Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil ...

& neues von Chefduzen
Melnitz
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von Melnitz » 23 Okt 2011, 03:05

Die Swissprinters scheinen sich wehren zu wollen. Bonne chance und Solidarität!

Swissprinters-Mitarbeiter geben nicht klein bei
ST.GALLEN. Mit Fahnen und Pfeifen zogen gegen 100 Mitarbeiter der Swissprinters in St.Gallen durch die Stadt, vom Hotel Walhalla über den Marktplatz an der Tonhalle vorbei bis vor die Olma-Messen. Sie wollten damit darauf aufmerksam machen, dass ihr Arbeitsort geschlossen werden soll.

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bebop
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von bebop » 04 Nov 2011, 21:10

Weitere Entlassungswellen...
Alpiq streicht 450 Stellen
Der Energiekonzern Alpiq zieht wegen «fundamentaler Veränderungen in der Strombranche» die Notbremse. Das Unternehmen muss Milliarden abschreiben und baut 450 Stellen ab, davon die Hälfte in der Schweiz
http://www.suedostschweiz.ch/wirtschaft ... 50-stellen
BKW streicht 55 Stellen im Netzgeschäft
Der Berner Energiekonzern BKW baut im Netzgeschäft rund 55 Stellen ab. Das Unternehmen reagiert damit auf die Verfügung zu geringeren Maximalerlösen im Verteilnetz und auf den vom Parlament beschlossenen Atomausstieg.
http://www.suedostschweiz.ch/wirtschaft ... tzgeschaft
Kudelski streicht weltweit 270 Stellen
Der Westschweizer Verschlüsselungsspezialist Kudelski baut 270 der weltweit rund 3000 Stellen ab. In der Schweiz gehen dabei rund 90 Stellen verloren. Gleichzeitig wird auch die Geschäftsleitung auf vier Mitglieder reduziert.
http://www.suedostschweiz.ch/wirtschaft ... 70-stellen
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bebop
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von bebop » 16 Dez 2011, 14:12

Swissprinters geht jetzt definitiv zu.

Eine Bilanz aus dem unten hinkopierten Artikel:
Mit zwei Demonstrationen an der Olma in St. Gallen und vor dem Ringier-Hauptsitz in Zürich sowie Gesprächen mit der Geschäftsleitung und einer Arbeitsniederlegung erreichte die St. Galler Belegschaft eine Verlängerung der Konsultationsfrist. (...) Ergebnis: null, leeres Geschwätz. (...) «Das war kaum mehr als eine PR-Aktion.»
...wie bis jetzt jedesmal, wenn nicht mit NEIN, NEIN, NEIN und nochmals NEIN! auf solche Entscheide geantwortet wurde. :|
Swissprinters schliesst
Ist wirklich der starke Franken schuld?

Von Andreas Fagetti

Swissprinters, die grösste Druckerei der Schweiz, schliesst ihren Tochterbetrieb und stellt in Zürich und St. Gallen über 300 Leute auf die Strasse. Für St. Gallen ist das die grösste Massenentlassung der jüngeren Geschichte.

Zollikofer war einst eines der grössten Traditionsunternehmen St. Gallens und eine der ältes­ten Druckereien der Schweiz. Als es 1798 gegründet wurde, verdiente es zunächst Geld mit dem Druck von revolutionären Flugschriften, später gab es das «St. Galler Tagblatt» heraus. Das Unternehmen, im Volksmund kurz «Z» genannt, war bis zum Ausverkauf nach Zürich das Flaggschiff des St. Galler Freisinns und eine unternehmerische Topadresse, die hoch qualifizierte Stellen anbot und technologisch immer mit an der Spitze war. Wer hier einen Ausbildungsplatz ergatterte, wurde darum beneidet. Mittlerweile ist das Ostschweizer Unter­nehmen nicht mehr das, was es einmal war: Es wurde zerlegt und wird heute von Zürich aus dirigiert. Das «St. Galler Tagblatt» gehört mittlerweile zur NZZ-Gruppe, die Druckerei Zollikofer ging im Jahr 2005 im Druckereiunternehmen Swiss­printers auf, an dem Ringier als Mehrheits­aktionärin, sowie die NZZ-Gruppe und Tamedia beteiligt sind. Die lokalen freisinnigen Fürsten haben nicht mehr viel zu melden. Oder geben sich jetzt bei der Betriebsschliessung der ehemaligen Druckerei Zollikofer machtlos.

