Aufstände in Algerien, Tunesien und Co.

& neues von Chefduzen
sweatshirt
Beiträge: 46
Registriert: 30 Apr 2010, 06:33

Parallelen

Beitrag von sweatshirt » 21 Mai 2011, 10:12

In Madrid wurde auf einem zentralen Platz übernachtet. Die Proteste gegen das Austeritätsprogramm sind seit einer Woche in Gang. Die Jugendarbeitslosigkeit ist bei 45%, was nichts heissen will, aber es heisst nun offenbar etwas. Es werden Parallelen zu Ägypten gezogen.
Many of the participants have drawn parallels between their actions and the pro-democracy protests in central Cairo that revolutionised Egypt.
http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-13481592

Benutzeravatar
savo
Beiträge: 79
Registriert: 21 Sep 2009, 15:39

Re: Aufstände in Algerien, Tunesien und Co.

Beitrag von savo » 22 Mai 2011, 16:52

mangels zeit - hier der verweis auf den UD-thread zu spanien. viele infos, links, bilder, usw.:
http://underdogs.nfshost.com/phpbb/view ... highlight=
"Was tun, wie die nächsten Kämpfe in Angriff nehmen,wie stabile Verbindungen einrichten, das sind Probleme, an die wir herangehen werden. Heute ist es bereits ein grosses Ergebnis, dass wir uns als Arbeiter begegnen und miteinander diskutieren."

Benutzeravatar
bebop
Beiträge: 296
Registriert: 01 Jul 2009, 12:33

Ägypten rückt näher

Beitrag von bebop » 22 Mai 2011, 23:07

Krass! Danke savo.
Bilder aus Spanien: http://m.theatlantic.com/infocus/2011/0 ... on/100070/
http://www.flickr.com/photos/isidorfern ... 643215401/

Livestream-Webcam vom besetzten Platz in Barcelona (vom Prestige her vergleichbar mit dem Paradeplatz in Zürich!): http://www.soltv.tv

Bild

Und es bleibt offenbar nicht nur auf Spanien beschränkt:
ich lebe in rom. ist wirklich krass, was sich hier abspielt. die proteste scheinen auch auf italien überzugreifen. für das wochenende sind diverse kundgebungen angekündigt. denn auch wir fühlen uns als prekarisierte generation!
(Kommentar von 20min.ch)

das gibt einen ganz interessanten Sommer :D
Arroganz ist die Kunst, auf die eigene Dummheit stolz zu sein.

Kuddel
Beiträge: 419
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Ägypten rückt näher

Beitrag von Kuddel » 26 Mai 2011, 13:07

Tausende protestieren gegen Sparprogramm in Griechenland

Mehrere tausend Menschen haben nach dem Vorbild der spanischen Protestbewegung wichtige Plätze in griechischen Städten besetzt. Sie protestieren gegen die harten Sparmaßnahmen, die zur Rettung Griechenlands vor dem Bankrott verhängt wurden.


Athen (dpa) - Mehrere tausend Menschen haben nach dem Vorbild der spanischen Protestbewegung wichtige Plätze in griechischen Städten besetzt. Sie protestieren gegen die harten Sparmaßnahmen, die zur Rettung Griechenlands vor dem Bankrott verhängt wurden. Die Aktionen wurden im Internet vereinbart. Dem Aufruf schlossen sich aber auch zahlreiche griechische Medien an. Allein in der griechischen Hauptstadt strömten nach Schätzungen von Medien rund 8000 Menschen zum zentralen Syntagma-Platz vor dem Parlament.
http://www.stern.de/wirtschaft/versiche ... 89020.html

Benutzeravatar
savo
Beiträge: 79
Registriert: 21 Sep 2009, 15:39

Re: Aufstände in Algerien, Tunesien und Co.

