Massenentlassungen - Weber Benteli, Clariant, Deisswil ...

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PuppetMaster
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von PuppetMaster » 07 Okt 2010, 23:14

hab ich erst heute vernommen: Bei Cardinal in Fribourg gab es vorgestern (Di. 05.10.10) am Morgen einen Warnstreik, der eine Stunde dauerte. Gebracht hats natürlich nichts, wenn schon müsste man das unbefristet machen... (NZZ: Cardinal-Angestellte protestieren mit kurzem Arbeitsstopp)

@ Kuddel
Ich weis nicht ob du/ihr in Deutschland die Allpack-Geschichte mitbekommen habt. Da wurde eine streikende Belegschaft auf Wunsch des Chefs einfach durch die Elitepolizei weggeputzt. Begründung: "Die Streikposten blockieren einen Privatweg." :x

Hier eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse von wobblies.de:
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Im November 2003 ist ein grosser Teil der Belegschaft der Allpack in Reinach, ehemals Wassermann, in den Streik getreten. Robert Scheitlin, der Besitzer der Verpackungsfirma für die Pharmaindustrie, wollte mit Änderungskündigungen die Belegschaft erpressen: Entweder es würden unbezahlte Mehrarbeit, eine Woche weniger Ferien und Verzicht auf den 13. Monatslohn akzeptiert - oder es folge die Kündigung.

Täglich wollte Scheitlin “Arbeitswillige” an den Streikposten vorbei lotsen. Er hatte aber nicht mit der Entschlossenheit der Belegschaft und den sich zahlreich Solidarisierenden aus der ganzen Region gerechnet. U.a. aus dieser Solidarität ist das heutige Basler Solidaritätskomitee entstanden.

Barrakuda stürmt Streikposten

Nach 10 Tagen Streik wussten sich die Besitzer von Allpack und die Regierung von Baselland schliesslich nicht mehr anders zu helfen, als in Form der Polizei die bekannten Handlanger der Unternehmer zu rufen. Am 1. Dezember 2003 kam es zu einer gewaltsamen Stürmung der Streikposten durch die Sondereinheit “Barrakuda” der basellandschaftlichen Polizei, in deren Verlauf es mehrere Verletzte und über 30 Verhaftete gab. Tags darauf kam es zu einer eindrücklichen Solidaritätsdemo in Liestal mit gut 800 TeilnehmerInnen.

Aus Opfern sollen Täter werden

Jetzt, 5 Jahre danach, wird nicht Scheitlin angeklagt, sondern die dazumals Zusammengeschlagenen. Es sind ca. 20 Personen angeklagt. Dies ist ein Angriff auf alle Lohnabhängigen, die mit Streik und Blockaden gegen die Unternehmer Widerstand leisten.

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lucky puke
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WAGNER COLORA von den ArbeiterInnen besetzt

Beitrag von lucky puke » 11 Okt 2010, 12:14

Dafür gibts aus Italien wieder mal hoffnungsvolle Neuigkeiten :)
WAGNER COLORA von den ArbeiterInnen besetzt

«Von hier gehen wir nicht weg!» Das ist die Antwort der ArbeiterInnen auf die Kündigungsschreiben, die ihnen der Unternehmer geschickt hat. Seit Mittwoch, 6. Oktober ist das Werk der WAGNER COLORA in Burago (Lombardei) von den Beschäftigten besetzt.

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"Gegen die Logik, dass die Arbeitenden für die Unfähigkeit der Führenden bezahlen müssen!"

Nachdem tags zuvor die Verhandlungen zwischen der Firma und den Gewerkschaften gescheitert waren, diskutierten sie in einer Betriebsversammlung darüber, wie sie sich zur Wehr setzen könnten. Die Antwort war schnell gefunden und die Betriebsversammlung als permanent erklärt: «Wir werden solange hier bleiben», sagte am Mittwochnachmittag ein Gewerkschaftsvertreter gegenüber den Medien, «bis das Unternehmen unsere Forderungen anhört. Wir sind bereit, uns auf unbefristete Zeit zu verbarrikadieren.»
weiterlesen: http://www.netzwerkit.de/projekte/innse ... 10.10.2010
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

Kuddel
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Kuddel » 15 Okt 2010, 09:55

Clariant schliesst Standort Reinach
Weltweit werden 100 Stellen abgebaut

Der Chemiekonzern Clariant schliesst bis 2013 den Standort Reinach im Baselbiet. Im Rahmen des Kostensenkungsprogramms wird in der Schweiz 27 Personen gekündigt, 60 weitere erhalten Stellenangebote in Deutschland und Singapur, wie Clariant am Freitag mitteilte.