Erodierende Margen


Im Oktober kam für die Belegschaft der Hammerschlag. Swissprinters gab die Schliessung ihrer Druckereien in St. Gallen und Zürich bekannt. 300 Stellen fallen dem Kahlschlag zum Opfer. In Zürich sollen bestehende Aufträge ab Januar durch die Neidhardt und Schön Group ausgeführt werden, 46 Swissprinters-Mit­arbeiterInnen werden dort weiterbeschäftigt. Die sechzehn Lernenden, so hiess es in einer Medienmitteilung, sollen ihre Ausbildung beenden können. In St. Gallen, wo 150 Stellen wegfallen, stoppen spätestens Mitte nächsten Jahres die Druckmaschinen. Die Unternehmensleitung stellt den Stellenabbau als zwingend dar, damit das Überleben von Swiss­printers gesichert werden könne. Überkapazitäten im Schweizer Markt, sinkende Auftragsvolumen, die Stärke des Frankens und erodierende Margen sind die Hauptargumente. Michael Ringier persönlich erklärte Anfang November in einem Brief an die Gewerkschaft Syndicom die Gründe: «In den letzten achtzehn Monaten hat der Franken gegenüber den meisten Währungen um zirka zwanzig Prozent zugelegt. Das ist ein Mehrfaches der Marge, die man vorher bei guten Auslandsaufträgen noch erzielen konnte. Aufträge aus dem Ausland sind beim heutigen Preisniveau praktisch nicht mehr zu akquirieren, und einheimische Druckaufträge werden ins Ausland vergeben oder können nur unter Inkaufnahme von Verlusten gehalten werden. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Swissprinters mittlerweile erhebliche Verluste schreibt, und dies seit einiger Zeit. Wenn nicht grundlegende Veränderungen herbeigeführt werden, hat dies zur Folge, dass das ganze Unternehmen in seiner Existenz gefährdet ist.»

Längst beschlossene Sache

Die Belegschaft in St. Gallen nahm den Schliessungsentscheid nicht widerstandslos hin und machte Druck. Unterstützt wurde sie dabei von der Gewerkschaft Syndicom und Gewerkschaftsbundpräsident Paul Rechsteiner. Dass die Betriebsschliessung allein auf die Stärke des Frankens, den Margendruck und einen Rückgang der Aufträge zurückzuführen sei, glaubt sie ohnehin nicht. Bereits im Jahr 2009 hatte die Gewerkschaft Comedia pub­lik gemacht, dass die Schliessung des Swissprinters-Standortes St. Gallen eine längst ausgemachte Sache war. Der Verwaltungsrat von Swissprinters beschloss damals ein Szenario mit dem Ziel, «St. Gallen zum frühest möglichen Zeitpunkt zu schliessen». Mit dem Kauf der Druckerei Zollikofer, so sagen Mitarbeiter, sei ein Konkurrent mit dem Ziel aufgekauft worden, ihn aus dem Weg zu räumen. Um eine Durststrecke durchzustehen, wäre reichlich Geld vorhanden. Ringier, Tamedia und NZZ-Gruppe wiesen im Jahr 2010 einen Gewinn von insgesamt 200 Millionen Franken aus. Doch der kommt nun nicht diesen Arbeitsplätzen zugute, sondern den Aktionären.

Zwei Demonstrationen

Mit zwei Demonstrationen an der Olma in St. Gallen und vor dem Ringier-Hauptsitz in Zürich sowie Gesprächen mit der Geschäftsleitung und einer Arbeitsniederlegung erreichte die St. Galler Belegschaft eine Verlängerung der Konsultationsfrist. Die Belegschaft schlug vor, die gut ausgelastete und technisch auf dem neuesten Stand ausgestattete Druckerei in St. Gallen in abgespeckter Version mit noch siebzig Arbeitsplätzen weiterzubetreiben. Die Geschäftsleitung lehnte den Vorschlag ab. Schliesslich kam es Ende November zu einer Arbeitsniederlegung – immerhin soll jetzt über eine Abgangsentschädigung weiterverhandelt werden. Die Kündigungen sind inzwischen ausgesprochen.

Die grösste Massenentlassung seit langem lässt die bürgerliche Seite kalt. Anders als in Bellinzona (SBB) und in Nyon (Novartis), wo sich eine ganze Region geschlossen hinter die von Arbeitsverlust bedrohten Menschen stellte, stahl sich in der Ostschweiz die bürgerliche Seite aus der Verantwortung und blieb untätig. Der St. Galler Stadtrat und die St. Galler Regierung unternahmen nichts. Volkswirtschaftsdirektor Beni Würth (CVP) tat zunächst bloss, wozu er gesetzlich verpflichtet ist: die Betroffenen bei der Wiedereingliederung unterstützen. Auf Druck von Gewerkschaftschef Paul Rechsteiner empfing er eine Delegation aus Belegschaft und Gewerkschaft zu einem einstündigen Gespräch und unterhielt sich ausserdem pro forma mit der Geschäftsleitung von Swissprinters. Ergebnis: null, leeres Geschwätz. Der zuständige Gewerkschaftssekretär Dominik Dietrich, der einst selbst bei Zollikofer eine Lehre absolvierte, sagt: «Das war kaum mehr als eine PR-Aktion.» Auch der millionenschwere Privatbankier Konrad Hummler, immerhin NZZ-Verwaltungsratspräsident, rührte keinen Finger für die Belegschaft und verweigerte ein Treffen.

Schlaflose Nächte­


Markus Walser, 55, der jahrzehntelang Rotationsdrucker im Dreischichtbetrieb war, steht vor einer ungewissen Zukunft. Er hatte viele schlaflose Nächte und Existenzangst. «Die Entlassung ist ein herber Schlag», sagt Walser. In der Ostschweiz wieder eine Stelle als Rotationsdrucker finden, sei aussichtslos. Hinzu komme sein Alter. Er habe sich vom ersten Schock erholt, sei zum Berufsberater gegangen und sehe jetzt wieder etwas Licht am Ende des Tunnels, sagte er: «Ich habe vor Jahren eine Ausbildung als Betriebsfachmann absolviert, die kann ich wieder auffrischen.» Immerhin ist er familiär nicht mehr unter Druck, sein Sohn ist aus der Lehre. «Ich denke an meine Kolleginnen und Kollegen, die Familie haben. Sie stehen auf der Strasse, für sie ist der Druck enorm.»

