Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

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lucky puke
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Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

Beitrag von lucky puke » 29 Jun 2010, 16:26

Letzten Samstag war in Bern eine grosse Demo gegen die Schweizer Asylpolitik, die man nur menschenfeindlich nennen kann (ja, es handelt sich um organisierte Entwürdigung und Unterdrückung von tausenden in der Schweiz lebenden Menschen! auch wenn das die diversen linken und rechten Bünzlis nicht wahrhaben wollen). Die Zahl der in der Schweiz lebenden Sans-Papiers wird auf bis zu 300'000 Leute geschätzt, die schon seit jahren hier leben und einen unverzichtbaren Teil der Wirtschaft darstellen (im Volksmund: die Drecksarbeit machen).

Nach dieser Demo haben Sans-Papiers zusammen mit Unterstützungs-Kollektiven aus verschiedenen Städten die kleine Schanze besetzt und dort ein Protestcamp eingerichtet. Sie fordern die Regularisierung der Sans-Papiers und ein Bleiberecht für alle.

Es gibt jeden Tag ein vielfältiges Programm mit Musik, Diskussionen und anderem Zeugs, am besten selbst auschecken: http://www.bleiberecht.ch/2010/06/aktua ... n-schanze/


hier noch ein youtube film aus dem camp:



und das wichtigste:
Was kann ich tun?

* Vorbeikommen – am besten mit Schlafsack und Mättli und falls vorhanden Zelt! Das vorläufige Kultur- und Politprogramm findet sich unten.
* Die Solidaritätserklärung unterschreiben
* Spenden: Bleiberecht für alle, PC 85-389307-8. Auch Materialspenden – z.B. Decken oder Schlafsäcke – sind sehr willkommen!
http://www.bleiberecht.ch/2010/06/klein ... ung-jetzt/

Hingehen lohnt sich wirklich! Man erfährt viel über die persöhnlichen Schicksale der Leute und kann mit einem bunt gemischten Pulk von Leuten über die heutige Lage reden.

So wies aussieht bleiben sie noch bis diesen Freitag, 02. Juli.
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

Kuddel
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Re: Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

Beitrag von Kuddel » 12 Jul 2010, 16:54

Nach Jahren in der Schweiz

Kein Asyl mehr für 2000 FlüchtlingeKein Asyl mehr für 2000 Flüchtlinge

von Johannes Brinkmann, SDA - Die Schweiz will unter Umständen 2000 ehemaligen Flüchtlingen aus den ex-jugoslawischen Staaten die Flüchtlingseigenschaft aberkennen. Die Betroffenen erhielten einen Brief.


Die Schweiz prüft den Entzug des Asyls von 2000 Flüchtlingen. Betroffen sind Menschen aus ex-jugoslawischen Staaten mit Ausnahme von Serbien und Bosnien-Herzegowina, die vom Regime des ehemaligen serbischen Machthabers Slobodan Milosevic verfolgt worden waren.
Infografik Immigration und Ausländer in der SchweizMigrationsgründe

Nach dem Fall des Milosevic-Regimes durch die Balkankriege in den 1990er-Jahren habe sich die politische Situation in den Heimatländern dieser Menschen grundlegend verändert, sagte Sprecherin Marie Avet vom Bundesamt für Migration (BFM) am Freitag auf Anfrage zu Recherchen der Nachrichtenagentur SDA.

Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Slowenien sind mittlerweile unabhängige Staaten. Sie stehen auf der Länderliste des Bundesrats, in denen Sicherheit vor Verfolgung besteht.

Damit entspreche die Situation in den jeweiligen Heimatländern nicht mehr jener, «die seinerzeit die Flucht verursacht beziehungsweise zur Gewährung des Asyls in der Schweiz geführt hatte», schreibt das Bundesamt in einem Brief an die Flüchtlinge, der der SDA vorliegt: «Wir beabsichtigen deshalb, Ihnen Ihre Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und Ihr Asyl zu widerrufen.»

