Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil ...

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Kuddel
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Kuddel » 03 Jun 2010, 13:53

Streik in der Chemiefabrik Clariant

Basel (Korrespondenz), 02.06.10: Die Firma Clariant, mit Hauptsitz in Muttenz bei Basel (Schweiz), hatte im Februar den Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen in Frankreich und der Schweiz angekündigt. Schon Anfang März demonstrierten die Kollegen in Muttenz mit Unterstützung aus Frankreich und der BRD gegen die Entlassungen.

Als die französischen Kollegen im Werk in Huningue, keine 500 Meter nach der Schweizer Grenze, zum wiederholten Mal gegen die Schließung ihres Werkes in Streik traten, erhielten auch sie Unterstützung aus der Schweiz: Ein Bus voller Teilnehmer an einem Industrie-Aktionstag der Gewerkschaft UNIA aus Basel machte einen Besuch bei den Streikenden.

Als wir mit den Claraint-Kollegen aus Muttenz an der Spitze ankamen, wurden wir mit großem Beifall empfangen. Das Fabriktor war blockiert. Vor dem Tor erinnerten Kreuze daran, dass 262 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Überall handgemalte Plakate: "Kottmann, (Chef der Clariant) wir warten auf Dich!“ "Ihr Herren von der Direktion! Der Kampf beginnt jetzt erst!“ Die Kollegen erzählten, dass sie am Morgen den Grenzübergang blockiert hatten und 3.500 Unterschriften unter den Grenzgängern gesammelt hatten. Aber sie waren auch skeptisch, was sie mit ihrem Streik erreichen würden.

Am Abend staute sich der Verkehr schon zehn Kilometer vor Basel: Die Kollegen sammelten wieder Unterschriften und hatten dazu den Grenzübergang blockiert. Am Abend wurde auch das Ergebnis der Verhandlungen bekannt: Clariant war bereit, den bestehenden Sozialplan um zwei Jahre zu verlängern. Ob sich die Kollegen damit zufrieden geben, wird sich zeigen. Notwendig wäre der gemeinsame Kampf um jeden Arbeitsplatz in den betroffenen Werken. Und daran arbeiten auch die Kollegen in Muttenz.
http://www.rf-news.de/2010/kw22/streik- ... k-clariant

Melnitz
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Melnitz » 19 Jun 2010, 02:50

Bein Indymedia Schweiz wird übrigens auch schon flott über Deisswil debattiert. Siehe hier:

http://ch.indymedia.org/de/2010/06/76391.shtml

Kuddel
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Kuddel » 22 Jun 2010, 19:30

Jobs, Spanferkel und Bier für alle!
Happy End in der Kartonfabrik Deisswil: Die neue Besitzerin um den Berner CS-Banker Hans-Ulrich Müller bietet Besitzstandgarantie und Beschäftigung für alle. Von Daniel Vonlanthen

17.06.2010
Die Unia-Leute haben alles auf eine Karte gesetzt – und gewonnen. Die neue Besitzerin der Kartonfabrik Deisswil geht auf ihre zentralen Forderungen ein. Die da lauteten: Weiterbeschäftigung aller Bisherigen nach Firmen-GAV und ein guter Sozialplan bis 2014. Ihre Forderungen haben die Gewerkschaft und die Büezer mit einer Blockade des Firmengeländes untermauert. Der Berner CS-Banker Hans-Ulrich Müller und weitere Beteiligte sind die neuen Besitzer der Firma (siehe nächsten Artikel). Sie heisst neu «Berna Industrie- und Dienstleistungspark AG».

Am Freitag, 4. Juni, gelingt der Durchbruch: Die beiden Unia-Verhandlungsleiter Corrado Pardini und Roland Herzog treten vor die Büezer. Sie können ihr Transparent «Wir kämpfen für unsere Arbeitsplätze» wieder einrollen und die Tore zum Gelände freigeben. Die «Entschlossenheit der Belegschaft und die Blockade waren entscheidend für den Verhandlungserfolg », sagt Corrado Pardini, Leiter des Sektors Industrie bei der Unia.