Jetzt hofft Markus Walser auf eine anständige Abgangsentschädigung für seine Kollegen und sich. «Wir haben im Betrieb während Jahren alles gegeben, waren stolz auf ihn, dafür haben wir eine Entschädigung verdient. Wir müssen uns schliesslich auf eine neue berufliche Zukunft vorbereiten.» Noch ist offen, wie viel es sein wird.

Vorläufig wird an der Fürstenlandstrasse in St. Gallen weitergearbeitet. Derzeit, sagt Walzer, «haben wir so viel Arbeit, dass wir im Sechsschichtbetrieb arbeiten könnten».

Der starke Franken
«Nach wie vor überbewertet»


Die Meldungen tönen unterschiedlich, aber im Kern ist die Botschaft immer die gleiche: Stellenabbau wegen des starken Schweizer Frankens. In den vergangenen Wochen und Monaten kam es in verschiedenen Branchen immer wieder zu grösseren Entlassungen: Das Druckereiunternehmen Swissprinters entlässt 300 Angestellte in Zürich und St. Gallen (vgl. Haupttext), die Cham Paper Group verlagert 200 Arbeitsplätze nach Italien, der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst streicht rund 400 Stellen, die meisten davon in Lausanne ... Der starke Franken macht der Schweizer Volkswirtschaft schon seit vergangenem Jahr zu schaffen, doch in den letzten Monaten hat sich der Druck auf die Unternehmen verstärkt.

Seit die Nationalbank am 6. September verkündete, dass sie die Untergrenze des Euro-Kurses bei 1.20 Franken verteidigen werde, liess der Druck auf den Franken ein wenig nach. Allerdings sei der Franken nach wie vor überbewertet, sagt Daniel Lampart, Chef­ökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Die Gewerkschaften fordern seit langem, dass die Nationalbank eine Untergrenze von 1.40 Franken anstreben müsste. Die Export­wirtschaft leide extrem unter dem starken Franken, man befinde sich in einer schwierigen Situation. «Die Vorstellung, dass die Schweiz eine Insel in Europa ist, halte ich für naiv», sagt Daniel Lampart. Man stelle ausserdem fest, dass insbesondere bei Neueinstellungen der Druck auf die Löhne zugenommen habe. Vor dem Hintergrund, dass sich die Konjunktur weiter verschlechtert und die Arbeitslosigkeit (auf tiefem Niveau) ansteigt, scheint die Forderung nach einem höheren Franken-Euro-Kurs umso dringender.

Am Erscheinungstag dieser WOZ wird die Nationalbank die geldpolitische Lage neu be­urteilen. In welche Richtung die Währungs­hüterin gehen wird, ist ungewiss. Der Entscheid der Nationalbank wird aber auch Einfluss auf die politischen Diskussionen haben. Denn am 21. Dezember findet in Bundesbern eine Sondersession zum starken Franken statt.

WOZ vom 15.12.2011
http://www.woz.ch/artikel/2011/nr50/wir ... 21525.html
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von Kuddel » 03 Jan 2012, 15:41

Novartis will die Niederlassung in Nyon schliessen – über 300 Arbeitsplätze würden gestrichen, nochmals so viele verlagert, 700 Menschen wären betroffen. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen: Ein Bericht der Beschäftigten beweist, dass die Schliessung vermeidbar ist.
http://www.woz.ch/artikel/2011/nr51/schweiz/21552.html

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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von bebop » 26 Feb 2012, 14:36

Rieter schliesst ein Werk im thurgauischen Sirnach. Laut Rieter würden alle 31 Betroffenen in Winterthur weiterbeschäftigt werden: http://www.rieter.com/de/rieter/medien/ ... ufgegeben/

Halbwegs positive News aus England. Arbeiter von Mayr-Melnhof haben kurzzeitig ihr Werk besetzt:
Arbeiter besetzen Mayr-Melnhof-Werk bei Liverpool

Bild Aktivistinnen und Aktivisten von "Occupy Liverpool" finden für Kartons kreative Verwendung
Der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof hat mit militantem Arbeiterwiderstand zu kämpfen: In Bootle bei Liverpool besetzten 40 Arbeiterinnen und Arbeiter am Samstag, dem 18. Februar 2012, ihre Fabrik.

Die Beschäftigten befinden sich im Arbeitskampf und wehren sich gegen das Vorhaben der Unternehmensführung, 50 der 180 Beschäftigen zu entlassen. Viele arbeiten bereits seit 40 Jahren im Betrieb und organisieren jetzt Widerstand. Bereits eine Woche vor der Besetzung streikte die Belegschaft für 48 Stunden.