Beitrag von savo » 28 Mai 2011, 03:03

Libertäre AktivistInnen zeigten sich an der Massenkundgebung auf dem Tahrir-Platz solidarisch mit der Bewegung in Spanien, insbesondere mit den Leuten, welche in Barcelona durch die Bullen angegriffen und geräumt wurden. Nachfolgend eine Fotostrecke, welche dies dokumentiert:
http://savovasic.blogsport.de/2011/05/2 ... -bewegung/
"Was tun, wie die nächsten Kämpfe in Angriff nehmen,wie stabile Verbindungen einrichten, das sind Probleme, an die wir herangehen werden. Heute ist es bereits ein grosses Ergebnis, dass wir uns als Arbeiter begegnen und miteinander diskutieren."

sweatshirt
Beiträge: 46
Registriert: 30 Apr 2010, 06:33

Die Schulden nicht zurückzahlen

Beitrag von sweatshirt » 22 Jun 2011, 21:01

Ein aktueller Film über die Fiktion der griechischen Schulden. Es wird auch sehr schön auf das Beispiel Ecuador verwiesen, das beschlossen hat, seine Schulden grösstenteils als illegitim/kriminell zu bewerten und diese deshalb abzuschreiben (es wurde herausgefunden, dass diese zum Teil nicht mal vertragliche Grundlagen hatten, sie wurden einfach erfunden). Ironie der Geschichte: Die Bush-Admin hat damals am Vorabend des Krieges gegen den Irak die nötigen Beschlüsse gefasst, um Iraks Staatschulden als odious, als Diktatorenschulden, zu definieren und deshalb einfach auf Null gesetzt.
Diese Scheiss-Lügen der Finanzhaie von wegen Pleite und Komplettzusammenbruch bei Zurückweisen der Sparmassnahmen müssen vehement zurückgewiesen werden. Aber das haben die Leute auf dem Syntagma-Platz ja schon lange begriffen... http://www.youtube.com/watch?v=qKpxPo-lInk


sweatshirt
Beiträge: 46
Registriert: 30 Apr 2010, 06:33

Der Untergrund von Tripolis

Beitrag von sweatshirt » 24 Jun 2011, 11:53

Es sind Berichte in den Medien über die innere Opposition in Tripolis/Lybien (BBC, 24. Juni, Reuters, 22. Juni. Offenbar will jetzt sogar die NATO auf einen Aufstand setzen, um Gaddafi den Garaus zu machen. Das ist den kolonialen Planern natürlich ein Graus: « For Western governments, it is a gamble to count on an underground opposition movement they do not know and cannot see to unseat Gaddafi» (Reuters). Dass nach der ersten Phase des Aufstandes, der zweiten Phase des militärischen Konflikts, nicht einfach so eine dritte Phase der Zweiteilung kommt, war auch schon vorher klar (The Guardian, 15. April. Gaddafi ist zwar immer noch an der Macht, aber weit davon entfernt weitreichende Kontrolle auszuüben. Ich denke ein zweiter Aufstand in Tripolis könnte dem ganzen wieder eine Wendung geben, die den Militärquark aufbrechen könnte. Wie ja die ganze Diskussion auf diesem Thread schon gezeigt hat, war Krieg nie Präferenz derjenigen, die die Revolution gemacht haben (ob sie ihn trotzdem «gewollt» haben oder nicht, haben wir ja hitzig diskutiert). Noch das hier aus dem Untergrund von Tripolis (The Guardian, 15. April):
Now, the contact said, they were turning to guerrilla actions. They have attacked checkpoints across the city, killing the pro-Gaddafi militia and stealing their guns. The shooting that crackles across the city after dark, which regime officials claim is celebratory gunfire, is the work of the underground rebels, he said. "They [the regime] are covering up ... Every night there are attacks. The boys [on the checkpoints] have got scared. They are only getting 40 dinars (£20) a night, and they are saying we don't want to do this dirty work any more." There have been fewer checkpoints since the attacks began, he claimed.