(sda) Konzernweit verlieren bis zu 100 Personen ihre Stelle. Die Massnahmen sind der letzte Teil des Restrukturierungsprogramms, das bereits zu einem massiven Stellenabbau geführt hat.

Der Hauptsitz des Geschäftsbereichs Textile Chemicals wechselt von Reinach nach Singapur, um näher bei den Kunden aus der Textilindustrie zu sein, wie es in der Mitteilung heisst. Ein Labor der Bereiche Technische Textilien und Veredlung wechselt von Reinach nach Muttenz BL, ebenso der Hauptsitz des Geschäftsbereichs Paper Specialties.

Ab 2013 wird Clariant somit in der Schweiz nur noch in Muttenz und Pratteln BL tätig sein. Der neuerliche konzernweite Stellenabbau betrifft unter anderem Fabriken in den USA, Kanada und der Türkei, die alle geschlossen werden.
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaf ... 06399.html

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lucky puke
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von lucky puke » 22 Okt 2010, 15:10

...60 weitere erhalten Stellenangebote in Deutschland und Singapur
Unglaublich. d:o
So kann man Leute entlassen ohne das Wort Entlassung zu benutzen.
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

Kuddel
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Kuddel » 25 Okt 2010, 17:52

«Die mutigen Karton-Büezer haben gewonnen: Jetzt wird gefeiert» und «Die Arbeiter der Fabrik in Deisswil haben mit Unia einen exemplarischen Kampf erlebt», das sind die Titel der letzten Berichte der Gewerkschaft Unia über den Arbeitskonflikt im bernischen Deisswil, wo seit über 130 Jahren Karton produziert wurde. Doch seit Ende des Konflikts ist die Öffentlichkeit nicht mehr informiert worden über die neusten Entwicklungen.

Eine exemplarische Niederlage:
http://www.debatte.ch/Schweiz/Deisswil_D14.htm

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bebop
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von bebop » 02 Nov 2010, 20:14

Kuddel hat geschrieben: Eine exemplarische Niederlage:
http://www.debatte.ch/Schweiz/Deisswil_D14.htm
und das meint die Gegenseite dazu:
Preis für den Retter von Deisswil
Unternehmer Hans-Ulrich Müller erhält den diesjährigen Preis des Handels- und Industrievereins der Stadt Bern.
http://www.bernerzeitung.ch/region/bern ... y/16236858

Sie bezeichnen ihn sogar als "Hoffnungsträger für Arbeiter". Verkehrte Welt. d:o
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

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Sansculotte
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von Sansculotte » 03 Nov 2010, 18:28

bebop hat geschrieben:
Preis für den Retter von Deisswil
Unternehmer Hans-Ulrich Müller erhält den diesjährigen Preis des Handels- und Industrievereins der Stadt Bern.
http://www.bernerzeitung.ch/region/bern ... y/16236858

Sie bezeichnen ihn sogar als "Hoffnungsträger für Arbeiter". Verkehrte Welt. d:o
aber wieso denn? z.B. barack obama hat den friedensnobelpreis ja auch verdient!
aramtamtam aaaaaaramtamtam!!!

Melnitz
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Roche

Beitrag von Melnitz » 17 Nov 2010, 20:32

Sie walten ihres Amtes. Roche baut in Basel und Burgdorf 770 stellen ab:

http://www.20min.ch/finance/news/story/ ... z-30151054

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/ ... y/26218161

Wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen?