(...) (Allerdings:) Nach zwei Stunden ist die Besetzung beendet worden, weil die Werksleitung weiteren Verhandlungen mit der Gewerkschaft Unite zugestimmt hat. Aber der Kampf gegen die Entlassungen geht weiter. Unterstützungserklärungen schickt bitte an: Phil Potter, Unite Gewerkschaft, p-potter1 [at] sky.com
http://www.linkswende.org/5692/Arbeiter ... -Liverpool

infos in Englisch: http://libcom.org/blog/liverpool-worker ... y-18022012
Zuletzt geändert von bebop am 11 Mär 2012, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Kuddel
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von Kuddel » 04 Mär 2012, 15:10

Streiks und Aussperrung bei Mayr-Melnhof in Bootle
02.03.2012

Mayr-Melnhofs englischer Verpackungsstandort Bootle ist weiterhin von Streikmaßnahmen betroffen; darüber hinaus soll es Gewerkschaftsangaben zufolge zu einer Aussperrung der Mitarbeiter durch das Management-Team von Mayr-Melnhof Packaging UK Ltd., Liverpool, gekommen sein. Wie es heißt wurden die rund 180 Beschäftigten über eine vorübergehende Freistellung ohne Fortzahlung des Arbeitslohns ab 18. Februar informiert. Dies sei die Antwort der Gruppe auf den andauernden Streik in Bootle gewesen, nachdem die Verhandlungen über Mitarbeiterentlassungen erfolglos verliefen, so ein Sprecher der britischen Gewerkschaft Unite. Mittlerweile seien die Gespräche wieder aufgenommen worden, auch wenn die Produktion weiterhin still stehe.
außerdem:
Mayr-Melnhof baut sein drittes Faltschachtelwerk in Polen
13.01.2012 −

Die österreichische Mayr-Melnhof Gruppe, Wien, wird ihr Engagement in Polen weiter ausbauen und noch in diesem Jahr einen neuen Verpackungsstandort in Bydgoszcz errichten. Dies bestätigte ein Unternehmenssprecher der Gruppe dem EUWID auf Anfrage. Der Kaufvertrag über das rund 8 ha große Gelände innerhalb der Pommerschen Sonderwirtschaftszone (Pomorska Specjalna Strefa Ekonomiczna) wurde bereits unterzeichnet, ist in einer offiziellen Mitteilung der Stadt Bydgoszcz zu lesen.
http://www.euwid-verpackung.de/news/unt ... polen.html

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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von bebop » 11 Mär 2012, 19:11

Erst hat Sappi die Papierfabrik Biberist geschlossen und nun will die Firma die Entlassenen noch um ihre Pensionsgelder bescheissen ...
Unia klagt gegen den Vertragsbruch des Sappi-Konzern in der Papieri Biberist

Im Sozialplan klar vereinbarte Frühpensions-Ansprüche werden willkürlich verweigert

Die Gewerkschaft Unia Region Biel-Seeland / Kanton Solothurn reicht gegen den südafrikanischen Papier-Multi Sappi eine Gerichtsklage ein. Der Grund: Der Konzern verweigert gegenüber ehemaligen Mitarbeitenden der stillgelegten Papierfabrik Biberist erhebliche Frühpensions-Ansprüche, die im Juli 2011 im Sozialplan vertraglich klar vereinbart und von allen Beteiligten unterzeichnet wurden. Unia-Regionssekretär Beat Jost sprach an der Medienkonferenz von heute Mittwoch in Biberist Klartext: „Es ist beschämend und skandalös, auf welch schäbige Weise sich Sappi in Biberist ein weiteres Mal aus der sozialen Verantwortung stehlen will. Die juristischen Winkelzüge sind hanebüchener Unsinn“.
(...)
Gewerkschaft Unia richtet eine Hotline ein
Da die Gewerkschaft Unia nicht über die notwendigen Informationen bezüglich allen Betroffenen verfügt, können sich die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über eine Hotline bei der Unia in Solothurn melden. Hotline: 032 626 36 24
http://www.biel-solothurn.unia.ch/
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lucky puke
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von lucky puke » 13 Apr 2012, 11:58

schwupps:
Meyer Burger baut in Thun 60 Stellen ab

Der Solarindustriezulieferer Meyer Burger will seine Ressourcen bündeln und plant einen Abbau von 15 Prozent des weltweiten Personalbestands. Betroffen ist auch der Standort Thun.

Meyer Burger (MBTN 15 -2.28%) verdiente nicht einmal mehr halb so viel wie 2010, als unter dem Strich 97,9 Millionen Fr. übrig blieben. Wegen des Abschreibers sank auch der operative Gewinn (Ebit) um 8,8 Prozent auf 116,7 Millionen Franken. (...)

Stellenabbau auch in Thun

Meyer Burger hat deshalb vor, seine Ressourcen zu bündeln, wie es in der Mitteilung weiter hiess. So plant Meyer Burger einen Abbau von 15 Prozent des weltweiten Personalbestands von 2500 Mitarbeitenden. Wo wie viele Arbeitsplätze gestrichen werden, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden.

In Thun wird der Solarindustriezulieferer aufgrund der schwierigen Marktsituation rund 60 Stellen abbauen, wie der Chef von Meyer Burger, Peter Pauli, am Donnerstagvormittag im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz erläuterte. Weltweit werden rund 450 Stellen abgebaut. Dieser Schritt sei nötig, damit Meyer Burger, die derzeitige Krise im Solarmarkt gut überstehen könne.
http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/ ... y/28455286
Hilcona schliesst Fabrik in Schafisheim

19.03.2012 - (lid) – Hilcona Convenience AG verlagert schrittweise bis Anfang 2014 die Produktion von Schafisheim AG an die bestehenden Standorte in Schaan FL und Orbe VD. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten und werden schrittweise in den nächsten zwei Jahren verlagert, teilt Hilcona mit. Durch die Konzentration auf zwei Standorte könne die Produktivität gesteigert werden. Das gemietete Produktionsgebäude in Schafisheim könne im Jahr 2014 ohnehin nicht mehr genutzt werden. Hilcona will das Sortiment in Zukunft weiter ausbauen. Für das angestrebte Wachstum werde zusätzlicher Platz benötigt. Die Nutzung bestehender Flächenreserven mit Erweiterungsbauten in Schaan FL und Orbe VD habe sich diesbezüglich als beste Lösung erwiesen.

