Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil ...

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Kuddel
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Kuddel » 29 Apr 2010, 12:56

elite-handlanger hat geschrieben:und was man auch wieder sieht: die "autonomen" haben keinerlei realen bezug zu irgendwelchen segmenten der unterklassen. wenn die extremismustheorie so sehr in den koepfen der leute ist, dann muessen linke einen voellig anderen diskurs fuehren. aber wem sag ich das? manche schlagen sich eben lieber wegen 1-mai-plakate die koepfe ein...
Hier wurde ein elementares Problem angesprochen. Wäre durchaus einen eigenen Thread wert. Die sogenannte "radikale Linke" ist absolut selbstbezogen und ihr scheint das subkulturelle Gemeinschaftsgefühl zu genügen, wenn man gelegentlich theatralische Auseinandersetzungen mit der Polizei führen kann. Wenn es dann noch geifernde Artikel der bürgerlichen Presse gibt, war es sowieso "ein voller Erfolg".

Falls es sowas, wie einen "Klassenstandpunkt" unter diesen "Radikalen" gibt, dann will man etwas für das Proletariat, das Prekariat, die Migranten (etc.) erkämpfen und sieht sich nicht als Teil der Klasse, der Ausbeuteten, der Unterdrückten. Dementsprechend kommen diese "Radikalen" auch nicht auf die Idee ihre eigene Lebenssituation zu thematisieren oder um eigene Arbeitsbedingungen mit einem kollektiven Kampf zu verteidigen oder zu verbessern. Hier kämpft jeder für sich allein.

So bleibt diese Szene auch isoliert und politisch wirkungslos.

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Hydra
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Hydra » 05 Mai 2010, 01:25

Kuddel hat geschrieben: sogenannte "radikale Linke" ist absolut selbstbezogen
Ja, ein wichtiges Thema. Eine Diskussion könnte man schon mal versuchen, ich bin nur skeptisch ob sie auch was bringen würde, denn da ist, wie Kuddel treffend umschrieben hat, sehr viel festgefahren in solchen Köpfen.


Hier jedenfalls ein update zur Deisswil-Geschichte. Ein abgetippter Artikel aus der letzen work-Zeitung über die feinen Herrschaften, die für die Schliessung der Kartoni verantwortlich sind:
Die österreichische Mayr-Melnhof-Dynastie
K.U.K. und die Kaiserin Sissi lassen grüssen

Die Mayr-Melnhof-Hruppe hat 8100 Beschäftigte und setzt 1,6 Milliarden Euro um. Sie ist Nummer eins im europäischen Kartongeschäft und spielt auch im Holz vorne mit. Die dynastisch geführte Gruppe ist im Besitz der österreichischen Familie Mayr-Melnhof Saurau, einer Mischung aus Hoch- und Kommerzadel. Sie ist mit 32'400 Hektaren Wald die grösste österreichische Forstbesitzerin. In Russland hat Mayr-Melnhof kürzlich 280'000 Hektaren Wald in Pacht genommen. Dort befinden sich die grössten und billigsten europäischen Waldreserven, und der Raubbau hat Tradition.

HOCHADEL. Der Mayr-Melnhof-Clan verfügt über eines der grössten Vermögen Österreichs. Mit einer rigiden Erbpolitik wusste er bisher jede Verwässerung dieses Vermögens zu verhindern. Der Clan gliedert sich in die steirische Hauptlinie („die Reichen“) und den Salzburger Zweig („die Armen), der sich 1893 abspaltete. Wobei „arm“ mit 7000 Hektaren Grundbesitz, Immobilienfirma, Holzhandlung und zwei Schlössern relativ ist. Friedrich II. Mayr-Melnhof, der Patriarch des Salzburger Zweiges, ist mit Maria Anna Fürstin Orsini-Rosenberg verheiratet (Hochadel). Einer der drei Söhne und fünf Töchter, Friedrich III. Mayr-Melnhof, ist mit Monika Nostitz-Rieneck verheiratet, einer Urenkelin des 1914 in Sarajewo ermordeten österreichisch-ungarischen Tronfolgerpaars.
Erstmals ist die Familie Mayr-Melnhof 1434 urkundlich erwähnt. Sie ist in den typischen feudalen Bereichen tätig wie Bergbau, Forstwirtschaft und Landwirtschaft. Baron Franz III. Mayr-Melnhof gründet Ende des 19. Jahrhunderts das moderne Imperium mit der Holzstoff- und Papierfabrik Frohnleiten, 30 Kilometer nördlich von Graz. Daraus entsteht die heutige Mayr-Melnhof Karton AG. Der Haupterbe der steirischen Linie trägt immer den Namen Franz. Franz IV. Mayr-Melnhof (1888-1956) hat keine männlichen Erben. Er adoptiert seinen ältesten Enkel aus der Ehe von Tochter Maria-Mathilde mit Carl Anton Goess Sarau (Hochadel).