Der «Freudentag» erntet landesweites Medienecho. Der Papiertechnologe Hans-Ulrich Brunner (51), genannt Üelu, seit 26 Jahren in Deisswil, tritt als Sprecher der Belegschaft auf. «Es geht für uns alle weiter – in welcher Form auch immer», frohlockt er. Und: «Die neuen Investoren haben eine gute Crew gekauft.» Brunner selbst will in Deisswil weiterarbeiten. Besonders die älteren Mitarbeiter seien froh, dass ihnen der Gang auf die Regionale Arbeitsvermittlung RAV erspart bleibt.

Seit Montag, 7. Juni, pünktlich um 7 Uhr wird in Deisswil wieder gearbeitet. Der Neustart erfolgt vorerst nur mit einem Teil der Belegschaft. Unter ihnen der stellvertretende Waagmeister Ferdinand Moser (57). Er ist gerade damit beschäftigt, das Leergewicht eines einfahrenden Lastwagens zu messen.

KONKURRENZ STILLGELEGT
Das erste, was in Deisswil wieder funktioniert, ist der Papierhandel: Riesige Altpapierberge türmen sich vor dem Fabrikgebäude. Mit den Gemeinden in der Region bestehen langfristige Lieferverträge. Doch der angelieferte Rohstoff wird nie mehr zu Karton verarbeitet werden. Die Lastwagen transportieren das Altpapier unsortiert ab.

Das ist die zentrale Bedingung des Deisswil-Deals: Der Verkäufer, der Mayr-Melnhof- Konzern, verbietet den neuen Besitzern aus Bern, Karton zu produzieren. Der österreichische Kartonmulti braucht damit keine Schweizer Konkurrenz mehr zu fürchten. Mit der Stilllegung der letzten grossen Kartonfabrik hat er sein Monopol gefestigt
Wenn Waagmeister Moser den Telefonhörer abnimmt, meldet er sich mit «Karton Deisswil ». Wie er es seit 26 Jahren tut. «Denn unsere Kundschaft weiss noch nichts vom Besitzerwechsel. » Doch jetzt muss Moser umlernen: Künftig wird er sich mit dem neuen Firmennamen «Berna AG» melden. Der Eigenheimbesitzer zeigt sich zufrieden, dass er seinen Job behalten darf. Wie die meisten seiner Arbeitskollegen sei er «Deisswiler mit Herzblut».

Doch im Traditionsunternehmen wird nichts mehr so sein wie bisher. Die neue Arbeitgeberin bietet zwar der gesamten Belegschaft Beschäftigung und Lohngarantie bis 2014 an. Gleichzeitig rät sie aber allen zur Jobsuche: «Externe Neuorientierung » heisst das im Brief an die Mitarbeitenden. Die künftigen Tätigkeitsfelder in Deisswil sind Altpapiersortierung, Logistik und temporäre Vermittlung an Dritte. Bereits haben rund ein Viertel der 253 Bisherigen anderswo einen neuen Job gefunden. In der internen Jobbörse erhalten jene, die sich neu orientieren wollen, die nötige Unterstützung.

In den nächsten Wochen werden Mitarbeiter damit beschäftigt sein, das Firmengelände von altem Material zu säubern und mit Hochdruckreiniger zu putzen. Noch ist unklar, was mit den schweren Produktionsmaschinen geschieht. Sie sollen demontiert werden, solange die Fachkräfte noch auf Platz sind.

STARKE BELEGSCHAFT
Und vorerst bleibt auch offen, wie es mit der Betriebskultur weitergehen soll. Rund 80 Prozent der Mitarbeiter in der Produktion sind Mitglieder der Unia. Der Schichtbetrieb schweisste sie zusammen wie eine Familie. Und während des zwei Monate dauernden Arbeitskampfs bildeten sie eine Schicksalsgemeinschaft.
Mitte Juli steigt auf dem Firmengelände in Deisswil das grosse Fest, finanziert von Hans- Ulrich Müller. Es wird Spanferkel und Bier für alle geben. Und für muslimische Mitarbeiter ein Alternativangebot. Selbst diese Abschlussparty ist Teil der Vereinbarung, welche die Belegschaft und die neuen Firmenchefs ausgehandelt haben.