...

Kambly schliesst Fabrik in Lyss
15.03.2012 - (lid) – Der Biscuithersteller Kambly schliesst den Betrieb in Lyss (ehemalige Coop-Fabrik Arni). Ab 2013 soll nur noch in Trubschachen produziert werden. Kambly will im 2013 nur noch am Standort Trubschachen Biscuits herstellen. Die 71 Mitarbeitenden in Lyss sollen aber ihre Stellen behalten, teilt Kambly mit. Grund für die Schliessung ist die Frankenstärke, die dem Buiscuithersteller, der 50 Prozent seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, zu schaffen macht. „Es ist unsere einzige Chance, den Währungsnachteil durch eine verbesserte Produktivität wett zu machen“, erklärte Kambly-Geschäftsführer Hans-Martin Wahlen in der „Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch“. Mit der Konzentration auf einen Standort könne die Produktivität um 40 bis 50 Prozent gesteigert werden.
http://www.foodaktuell.ch/nachrichten.php?art=1850
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

Kuddel
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Re: Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil .

Beitrag von Kuddel » 23 Apr 2012, 18:38

SBB-Werkstätten Bellinzona
Der lange Atem der Arbeiter
Seit dem wilden Streik vor vier Jahren hält die kämpferische Belegschaft des Industriewerks Bellinzona das SBB-Management in Schach. Die Arbeiter befürchten, dass die SBB mit einer Taktik der kleinen Schritte in die Vergangenheit zurückkehren will.

Von Andreas Fagetti (Text) und Andreas Bodmer (Fotos)

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Angenehmere Arbeit dank verbesserter Bedingungen: Ein Arbeiter beim Neuschleifen von Radsätzen an der Drehmaschine.

Gianni Frizzo hat eben in der Pittureria, der Malerei, eine einstündige Rede gehalten. Wie jeden Frühling seit dem Streik vor vier Jahren treffen sich auch an diesem Wochenende Hunderte TessinerInnen in der schmucklosen Betonhalle auf dem beinahe 100 000 Quadratmeter grossen Werksgelände im Herzen Bellinzonas. Die «Officina» hat dank des Arbeitskampfs überlebt, derzeit arbeiten über 500 Leute hier, mehr als vor der drohenden Schliessung.

Dennoch bleibt die Zukunft in den Augen der Belegschaft ungewiss. Die Arbeiter misstrauen dem SBB-Management. Sie haben im Laufe der Jahre zu viele leere Versprechungen vernommen. Die SBB haben in den Werkstätten im Tessin in den vergangenen fünfzehn Jahren rund 400 Arbeitsplätze abgebaut. «Wir müssen wachsam bleiben», sagt Frizzo, Präsident der Personalkommission und der bekannteste Kopf des Streikkomitees. Er erinnert an den verlorenen Kampf um die «Officina» Biasca, er erinnert an die Werkstätten in Chur Ende der neunziger Jahre, als das SBB-Management noch zwei Wochen vor deren Schliessung eine ge­sicherte Zukunft versprach.

Und was sollen die Arbeiter davon halten? Im November verloren die Werkstätten Aufträge der unter enormem Spardruck stehenden SBB Cargo, ihrer wichtigsten Kundin. Wieder standen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Belegschaft reagierte mit einer Resolution, sie verstand es als weiteren Angriff auf die Existenz ihres Betriebs. Die SBB-Führung beeilte sich, die Auftragslücken zu füllen. CEO Andreas Meyer soll sich persönlich darum gekümmert haben.

Mitsprache statt Almosen

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Neues Leben in alten Loks: In der «Kathedrale» der SBB-Werkstätten in Bellinzona wird eine Lokomotive der Baureihe Re 4/4 II («Bobo») umgerüstet.

Für Andreas Meyer war die Niederlage vor vier Jahren traumatisch gewesen. Die Angst vor einer erneuten Blamage sitzt tief. Alle Drogen aus dem Medikamentenkoffer der Wirtschaftsführer wirkten damals nicht, als die «Officina» in einer privaten Firma aufgehen und ein Teil des Personals entlassen werden sollte. Die Belegschaft liess sich von in Aussicht gestellten Sozialplänen und geheucheltem Verständnis nicht einnebeln. Sie wollte Mitsprache, Arbeit und keine Almosen.