MILLIARDÄR. Besagter Enkel, Franz V. Mayr-Melnhof Saurau, stirbt 1993 bei einem Autounfall. Sein heute 33jähriger Sohn, Franz IV. Mayr-Melnhof Saurau, übernimmt nach dem Unfalltod seines Vaters das Imperium. Er stammt aus der Ehe mit Erzsebet Andrassy (Hochadel). Er ist der fünftreichste Österreicher mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden Euro. Franz IV. stützt sich stark auf den langjährigen CEO der Mayr-Melnhof Karton AG, Michael Gröllner, der heute noch ihr Verwaltungsratspräsident ist. Gröllner gehört zwar nicht zur Familie, ist aber mit dem Clan aufgewachsen: Er ist der Sohn des ehemaligen Frohnleitner Forstingenieurs. (olf/mp)
work, 16.04.2010, S. 3.
die opfer und die täter
kommen heute etwas später
das schlachten ist verschoben
anweisung von oben

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bebop
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von bebop » 20 Mai 2010, 21:29

In Deisswil siehts nicht gut aus...
Keine Gnade für Karton Deisswil

Die Fabrik im bernischen Deisswil wird definitiv geschlossen, wie der Mutterkonzern heute bekannt gab. Eine Hoffnung bleibt jedoch für die Standortgemeinde.

Bild
Der Kampf ist vorbei, die schwarze weht Flagge als Symbol für Trauer, Wut und Ohnmacht: Deisswil wird definitiv geschlossen. Foto: Iris Andermatt

Der österrichische Mayr-Melnhof-Konzern hat am Mittwoch die definitive Schliessung der Kartonfabrik im bernischen Deisswil bestätigt. Allerdings ist der Konzern bereit, über allfällige Alternativnutzungen des Standorts zu diskutieren.
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/ ... y/16623979

Nach Informationen aus erster Hand sind die meisten Leute resigniert, nachdem die bisherigen (zahmen) Kampfmassnahmen nichts gebracht haben. Viele bewerben sich nun um neue Jobs, wozu sie auch von der Unia angetrieben werden (zur unrühmlichen Rolle, die diese "Organisation" hierbei gespielt hat und immer noch spielt vielleicht später). Manch überlegen auszuwandern.

Nur ganz wenige haben sich offenbar radikalisiert und wollen den Kampf mit wirklich effektiven Mitteln weiterführen. Was nötig wäre, denn so wie's aussieht hat der "Standort Deisswil" auch eigentlich kein Geld für Sozialpläne und die Mayr-Melnhof wird wohl kaum was rausrücken wenn man es nicht aus ihnen rausquetscht...

EDIT: Nachtrag dazu: Ein Arbeiter hat in der Facebookgruppe gerade was über die heutigen Verhandlungen berichtet, die das oben gesagte bestätigen!!!
und zwar:
Heute gab es die ersten Sitzungen für den Sozialplan für die mitarbeiter von Deisswil, Nach 2h als ein teil der Angestelten fragten ( öb mir its mau chöi zahlä körä ) Stand der Geschäftsführen ( Schneider Stephan ) auf und schmiss die ganze sache hin!!!!!!!! So unfair wie sie die Firma schliesten geht es its weiter.
:evil: guckst du selbst: http://www.facebook.com/group.php?gid=1 ... all&ref=ts
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von savo » 20 Mai 2010, 23:05

zur unrühmlichen Rolle, die diese "Organisation" hierbei gespielt hat und immer noch spielt vielleicht später
unbedingt! wieder mal ein klassisches paradebeispiel wie arbeiterInnen und unterstützerInnen von gewerkschaften ausgetrickst werden...
"Was tun, wie die nächsten Kämpfe in Angriff nehmen,wie stabile Verbindungen einrichten, das sind Probleme, an die wir herangehen werden. Heute ist es bereits ein grosses Ergebnis, dass wir uns als Arbeiter begegnen und miteinander diskutieren."

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Kartonfabrik Deisswil blockiert !!

Beitrag von bebop » 30 Mai 2010, 12:00

Jetzt gibt es doch noch wirkliche Kampfmassnahmen in Deisswil. Die ArbeiterInnen der Kartonfabrik haben die Tore blockiert, um den Abtransport von Altpapier zu verhindern. :twisted:

So viel ich weiss ist das Altpapier mehrere Millionen wert. Scheinbar ist die Stimmung unter den Betroffenen durch diese Aktion auch wieder besser und kämpferischer geworden.

hier Beiträge von Telebärn
26.05.2010 Betriebsversammlung beschliesst Blockade: http://www.kyte.tv/ch/telebaern/deisswi ... 3&s=908491
28.05.2010 Kein Zugang zur Kartonfabrik: http://www.kyte.tv/ch/telebaern/kein-zu ... 3&s=909443

und von SF:
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten ... lis1927958
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von savo » 30 Mai 2010, 17:34

· Montag, 31. Mai 2010, 11 Uhr, Besammlung in der Fabrik, „um gemeinsam nach Bern an die Industriekundgebung der Unia zu fahren“.

· Dienstag, 1. Juni 2010, 15.30 Uhr, Laborparkplatz vor der Fabrik, „um stimmungsvoll die Verhandlung zu begleiten“.