work, 17.06.2010
http://www.workzeitung.ch/tiki-read_art ... 25&topic=1

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Sansculotte
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Sansculotte » 23 Jun 2010, 20:16

auch interessant ist folgender artikel über denn "mister kmu": http://workzeitung.ch/tiki-read_article ... 24&topic=1

naja "interessant" ist vielleicht das falsche wort, meine es eher negativ
«Deisswil soll sein Meisterstück sein. Sie ist sein Ding. Seine Passion für die Zeit nach der Pensionierung.»
Ja SEINE Fabrik, SEIN Ding... hoffentlich haben sie ihm einen hohen turm gebaut auf dem er jeden morgen seine lohnsklaven freudig begrüsst :roll:
Geht, wenn ihr könnt. Wir werden hier nicht alle beschäftigen können. Seid Egoisten!
Andere hätten gesagt, 'wir schaffens zusammen, müssen lösungen finden etc.' er aber sagt 'verpisst euch, hier hats nicht für alle platz!"' ..paff ins knie ;-)

ich trau dem nicht...
aramtamtam aaaaaaramtamtam!!!

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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von savo » 23 Jun 2010, 21:04

..paff ins knie
:mrt
"Was tun, wie die nächsten Kämpfe in Angriff nehmen,wie stabile Verbindungen einrichten, das sind Probleme, an die wir herangehen werden. Heute ist es bereits ein grosses Ergebnis, dass wir uns als Arbeiter begegnen und miteinander diskutieren."

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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von lucky puke » 29 Jun 2010, 16:47

jaja, einige haben geahnt dass das so kommen wird, aber die Belegeschaft hat die Versprechen von Mr. Corrado Pardini allzu gutgläubig angenommen.

Es scheint als hätten sie einem (für schweizer Verhältnisse) ausserordendlich zähen Kampfgeist schlussendlich wieder den Weg des geringsten Widerstandes genommen. Sie werden nun halt scheibchenweise entlassen oder zum gehen "ermutigt" :X

was wirklich wichtig wäre, ist, die Rolle die die Unia dort gespielt hat, mal aufzuarbeiten und öffentlich zu machen um bei der nächsten Betriebsschliessung die Leute zu warnen auf was sie sich einlassen, wenn sie der Gewerkschaft einfach vertrauen und nicht SELBST die Kontrolle über IHREN KAMPF übernehmen...
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

Melnitz
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Melnitz » 16 Jul 2010, 11:55

Weidder gehts. Thurella schliesst Werk in Eglisau ZH und baut 100 von 220 Stellen ab:

Getränkehersteller Thurella entlässt Hälfte der Belegschaft (NZZ)

Thurella dreht den Safthahn zu – 100 Jobs weg (SF, incl. 20-Sekunden-Video)

Weiss jemand welche Gewerkschaft da "zuständig" ist?

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Re: Thurella

Beitrag von bebop » 16 Jul 2010, 12:06

:o Als Verkäufer von Biotta-Säftlis stehe ich mit denen ja in einem arbeitstechnischen Zusammenhang...

Gewerkschaft würde ich sagen Unia. Ist ja Industrie ?!
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

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Re: Thurella

Beitrag von Melnitz » 19 Jul 2010, 01:32

Der Beitrag von Schweiz Aktuell vom letzten Freitag:

Notbremse

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Deisswil doch kein Sieg + Veranstaltung dazu

Beitrag von bebop » 14 Aug 2010, 12:41

langsam aber sicher ist in Deisswil die von Unia & Konsorten verbreitete Siegesstimmung verflogen und es wird die Realität dieses Kompromisses klar. Auf der facebookseite hat eine Angehörge geschrieben:
es het am afang so guet tönt, u aui si happy gsi, aber was itz dert ablouft, isch eifach nume trurig u fies. es hätt viu ds mache, aber d arbeiter müesse deheim blibe-churzarbeit, u wärde so quasi zum ga drängt. i hoffe mi päpu fingt gli öpis u cha dert wäg, es isch sehr belastend im momänt u unzfrideheit macht sech br...eit, u der kampf wo me het gmeint me het gwunne, hei si doch verlore, ömu di meiste.
http://www.facebook.com/group.php?gid=1 ... all&ref=ts

Nächsten Mittwoch, 18. Aug. machen kritische Leute, die den Kampf in Deisswil aktiv unterstützt haben, in Bern eine Veranstaltung dazu. Die ist ab 19:30 im Käfigturm in der Altstadt, Eintritt frei. Siehe: http://www.kaefigturm.ch/d/veranstaltun ... fault.aspx
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

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