Das Selbstbewusstsein der Arbeiter muss die Chefs erschreckt haben. Als sich der wilde Streik anbahnte und der Direktor des Werks seinen Angestellten die Teilnahme an einer Arbeiterversammlung verbieten wollte, entgegnete ihm Gianni Frizzo: «Ich muss Ihnen mitteilen, dass von nun an hier drinnen nicht mehr Sie als Direktor befehlen, sondern die Arbeiter. Und nachher wird nichts mehr sein wie vorher.» Als CEO Andreas Meyer später drohte, für jeden Streiktag 250 000 Franken in Rechnung zu stellen, reisten die Streikenden mit ihren Familien nach Bern und demonstrierten trotz Verbot während der Parlamentssession auf dem Bundesplatz. Frizzo konterte Meyer: Wenn man ihnen die Kosten des Streiks in Rechnung stelle, dann stelle man ebenfalls Rechnung: für all die Kosten und für das Leid und die Krankheiten, die durch diese Umstrukturierungen verursacht worden seien.

Die Arbeiter setzten sich durch, erzwangen einen runden Tisch, an dem sie mitreden konnten und Einblick in die Zahlen des Betriebs erhielten. Sie delegierten die Vertretung ihrer Interessen weder an das Direktorium noch an Gewerkschaftsfunktionäre. Ideal funktionierte das Mitsprachegremium nicht, die strukturelle Macht liegt immer noch aufseiten der Kader. Die Personalkommission wurde über manche Entscheidungen nicht informiert, sondern vor fertige Tatsachen gestellt. Aber die latente Streikdrohung wirkte in den letzten vier Jahren dennoch.

Das Misstrauen gelte nicht den Menschen im Kader, es richte sich gegen ihre Denkweise, gegen die betriebswirtschaftliche und hierarchische Logik, sagt Frizzo. Er setze weiter auf Dialog. Und er rechne damit, dass die SBB-Führung genauso vernünftig handle. Jetzt sitzt der Polymechaniker auf einer Festbank. Livemusik spielt, die Menschen stehen Schlange und lassen sich Polenta, Käse, Luganighe und Aufschnitt in die weissen Plastik­teller schöpfen. «Nur weil ich einen Lohn erhalte, bin ich noch lange kein Befehlsempfänger», sagt Frizzo. Und fährt weiter: «Der Betrieb gehört auch den Menschen, die hier arbeiten, den Familien, die davon leben. Es geht um Würde und sozialen Zusammenhalt.» Und um die Solidarität mit den Temporär­arbeitern, die zum Teil jahrelang in dieser prekären Anstellung gehalten werden.

Die Logik eines Gianni Frizzo widerstrebt den Managern. Seine Mitstreiter und er wollen mitreden, ernst genommen werden. Die Menschen schütteln die Hände des ehemaligen Streikführers, sie klopfen ihm auf die Schulter, wechseln ein paar Worte. Gianni Frizzo, dieser entschlossen und besonnen wirkende Mann, der sich seit langem als Gewerkschafter, als Gemeinderat und Friedensrichter in der lokalen Politik engagiert, ist eine Symbolfigur. Ihm vertrauen die Arbeiter.

Schliessung ist kein Thema

Einer, der mit Misstrauen fertigwerden muss, ist Felix Hauri. Vor wenigen Monaten hat er die Direktorenstelle beim Industriewerk Bellinzona angetreten. Der Maschinenbau­ingenieur, Betriebswirt und Arbeitspsychologe nimmt sich eine halbe Stunde Zeit für eine Betriebsführung. Es eilt. Das nächste Meeting wartet bereits. In jungen Jahren trug er die Mao-Bibel unter dem Arm und die Haare lang. Jetzt ist alles an ihm akkurat. Er führt rasant, dynamisch und eloquent, verweist auf eine Lokomotive der Mitsui Rail Capital ­Europe (MRCE), eines japanischen Investors, der überall auf der Welt Lokomotiven vermietet. Die Officine Bellinzona arbeiten noch immer vorwiegend für die SBB. Rund drei Viertel der Aufträge kommen von ihr, etwa ein Viertel akquirieren die Werkstätten auf dem freien Markt. Und diesen Anteil möchte die Belegschaft erhöhen, um unabhängiger von den SBB zu werden und die Zukunft langfristig zu sichern. «Mehr Autonomie für die Werkstätten Bellinzona» lautet ein Schlagwort. Felix Hauri, dem ehemaligen Alstom-Manager, müsste dieses Denken eigentlich gefallen.

In der ersten Halle warten Arbeiter sechzig Radsätze pro Tag, sie erfassen 150 Daten pro Radsatz, 9000 pro Tag. Sie untersuchen sie auf Haarrisse, sie schleifen und sandstrahlen und stellen sie in eine Ultraschallprüfanlage. «Wir haben die Arbeitsplätze verbessert», sagt Hauri und verweist auf ein Metallgestell, auf dem Bohrer und Schleifmaschine griff­bereit stehen. «Früher lagen sie auf Paletten, die Arbeiter mussten sie zuerst suchen und an den Strom anschliessen. Aber wir bezahlen sie nicht fürs Suchen, wir bezahlen sie fürs Arbeiten», sagt Hauri. Höchste Qualität, das ist der Anspruch. «Wir gehören europäisch zur Spitze» – gute Voraussetzungen für den grossen europäischen Markt.