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bebop
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«Ein Sieg, der keiner ist»: Arbeiter wütend auf Unia

Beitrag von bebop » 21 Nov 2010, 19:54

Es gibt tatsächlich noch Journalisten, die recherchieren! :D

Folgender Artikel erschien heute in "Der Sonntag" (Sonntagsausgabe der Aargauer Zeitung, http://www.sonntagonline.ch). Er setzt dem von Investor Müller, Medien und Unia gemeinsam verbreiteten Märchen vom "Happy End in Deisswil" eindlich ein realistisches Bild der Situation entgegen!

Da er nicht online zugänglich ist, habe ich mir die Mühe gemacht, ihn abzutöggelen. Wer ihn lieber im Zeitungsformat lesen will kann hier klicken: http://www.fotos-hochladen.net/uploads/ ... kjnyi2.jpg
«Ein Sieg, der keiner ist»: Arbeiter wütend auf Unia

Sechs Monate nach dem Aus der Kartonfabrik Deisswil haben nur 40 der ehemals 250 Arbeiter in Firmen des Berner Investors Hans-Ulrich Müller einen Job erhalten.

Ein Investor, der Jobs verspricht, eine Gewerkschaft, die frohlockt und Arbeiter, die sich verraten
fühlen: Das Ende der Kartonfabrik Deisswil ist keine Erfolgsgeschichte für die Unia.


VON CHRISTOPH MOSER
Es klang wie ein Märchen, als der österreichische Mayr-MeInhof Konzem am 2. Juni bekannt gab, die vor dem Aus stehende Kartonfabrik Deisswil werde an Schweizer Investoren verkauft. Die 253 betroffenen Arbeiter, die bereits seit acht langen Wochen um ihren Arbeitsplatz bangten, schöpften Hoffnung. Erst recht, als ein paar Tage später bekannt wurde, beim Investor handle es sich um den Berner CS-Banker Hans-Ulrich Müller, der im «Bernapark», wie das Fabrikgelände inzwischen heisst, neue Arbeitsplätze schaffen wolle. Geradezu euphorisch reagierten die Arbeiter, als die Gewerkschaft Unia am 4. Juni in einem Communiqué mitteilte, allen Mitarbeitenden würden Arbeitsverträge zu den bisherigen Bedingungen angeboten. Und frohlockte: «Erfolg für Unia und die Belegschaft». Seither hat die Unia in dieser Sache nicht mehr kommuniziert.

MIT GUTEM GRUND. Heute, rund ein halbes Jahr später, sind viele Arbeiter frustriert. Und fühlen sich über den Tisch gezogen. «Was wie ein Märchen geklungen hat, war ein Märchen», sagt einer. Da ist einerseits die Tatsache, dass lange nicht alle einen Job angeboten erhalten habe. Laut Berner Wirtschaftsförderung sind rund 40 Personen in einer der Firmen des Investors untergekommen. 60 Personen arbeiten befristet bis Ende November noch in der Kartonfabrik, Zukunft ungewiss. Für 15 Personen wird nach einer Lösung gesucht, die auf Frühpensionierung hinausläuft. Der grosse Rest, gegen 140 Personen, musste ausserhalb des «Bernaparks» einen neuen Job finden oder suchen noch. «Der Druck, freiwillig zu gehen, ist immens», sagt ein Arbeiter. «Wir werden regelrecht hinausgeekelt.»

Bild

Da ist andererseits die Tatsache, dass, wer bleibt, empfindliche Lohneinbussen hinnehmen muss. Schicht- und Sonntagszulagen werden gestrichen, das bedeutet für viele Arbeiter eine Lohneinbusse von gegen 30 Prozent. «Von gleichbleibenden Arbeitsbedingungen kann jedenfalls keine Rede sein››, so ein Arbeiter. Jeden Freitagabend treffen sich enttäuschte Deisswiler an der Rampe der Firma Egger Bier in Worb, um sich auszutauschen. Andere tun dies in Internet-Foren. Sie sind wütend, aber ihre Wut richtet sich nicht gegen den neuen Besitzer, sondem gegen die Unia.