Gegen eine optimistische Interpretation spricht aber das, was mir letzthin ein Lybier gesagt hat, der hier in der Schweiz lebt und in Kontakt mit Leuten ist, die unten sind: «Ich denke, die NATO bestimmt, wie es weitergeht.» Da Lybien ja der Schlüssel zu ganz Afrika sei (so meinten jedenfalls einige Schreiberlinge-Kennerinnen), wird die NATO ganz sicher versuchen, dass der Schuss nicht hinten rausgeht. Die NATO ist aber nicht allmächtig. ... Naja, wir werden sehen.

sweatshirt
Beiträge: 46
Registriert: 30 Apr 2010, 06:33

Im September soll Israel den Iran angreifen, wird gesagt

Beitrag von sweatshirt » 21 Jul 2011, 21:09

Das ist ja wohl saugefährlich:
A longtime CIA officer who spent 21 years in the Middle East is predicting that Israel will bomb Iran in the fall, dragging the United States into another major war and endangering US military and civilian personnel (and other interests) throughout the Middle East and beyond.

Earlier this week, Robert Baer appeared on the provocative KPFK Los Angeles show Background Briefing, hosted by Ian Masters. It was there that he predicted that Israeli Prime Minister Binyamin Netanyahu is likely to ignite a war with Iran in the very near future.
Ganzer Artikel: http://english.aljazeera.net/indepth/op ... 34786.html

Benutzeravatar
savo
Beiträge: 79
Registriert: 21 Sep 2009, 15:39

Re: Die Schulden nicht zurückzahlen

Beitrag von savo » 16 Aug 2011, 04:51

sweatshirt hat geschrieben:Ein aktueller Film über die Fiktion der griechischen Schulden. Es wird auch sehr schön auf das Beispiel Ecuador verwiesen, das beschlossen hat, seine Schulden grösstenteils als illegitim/kriminell zu bewerten und diese deshalb abzuschreiben (es wurde herausgefunden, dass diese zum Teil nicht mal vertragliche Grundlagen hatten, sie wurden einfach erfunden). Ironie der Geschichte: Die Bush-Admin hat damals am Vorabend des Krieges gegen den Irak die nötigen Beschlüsse gefasst, um Iraks Staatschulden als odious, als Diktatorenschulden, zu definieren und deshalb einfach auf Null gesetzt.
Diese Scheiss-Lügen der Finanzhaie von wegen Pleite und Komplettzusammenbruch bei Zurückweisen der Sparmassnahmen müssen vehement zurückgewiesen werden. Aber das haben die Leute auf dem Syntagma-Platz ja schon lange begriffen... http://www.youtube.com/watch?v=qKpxPo-lInk

findest du diesen film ernsthaft gut? ich habe ihn mir vor ner weile auch angeschaut, allerdings eher, um die irren erklärungsmuster der griechischen linken zu verstehen...

EDIT: ein schmankerl "verklärung der krise" - "In knappen 40 Jahren haben zwei Parteien, drei politische Familien und einige große Wirtschaftsbosse Griechenland in den Bankrott getrieben." (produzenten des films)
"Was tun, wie die nächsten Kämpfe in Angriff nehmen,wie stabile Verbindungen einrichten, das sind Probleme, an die wir herangehen werden. Heute ist es bereits ein grosses Ergebnis, dass wir uns als Arbeiter begegnen und miteinander diskutieren."

Kuddel
Beiträge: 419
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Tanzen auf Gaddafis Grab

Beitrag von Kuddel » 20 Okt 2011, 20:41

Aus aktuellem Anlaß.