Und dann stehen wir in der nächsten Werkhalle, in der «Kathedrale», einem imposanten historischen Gebäude. Rund 130 Leute arbeiten in dieser Abteilung, der die Zukunft gehört. Eben wurden hier Leute eingestellt, allerdings wurden in anderen Abteilungen Temporärarbeiter entlassen. Die Schliessung der Werkstätten Bellinzona sei für die SBB «kein Thema», sagt Pressesprecher Reto Kormann. Derzeit arbeiten mehr Leute in der «Officina» als vor vier Jahren, nämlich 447 Festangestellte und 77 Temporäre. Die SBB haben in den Jahren nach dem Streik zwanzig Millionen Franken in den Betrieb investiert. Man wolle auch in die Weiterbildung und Umschulung von Mitarbeitern investieren, um sie für die Zukunftsmärkte fit zu machen. Daher bestehe zu Misstrauen kein Anlass.

Hoffen auf ein Kompetenzzentrum

In der «Kathedrale» rüsten Ingenieure, Elektromechaniker und Elektroniker alte Loks um. Sie erhalten eine neue Hülle und ein modernes Innenleben. Eine neue Lok kostet zwischen drei und vier Millionen Franken, eine umgerüstete alte Lok eine Million Franken. So kann sie weitere zwanzig Jahre arbeiten. Es riecht nach Öl, Schleifgeruch hängt in der Halle. An die Halle führen Geleise. Draussen steht ein Dutzend Loks, bereit zur Wartung oder zum Umbau. Gerade gleitet eine MRCE-Lok heran, zurück von einer Testfahrt. Felix Hauris Augen glänzen. Der Maschinen­­bau­ingenieur hat in den siebziger Jahren die Rekuperationsanlage zur Energierückgewinnung und den Schleuderschutz der Gotthardlok konstruiert. Eines dieser mächtigen Exem­plare, das 10 000 PS auf die Schiene bringt, wartet auf einem der Abstellgleise. Felix Hauri ist zuversichtlich. Er setzt auch auf den Gotthardbasistunnel. Der soll der Werkstätte neue Aufträge bringen. «Wir wollen vorwärtsmachen, wir wollen hundert Prozent Liefersicherheit und tiefe ­Qualitätskosten. Das schaffen wir nur gemeinsam», sagt der Manager und muss ans nächste Meeting.

David Simoneta will auch vorwärts­machen. Der junge Elektroingenieur setzt seine Hoffnungen in die freien Märkte. «Die Aufträge der SBB bleiben wichtig, aber wenn wir langfristig überleben wollen, müssen wir mehr davon auf dem freien Markt holen», sagt er. Der gebürtige Italiener, der in Triest aufgewachsen ist und als Kind ins Tessin kam, setzt grosse Hoffnungen in die Entwicklung eines Kompetenzzentrums für nachhaltige Mobilität. Die Idee stammt aus der «Officina», die Tessiner Bevölkerung hat mit weit über 10 000 Unterschriften die Regierung beauftragt, diese Idee weiterzuverfolgen. Mittlerweile ist die Studie in Auftrag gegeben. Bis Ende des Jahres sollen die Resultate vorliegen.

Was dieses Kompetenzzentrum genau soll, bleibt bislang schwammig. Es handelt von Forschung und Weiterbildung im Bereich Mobilität. Finanzieren soll es die öffentliche Hand. Die SBB sind ebenfalls interessiert. David Simoneta ist aber auch Gewerkschafter und Mitglied der Personalkommission. Er sieht sich als «Tintenfisch», der seine Arme überall hat: Als Ingenieur arbeitet er mit dem Kader zusammen, er kennt sich in den Werkstätten aus, und als Gewerkschafter vertritt er die Interessen der Belegschaft. Auch David Simoneta will vorwärtsmachen. Allerdings in einem gleichberechtigten Dialog. Bislang aber fehlt Frizzo und seinen Leuten eine klare Strategie der Unternehmensleitung.

Hier sind sie nun alle wieder versammelt an diesem Samstag. In dieser kahlen Betonhalle, wo vor vier Jahren der Streik begann, der 33 Tage dauerte. In Bellinzona verbindet fast jede Familie etwas mit der «Officina». Damals stellte sich die Tessiner Gesellschaft hinter die Arbeiter und ihre Familien. Die PolitikerInnen, die Regierung, die Gemeinden, die kleinen Leute. In einem Monat flossen über zwei Millionen Franken in die Streikkasse. Die bürgerlich regierte Stadt Lugano spendete 100 000 Franken, bürgerliche PolitikerInnen öffneten ihr Portemonnaie, selbst eine Filiale der Credit Suisse überwies einige Tausend Franken. Entscheidend für den Erfolg dieses Streiks war, dass die Streikenden ihr Anliegen in die Zivilgesellschaft trugen, den Betrieb öffneten und zeigen konnten, dass es ihnen um mehr ging als ihre Löhne.

Die Auseinandersetzung ist nicht be­endet, sie scheint bloss vertagt. Nach dem Streik blieben mehr als 200 000 Franken in der Kasse. Die Belegschaft gründete 2009 den Verein «Giú le mani dall’Officina di Bellinzona» – Hände weg von der «Officina». Noch immer hängen an der Stirnseite der Halle die Transparente und an einer Seitenwand orange­farbene Überhosen der Arbeiter als Symbol für den Arbeitskampf. Sollten es die SBB wagen, diese Symbole zu entfernen, es käme wohl zu einem spontanen Streik.