Davon ausgenommen seien anerkannte Flüchtlinge aus Serbien und Bosnien-Herzegowina, sagte Avet. Dort könnten Schergen des einstigen Milosevic-Regimes immer noch an den Schalthebeln der Macht sein.

Betroffene können bleiben


Der Asylwiderruf und die Aberkennung des Status als Flüchtling bedeute aber nicht, dass die Betroffenen die Schweiz verlassen müssten. Die meisten seien schon seit vielen Jahren in der Schweiz und hätten eine befristete Aufenthaltsbewilligung (Ausweis B) oder eine unbefristete Niederlassungsbewilligung (Ausweis C).

Ebenfalls grundsätzlich keinen Einfluss habe der Widerruf des Asyls und die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft auf ein hängiges oder künftiges Einbürgerungsverfahren in der Schweiz, hiess es weiter. Nachteile könnten sich allenfalls bei der Sozialversicherung AHV/IV ergeben, wenn der Betroffene über zu wenige Beitragsjahre verfüge.

Allerdings müssen sich diese Menschen wieder Reisepässe aus ihrem Heimatland beschaffen. Die blauen Schweizer Reiseausweise für Flüchtlinge würden eingezogen, schreibt das BFM. Dies ist insbesondere für Kosovaren mühsam, weil der Kosovo erst von rund 60 Staaten anerkannt und somit ihre Reisefreiheit eingeschränkt wird.

Vor dem endgültigen Widerruf des Asyls können die Betroffenen noch schriftlich Stellung beim BFM nehmen. Gegen den Widerruf können sie Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einlegen.

Flüchtlingshilfe geschockt


Asylüberprüfungen seien nicht neu in der Schweiz, sagte Avet. Dies habe man beispielsweise im letzten Jahrhundert bei den Flüchtlingen aus Ungarn oder Chile gemacht, nachdem sich die Lage in diesen Ländern nach dem Fall der Regime wieder verbessert gehabt habe.

Dennoch reagierte die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) geschockt: Asylwiderrufe seien eine sehr seltene Praxis in der Schweiz, sagte SFH-Sprecher Adrian Hauser: «Das zeugt für uns von einer härteren Gangart im Asylwesen.»

Zwar sei die gesetzliche Grundlage für Asylwiderrufe gemäss Flüchtlingskonvention gegeben. Aber die Betroffenen könnten triftige Gründe dagegen anführen, etwa wenn sie aufgrund früherer Verfolgung Traumata erlitten hätten beispielsweise durch Massaker, Vertreibungen oder Vergewaltigungen. Zudem habe das SFH Bedenken, ob die Situation in Ex-Jugoslawien stabil sei, besonders im Kosovo.

http://www.20min.ch/news/schweiz/story/26659696

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Sansculotte
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Re: Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

Beitrag von Sansculotte » 15 Jul 2010, 17:34

ärgerte mich die letzten tage auch über die "inserate" (für mich ist es primitive hetz-werbung) der svp:

hxxp://www.svp.ch/display.cfm/id/101197 hxxp durch http ersetzen bitte

ist mal wieder typisch: jaaaaaaaaaa nicht, ja nicht weiter als bis zur nasenspitze denken...und immer schön scheuklappen nicht vergessen!
aramtamtam aaaaaaramtamtam!!!

Kuddel
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Re: Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

Beitrag von Kuddel » 18 Jan 2011, 15:00

Weiterhin staatlicher Rassismus:
In der Schweiz ist die Zahl der Asylgesuche im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge gesunken. 15'567 Personen haben 2010 in der Schweiz um politisches Asyl gebeten. Die meisten haben kaum Chancen, aufgenommen zu werden.
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten ... f-Aufnahme

Kuddel
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Re: Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

Beitrag von Kuddel » 01 Feb 2011, 17:39

"Abgeschreckt, aber noch da"