DARUNTER SIND AUCH Arbeiter, die ganz grundsätzliche Vorwürfe an die Gewerkschaft richten. «Die Unia hat vieles über unsere Köpfe hinweg entschjeden», sagt einer. So sei der Sozialplan, den die Unia ausgehandelt hat, der Belegschaft nie vorgelegt worden. «Der Unia ging es nur darum, dass sie gut dasteht. Wir Arbeiter wurden verraten und verkauft.» Die Vorwürfe gehen gar so weit, die Gewerkschaft habe die Selbstorganisation der Arbeiter vereitelt, nur um ihren eigenen Machtanspruch zu sichern. Als die Arbeiter Mittagstische organisierten, um sich gegenseitig über den aktuellen Stand zu informieren, «sind sofort Unia-Funktionäre eingeschritten und haben gesagt, Mitarbeiter dürften nicht selber Betriebsversammlungen einberufen», erzählt ein Beteiligter. Besonders kritisiert wird der für die Sektion Bern zuständige Unia-Sekretär Roland Herzog: «Er involvierte die Belegschaft kaum und handelte oft eigenmächtig», sagen Arbeiter. So habe Herzog die Information der Arbeiter, in der Lagerhalle befänden sich noch Papierrollen im Wert von 8 Millionen Franken, die im Arbeitskampf als Druckmittel eingesetzt werden könnten, tagelang ignoriert. Als Unia-Geschäftsleitungsmitglied Corrado Pardini über die Lagerbestände informiert wurde, habe dieser sofort zur Blockade der Fabrik aufgerufen. Wenige Stunden später habe Herzog die Blockade in Absprache mit der Betriebskommission wieder aufgehoben, um die Verhandlungen rnit dem neuen Besitzer nicht zu gefährden. Als Pardini dies erfuhr, sei es zum Machtkampf gekommen. Pardini habe angeordnet, die Blockade wieder aufzunehmen, was dann auch geschah. «Die eine Hand wusste nicht, was die andere tut», kritisiert ein Arbeiter. «Spannungen innerhalb der Unia-Führung haben die Belegschaft verwirrt und letztlich auch demobilisiert», sagt ein anderer. Bei der Unia wehrt man sich. Geschäftsleitungsmitglied Corrado Pardini spricht von einer «sehr schwierigen Herausforderung» für die Unia: «Wir haben dem neuen Investor vertraut, obwohl wir seine Ziele für ambitioniert hielten, weil er entsprechende Garantien unterzeichnet hat.» Pardini räumt ein, dass die 40 neu geschaffenen Arbeitsplätze am «unteren Rand der Erwartungen» liegen. Entscheidend sei jedoch: «Als im Juni die Fabrik geschlossen wurde, hat Investor Müller wie vereinbart alle Arbeiter übernommen. Das war unser Ziel und verschaffte den Arbeitern Zeit, sich neu zu orientieren» Dass eine Weiterbeschäftigung zu Grundlöhnen und ohne Zulagen vereinbart worden sei, habe man «immer so kommuniziert». Sämtliche Beschlüsse, inklusive der Zustimmung zum Sozialplan, der Abfindungen von 40'000 Franken vorsieht, seien von den Mitarbeitern demokratisch entschieden worden.

UNIA-SEKRETÄR Roland Herzog sagt, er verstehe Kritik, die aus «persönlicher Betroffenheit geäussert wird, weil sich nicht alle Hoffnungen erfüllt haben», ist aber überzeugt: «Wer mit uns an vorderster Front war, stellt uns ein gutes Zeugnis aus. Wir haben das Bestmögliche herausgeholt.» Der Vorwurf, die Belegschaft habe den Sozialplan nicht gesehen, weist er zurück: «Der Inhalt war bekannt.» Dass es rund um die Blockade zu «Problemen» kam, bestreitet er nicht. Von einem «Unia-Sieg, der keiner ist» sprechen die frustrierten Arbeiter. Rund ein Dutzend ist aus der Unia ausgetreten. Herzog bestätigt die Austritte, sagt jedoch: «Der grosse Zuwachs an Mitgliedern überwiegt die Austritte bei weitem.»
Aus: Der Sonntag, Nr. 46, 21. November 2010, Seite 10
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

revilo
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Re: Massenentlassungen - WIFAG, Weber Benteli, Clariant ...

Beitrag von revilo » 22 Nov 2010, 20:08

Was ist denn dieser Pardini für ein Arschloch. Dem sollte man "links und rächts eis a d'Ohre haue". So en Hund.

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