Mitte Dezember 2011 hat Bundesrätin ­Doris Leuthard den runden Tisch aufgelöst. Basisgewerkschafter argwöhnen, dass die SBB mit einer Taktik der kleinen Schritte zur alten «Normalität» zurückkehren möchten, also so zu verhandeln, wie auch in anderen SBB-Betrieben verhandelt wird: Gewerkschaftsführer sitzen an einem Tisch mit den SBB-Kadern. Noch halten sich die Manager zurück. Derzeit wird an einer Dialogplattform gewerkelt. Am Tisch soll weiterhin auch die Personalkommission der «Officina» sitzen. Als Moderator vorgesehen ist Franz Steinegger.

Inspirierender Arbeitskampf

Etwas anderes, als sich selbst zu vertreten, kommt für die Belegschaft ohnehin nicht infrage. «Es geht hier nicht um die Gewerkschaften, es geht um die Arbeiter», sagt Gianni Frizzo. Denn gerade ihre einstigen Gewerkschaftsfunktionäre von der Eisen­bahnergewerkschaft SEV und von Transfair, die im Rahmen des Gesamtarbeitsvertrags an die Friedenspflicht gebunden waren, konnten die Schliessungspläne der SBB nicht mit Streik bekämpfen. Freilich erschienen der Belegschaft diese Gewerkschaften schon vorher zu wenig kämpferisch. Daher wechselten viele zur Unia. Das erwies sich als Glücksfall. Denn die Unia war an keine Friedenspflicht gebunden und unterstützte die Belegschaft beim Streik. Die Fetzen flogen allerdings nicht nur zwischen den SBB und der Belegschaft, auch in der Linken stritt man sich.

Auf die beispielhafte Wirkung des Streiks weit über die Schweizer Grenzen hinaus hatten die Streitereien keinen Einfluss. Der Arbeitskampf inspiriert Belegschaften bis nach Deutschland und in die USA. Zwei Filme schildern die Ereignisse, der jüngste wurde am Sonntag im Tessiner Fernsehen aus­gestrahlt. Arbeiter, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich nicht wie Objekte herumschubsen lassen – das ist die Botschaft. Es gibt gescheiterte Arbeitskämpfe – in St. Gallen, Deisswil oder in Reconvilier. Doch auch nach Bellinzona wehrte sich eine andere Belegschaft erfolgreich, jene von Novartis in Nyon. Auch sie scharte einen ganzen Kanton hinter sich. Und auch sie wird einen langen Atem benötigen, wie die Leute von Bellinzona. Vertrauen ist gut, Misstrauen ist besser.
Bellinzona und Mailand
«Wilde» Arbeitskämpfe


Am Sonntag letzter Woche reiste eine Delegation von den Officine Bellinzona aus weiter nach Mailand. Dort führen Angestellte einer Siemens-Niederlassung heute einen ähnlichen Kampf wie die Belegschaft der «Officina» 2008. Und zuvor inspirierte der Tessiner Streik ArbeiterInnen der Mailänder Maschinenfabrik INNSE, die von einem Spekulanten für ein Butterbrot mit dem Versprechen übernommen worden war, die Arbeitsplätze zu erhalten. Als er seinen Spekulationsgewinn einfahren und die Fabrik stilllegen wollte, besetzten die ArbeiterInnen die Fabrik, produzierten weiter und zwangen schliesslich den Besitzer, die Fabrik an einen seriösen Unternehmer zu verkaufen. Auch dieser Streik machte in ganz Italien Schlagzeilen.

Einer, der die Geschichte von Bellinzona und der INNSE genau kennt, ist Rainer Thomann aus Winterthur, Mitinitiant des Netzwerks Arbeitskämpfe. Die AktivistInnen unterstützen Belegschaften, die sich gegen Betriebsschliessungen wehren. Sie sind gewerkschaftskritisch eingestellt und reden der Selbstorganisation der ArbeiterInnen das Wort. Rainer Thomann hat die Geschichte der Arbeitskämpfe von Bellinzona, der Kartonfabrik Deisswil und INNSE im eben erschienenen Buch «Arbeitskämpfe im Zeichen der Selbstermächtigung» beschrieben.
Anna Leder (Hrsg.): «Arbeitskämpfe im Zeichen der Selbstermächtigung. Kollektive Gegenwehr in Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Österreich und Serbien». Promedia. Wien 2011. 240 Seiten. 
Fr. 25.90.
http://www.woz.ch/1216/sbb-werkstaetten ... r-arbeiter

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bebop
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Genf: Merck-Serono zu

Beitrag von bebop » 07 Mai 2012, 21:14

In Genf findet gerade eine grosse Massenentlassung statt. Ich geh davon aus dass die Betroffenen sich auch hier mit den üblichen Manovern abspeisen lassen. :|
Ganz schön dreist
Von Carlos Hanimann

Vergangene Woche kündigte der deutsche Pharmakonzern Merck an, die Merck-Serono-Zentrale in Genf zu schliessen: 750 Stellen werden ab Mitte Jahr gestrichen, 500 Arbeitsplätze in die USA, Deutschland und China verlagert. 80 Angestellte an den Produktionsstandorten Aubonne, Corsier-sur-Vevey und Coinsins werden ihren Job ebenfalls verlieren. Der Abbau von 1330 Stellen ist eine Massenentlassung im gröberen Stil, eine Vernichtung von Arbeitsplätzen und Know-how, wie man sie in der Region am Genfersee noch nicht erlebt hat.
http://www.woz.ch/1218/massenentlassung ... oen-dreist
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

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