Sweatshirt schrieb:
Wie viele Leute reissen sich mit viel gutem Willen den Arsch auf und bekommen einen Scheissdreck dafür? Und das nur, weil sie denken, dass derjenige, der sich anstrengt, ein grundsätzliches Recht auf Belohnung hat. Als gäbe es den absoluten Lohn. So ein Witz! Das gilt auch für politischen Wandel. Wer sich mehr anstrengt und sich besser organisiert, bekommt nicht mehr und bessere Veränderung. Die Revolution kann man nicht erarbeiten. Die Revolution geschieht, sie wird gemacht (organisiert, wenn man so will). Ich sehe hier (Tunesien, Ägypten, Libyen, Yemen, Bahrain, etc.) überhaupt keinen Vorlauf an Organisierung, der diese Qualität hervorbringen konnte. Diese Revolution ist in keiner Weise das Resultat revolutionärer Agitation.
Der linke Diskurs von 2003, kategorisch Anti-Krieg, Anti-US, etc, funktioniert nicht mehr.
Es gibt bis jetzt keinerlei Anzeichen von Clan-Krieg.
Dieses Millionenheer [migrantischer Arbeiter] ist ja leider geflüchtet.
Es gibt nie gut und schlecht. Nie. Es gibt immer beides. Alle handeln so, wie sie es für sinnvoll halten. Und in Libyen haben sie die NATO akzeptiert und jetzt fühlen sie einen Verrat. Das ist eben genau so und nicht anders. Nicht, wäre wenn und haben wir schon gewusst. Klar, diese Entwicklung folgt einem Muster, das man schon oft beobachten konnte. Also was ist denn? Fehler wiederholen? Dummheit? Nein. Es war eine Entscheidung, die NATO wurde gerufen. Akzeptiert das!
Müssen wir hier auf Chefduzen etwa so langweilig sein wie im Nationalrat?
Mir liegt diese ganze Dreck noch immer quer im Magen.
Bei aller revolutionären Begeisterung von sweatshirt sehe ich da eher einen gelangweilten Mitteleuropäer, der von aufregender Action träumt. Revolution televized by Aljazeera, dazu den Soundtrack kräftig aufgedreht, voller Verachtung für die Leute, die ihre Zeit mit Problemen des Alltags verschwenden oder gar mit politischer Arbeit. Revolutionen kommen von selbst, notfalls holt man die NATO zur Hilfe.

Diese Form revolutionärem Entertainment hat derweil 30 vielleicht sogar 40 Tausend Menschen das Leben gekostet.

Die Behauptung, die migrantischen Arbeiter hätten alle das Land verlassen, war schlichtweg falsch. Die "Revolutionäre" waren mit in neuen Uniformen und mit den neuesten Waffen ausgestattet. Sie lynchten Schwarzafrikaner und jüngst gab es Meldungen, sie folterten in großem Stil. Sie haben im Vorfeld schonmal ein Ölminsterium gegründet. Diese "Revolution" hing an ihrer Finanzierung:
Wenn das Cash-Flow-Problem nicht innerhalb der nächsten Tage gelöst werde, habe man ein ernstes Problem, sagt Albagrmi. Die Möglichkeit, die Revolution gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi zu finanzieren, schwinde gemeinsam mit dem letzten Bargeld, das den Rebellen noch bleibt.
http://www.handelszeitung.ch/konjunktur ... der-pleite

Ein Bekannter kam gerade aus Nordafrika zurück. Er war auch bei einem internationalen Treffen in Tunesien. Von Libyien berichtete er, er wäre überrascht von dem unglaublichen Reichtum und all den fetten Autos. Das emanzipatische Potential sah er in den Kämpfen "vergleichbar winzig zu den anderen arabischen Staaten". Das ist ein vielfaches positiver, als ich die Sache einschätze. Ich befürchte, die emanzipatorischen Ansätze sind um mehrere Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Aus anderen Staaten Nordafrikas hörte ich, die Bevölkerung sei großteils bewaffnet, die Waffe bleibt jedoch zuhaus, wenn man auf eine Demo geht. Auch in Syrien, wo das System einen blutigen Kampf gegen die Proteste führt, hat man sich eine militärische Einmischung von außen verbeten. Ja, es gab selbst in Libyen noch Demos von Leuten, die den Bürgerkrieg nicht als ihren Kapf gesehen haben. Desgleichen in Afghanistan und im Irak. In Auseinandersetzungen entwickeln sich auch Strukturen zukünftiger Gesellschaften. Die Strukturen des Krieges will man nicht als Fundament einer neuen Gesellschaft, nicht die Waffen, das Machotum und die Hierarchien. Deshalb gibt es diese Proteste auch da, wo ihnen die Kugeln um die Ohren fliegen, oft von Frauen organisiert.

Ich bin kein dogmatischer Pazifist und weiß, daß gelegentlich Gewalt nicht zu vermeiden ist. Aber in einem Krieg sehe ich kein emanzipatorisches Potential und ärgere mich, wenn man das Geballer schönredet.
http://www.umwaelzung.info/golfkrieg.html
http://www.antikrieg.com/index.htm

Antworten