Bild

Seit Januar 2008 haben alle abgewiesenen Asylsuchenden in der Schweiz nur noch Anspruch auf Nothilfe. Diese wird von den Kantonen unterschiedlich ausgerichtet. Die Nothilfe ist aber nicht primär eine Hilfeleistung, sondern vor allem ein Instrument der Abschreckungspolitik im Rahmen der 'Migrationsbekämpfung'. Die perfide Idee dahinter: je grösser die Prekarisierung der illegalisierten Menschen, desto eher reisen sie aus der Schweiz wieder aus.
Aus diversen Gründen verlassen viele abgewiesene Asylsuchende die Schweiz aber nicht, sondern entziehen sich der staatlichen Kontrolle und tauchen unter. Andere beziehen jahrelang Nothilfe und fristen ein Leben am Rande der Gesellschaft, von den Behörden gezielt schikaniert und prekarisiert. Die Nothilfeleistungen sichern gerade knapp das Überleben der Betroffenen, garantieren aber kein würdevolles Leben.

Unser 25-minütiger Kurzfilm zeigt anhand von drei Sans-Papiers, was es konkret heissen kann, unter dem Nothilfe-Regime zu leben. Die Frage, weshalb diese Menschen in die Schweiz gekommen sind, wird absichtlich ausgeblendet. Sie ist unserer Meinung nach nicht relevant - auch nicht für die Problematisierung des Nothilferegimes.

Wir danken Solidarité sans frontières für die Unterstützung bei der Realisierung dieses Filmes.

Der Kurzdoku kann hier angeschaut und/oder heruntergeladen werden:
http://a-films.blogspot.com/2011/01/11jan30de.html#1

Das autonome Medienkollektiv 'a-films' dokumentiert seit mehr als zwei Jahren politische Kämpfe von MigrantInnen in der Schweiz. Die Gruppe hat zahlreiche Reportagen und Kurzfilme veröffentlicht, welche auf ihrer Website verfügbar sind:
http://a-films.blogspot.com/2009/03/150309de.html
http://a-films.blogspot.com

Kuddel
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Re: Bern: Sans-Papiers und Unterstützer besetzen kl. Schanze

Beitrag von Kuddel » 02 Okt 2011, 08:24

Zu Hause bei den Sans Papiers
Von Timo Kollbrunner.
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Heute wurde in Bern für die Rechte von Sans Papiers demonstriert. Das kurdische Paar, von dem diese Geschichte handelt, blieb mit seinem Sohn zu Hause. Die Angst, entdeckt zu werden, ist zu gross
.

Sie sitzen in ihrem Wohnzimmer, in einem grösseren Ort unweit von Bern. Es ist so sauber, wie ein Wohnzimmer sauber sein kann. Die Frau hat extra Kuchen gebacken und reicht starken türkischen Kaffee. Der Mann sitzt auf dem Sofa. Es gibt keine Bilder und nur wenige Möbel. «Wir sind nur zu Besuch hier», sagt die Frau in einem Anflug von Ironie. Sie sagt das, weil an der Haustüre nicht ihr Name steht, sondern jener der Schweizerin, die ihnen die Wohnung organisiert hat. Aber die Kurdin und ihr Mann und der gemeinsame Sohn sind nicht zu Besuch. Nicht in dieser Wohnung und nicht in diesem Land. Sie leben seit bald zehn Jahren in der Schweiz. Sie sprechen gut deutsch. Und sie werden hier bleiben, weil sie sicher sind, dass sie in der Türkei ins Gefängnis gesteckt würden – im besten Fall. Aber seit ihr Asylgesuch abgewiesen wurde, halten sie sich illegal hier auf, in der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Und deshalb können ihre Gesichter nicht gezeigt, sondern nur beschrieben werden.