· Mittwoch, 2. Juni 2010, 11.30 Uhr, gemeinsames Mittagessen und Betriebsversammlung ab 12.30 Uhr
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von PuppetMaster » 31 Mai 2010, 07:40

schön zu hören das aus Deisswil!! 8-)

Bei der WIFAG kommt werden nun die nächsten 170 Leute entlassen. Siehe http://www.kyte.tv/ch/telebaern/wifag-s ... 3&s=910344 oder http://www.bernerzeitung.ch/region/bern ... y/24072575

nach den über 400 letztes Jahr jetzt noch 170 macht an die 600. Die verdammte Salamitaktik geht auf. d:o
Ich glaube nicht, dass das so kampflos hingenommen worden wäre wenn sie 600 aufs Mal entlassen hätten. Aber vielleicht können sie ja aus Deisswil etwas lernen...

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Anteile an der Karton Deisswil AG an eine regionale Schweize

Beitrag von savo » 31 Mai 2010, 20:39

Die Mayr-Melnhof Gruppe hat sämtliche Anteile an der Karton Deisswil AG an eine regionale Schweizer Investorengruppe verkauft. Die Kartonproduktion bleibt stillgelegt. Das Standortnetzwerk der MM Kartondivision kann den Gutteil der laufenden Kundenaufträge bedienen.

Mit diesem finalen Schritt ist ein einmaliger buchmäßiger Ergebniseffekt von rund 8 Mio. EUR verbunden.
http://www.mayr-melnhof.com/home/latest-news/406.html
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Kuddel » 31 Mai 2010, 21:25

Protestaktion von Clariant-Angestellten führt zu Stau auf Nordtangente

Angestellte des Chemiekonzerns Clariant im elsässischen Hüningen haben am Montagmorgen und am Montagabend den Pendlerverkehr an Grenzübergängen bei Basel behindert. Die Aktion führte zu kilometerlangen Rückstaus.


Bild
Das Clariant-Werk Huningue bei Basel soll geschlossen werden. Arbeiter diskutieren vor dem Werktor.


Protestaktionen von französischen Angestellten an den französisch-schweizerischen Grenzübergängen bei Basel haben am frühen Montagabend auf der Autobahn in Fahrtrichtung Frankreich zu einem kilometerlangen Stau geführt. Wegen der Verkehrssicherheit hat die Kantonspolizei den linken Fahrstreifen gesperrt.

Rückstau bis ins Baselbiet

Die Verkehrslage normalisierte sich erst gegen 19 Uhr. Da die Protestaktionen mitten in die Zeit des Feierabendverkehrs fielen, stauten sich die Fahrzeuge auf der Autobahn in Fahrtrichtung Frankreich während der Spitze bis ins Baselbiet zurück; das Stauende befand sich auf Höhe Schweizerhalle. Da die Protestaktionen an allen Grenzübergängen bei Basel stattfanden, kam es auch auf dem lokalen Strassennetz in der Stadt zu Behinderungen, namentlich bei den Grenzübergängen und im Gebiet Voltaplatz.

Wegen eines Fahrstreifenwechsels mitten im hohen Verkehrsaufkommen kam es um 18.30 Uhr auf der Autobahn A2 in Höhe Schwarzwaldbrücke zu einer Kollision zwischen zwei Autos. Dies führte zu einer weiteren Behinderung. Verletzt wurde niemand.

Unterschriftensammlung bei Pendlern

Bereits am Morgen hatten die Angestellten den Pendlerverkehr von Frankreich her mit einer Unterschriftensammlung behindert. Die Aktion begann am frühen Morgen und dauerte bis 8.45 Uhr, wie ein Sprecher des Grenzwachtkommandos Basel auf Anfrage sagte. Die Aktion habe auf französischem Boden stattgefunden, der Verkehr von Frankreich in die Schweiz sei indes spürbar behindert worden.

24-Stunden-Streik

Betroffen waren laut dem Sprecher mindestens drei Grenzübergänge nach Basel sowie einer nach Allschwil, laut der französischen Nachrichtenagentur AFP zudem auch der Autobahn-Zoll Basel-St-Louis sowie ein Grenzübergang von Frankreich nach Deutschland.

Rund 90 Personen hätten nach Angaben der Präfektur des Departements Haut-Rhin an der Aktion teilgenommen, hiess es in dem Bericht weiter. Zudem seien die Angestellten von Clariant Huningue in einen 24-stündigen Streik getreten.

Letzte Verhandlungsrunde

Die Aktion steht im Zusammenhang mit der für Montag vorgesehenen letzten Verhandlungsrunde über Begleitmassnahmen bei der Betriebsschliessung. Clariant mit Sitz in Muttenz hatte im November die Schliessung des Werks Hüningen für 2011 angekündigt. (dis/sda)
http://bazonline.ch/wirtschaft/unterneh ... y/10271854

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lucky puke
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von lucky puke » 02 Jun 2010, 09:34

auf Netzwerk IT hats Fotos vom Streik und den Blokadeaktionen bei Clariant Hüningen:
http://www.netzwerkit.de/projekte/clari ... 531_5/view
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

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