar nicht geben.
(...)
Ich wunderte mich darüber, wie arglos er am Anfang im Umgang mit Journalisten war, sein Äußeres etwa hatte schon früh für Häme und negative Kommentare gesorgt. Bei Fernsehinterviews zog er die Schuhe aus, es kamen löchrige Socken zum Vorschein. Oder er trug zwei Jacken und Hosen übereinander, was als Beweis fehlender Seriosität interpretiert wurde. Ich fragte ihn, warum er so unvorsichtig gewesen sei und den Journalisten vertraut hätte. Er überlegte eine Weile, als würde er sich zum ersten Mal Gedanken darüber machen, und antwortete: „I thought they were men of honor.“ Ehrenmänner.

Vor Kurzem haben 60 Ärzte aus aller Welt einen Brief an die britische Regierung veröffentlicht, in dem sie fordern, dass Assange unverzüglich freigelassen und in ein Universitätskrankenhaus überstellt wird. Andernfalls sei sein Leben in Gefahr. Es ist noch nicht zu spät dafür, dass Journalisten endlich aufstehen, nicht nur für das Leben von Julian Assange, sondern auch für Pressefreiheit, für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, für unser aller Freiheit und Demokratie. Und dass sie endlich das werden, wofür Assange sie gehalten hat, als er mit ihnen das bis dahin größte Leak in der Geschichte teilte: Men of honor.
https://www.freitag.de/autoren/der-frei ... e-freiheit

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