«Wir wollen vergessen»


Die beiden Mittdreissiger sind ein ausnehmend hübsches Paar, sie mit den dezenten Ohrsteckern und dem schönen Lachen und ihr Mann mit markanten Gesichtszügen und dichtem Haar. Doch während sie spricht und gestikuliert, gibt er nur kurze Antworten, leise und freundlich, und dann sitzt er wieder da auf dem Sofa, den Fernseher im Blick. So sitzt er jeden Tag viele Stunden da. Meistens ist es wie jetzt. Der Fernseher ist ausgeschaltet. Die Apathie des Mannes rührt wohl auch von den starken Medikamenten, die er einnimmt. «Wegen der Folter», sagt er, mehr will er nicht sagen, «wir wollen vergessen». Die Familie stammt aus einer südtürkischen Provinz. Dort ging es ihnen gut, sie betrieben zwei Filialen eines Telefonunternehmens. Doch er habe die verbotene kurdische PKK finanziell unterstützt und sich so Feinde geschaffen, sagt der Mann. Als sie mit Schleppern in die Schweiz flüchteten, war ihr Sohn 17 Monate alt.

Nur ja nicht die Adresse nennen


Jetzt ist der Sohn schon seit mehreren Jahren in der Schule und steckt nun seinen Kopf in die Stube. Er will nach draussen, spielen gehen. Das darf er, aber nur in unmittelbarer Nähe des Hauses. Und bevor ihm die Eltern erlaubten, mit dem Velo zur Schule zu fahren, haben sie lange diskutiert. Die Mutter mag sich nicht ausmalen, wie es wäre, wenn der Sohn einen Unfall hätte und ins Spital müsste. Es sind Ängste einer Mutter, die weiss, dass sie ihn dort nicht abholen könnte, weil sie dann ihre Identität preisgeben müsste. Und der Sohn weiss genau: Wenn etwas passiert, darf er die Adresse, an der sie wohnen, auf keinen Fall nennen. Seine Mitschüler wissen nicht, dass er nicht hier sein dürfte. Den Schulbehörden und Lehrern vertraut die Familie. Dass die Behörden nun darüber nachdenken, über die Schulkinder illegale Familien ausfindig zu machen (siehe Box oben links), empört die Mutter: «Das ist eine Idee des Teufels.»

Wenn der Sohn in die Schule geht, bleiben die Eltern zu Hause. «Ich möchte arbeiten», sagt der Mann, der hier in der Schweiz das Bodenlegen erlernte, als die Familie noch im Asylverfahren war. Aber bis auf drei, vier Tage pro Monat, an denen er schwarz arbeitet, sitzt er hier in der Stube und zermartert sich den Kopf. Auch seine Frau verdient etwas Geld, stundenweise, als Putzfrau. Den Nachbarn sagt sie, sie arbeite im Büro. Aber viel spricht sie nicht mit ihnen, «ich muss Grenzen ziehen». Hallo und Ade sagt sie, in der Waschküche oder im Gang, freundlich stets, aber mehr nicht, um sich nicht zu verraten. «Es ist schwierig», sagt sie. «Ich mag nicht mehr lügen.» In ihrer Wohnung verhalten sie sich möglichst ruhig – und sie verlassen sie selten. Manchmal spazieren sie im Wald oder gehen einkaufen, kurz vor Ladenschluss, wenn Halbpreiszeichen auf den Produkten kleben. Wenn sie mal einen Bus nehmen, vergessen sie nie, ein Billett zu lösen. Eine Personenkontrolle könnte reichen, damit sie auffliegen. Es klingelt. Der Mann drückt den Knopf der Freisprechanlage, aber er sagt nichts. Erst als er seinen Sohn sprechen hört, öffnet er die Türe. Wenn er keinen Besuch erwartet, öffnet er nicht. «Wir wollen nur leben, eigentlich, atmen und leben, wie normale Leute», sagt die Frau. Sie träume davon, irgendwann mal ohne Angst einen Polizisten nach dem Weg zu fragen. Oder in die Berge zu fahren und laut zu schreien: «Ich bin frei.» Und dann das Echo zu hören. Sie strahlt. Ihr Mann sagt: «Ich habe keine Hoffnung mehr.»

Zurzeit sind Herbstferien. Wenn die Schule wieder beginnt, wird der Knabe wohl einen Aufsatz schreiben sollen, darüber, wo er war in den Ferien. Doch was wird er dann schreiben? Er möchte gerne mal in den Europapark.
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Zu ... y/12924813

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