Unruhe im Knast

(Schein-)Selbstständigkeit, Schwarzarbeit, Sexarbeit, Heimarbeit, Drückerjobs...
Antworten
Kuddel
Beiträge: 396
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Unruhe im Knast

Beitrag von Kuddel » 27 Feb 2014, 18:58

Häftlinge wollten nicht in Zelle zurück

In der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon brodelt es weiter. Dutzende Häftlinge weigerten sich nach dem Spaziergang, in ihre Zellen zurückzukehren...


http://bazonline.ch/schweiz/standard/Ha ... y/12131401

Kuddel
Beiträge: 396
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Re: Unruhe im Knast

Beitrag von Kuddel » 22 Nov 2017, 12:49

In der Schweiz streiken gerade 50 Häftlinge für ein Sex-Zimmer
Fast jeder dritte Insasse in diesem Knast bei Bern verweigert die Arbeit.

50 von 180 Häftlingen eines Gefängnisses in der Schweiz befinden sich seit vergangener Woche im Streik. Sie fordern: höhere Löhne, besseres Essen – und ein Zimmer, in dem sie Sex mit ihren Frauen oder Freundinnen haben können.


"Es ist ein Privatzimmer notwendig, weil viele Beziehungen kaputtgehen, weil das Sexualleben fehlt", erklärten die Insassen in einem dreiseitigen Papier, das der Schweizer Boulevardzeitung Blick vorliegt. "Viele würden gern eine Familie gründen, bevor sie und ihre Partnerin zu alt werden", so die Häftlinge weiter.

Bis ihre Forderungen erfüllt würden, wollten sie nun nicht mehr arbeiten. In dem Gefängnis in Thorberg, nahe der Schweizer Hauptstadt Bern, gibt es unter anderem eine Polsterei, eine Buchbinderei und eine Weberei. Auch in der Küche oder der Wäscherei arbeiten die Häftlinge normalerweise. Strafgefangene sind in der Schweiz – genau wie in Deutschland – per Strafgesetzbuch zur Arbeit verpflichtet. Der Monatslohn liegt im Gefängnis in Thorberg bei 320 Franken, das sind etwa 275 Euro. Solange sie streiken, bekommen die Häftlinge aber kein Geld.

Nur wenige Länder gewähren ihren Gefängnisinsassen ein generelles Recht auf Sex. In Deutschland lehnte zum Beispiel das Oberlandesgericht Frankfurt 1991 eine entsprechende Klage eines hessischen Untersuchungshäftlings ab. Die Ausübung des Geschlechtsverkehrs, so die Urteilsbegründung, gefährde Ordnung und Sicherheit im Gefängnis. Man dürfe die Häftlinge mit ihren Partnerinnen nicht alleine lassen, weil dann Drogen oder andere Gegenstände ausgetauscht werden könnten. Dass der Sex von einer Aufsichtsperson überwacht wird, sei wiederum keinem der Beteiligten zuzumuten.

Deutlich liberaler geht es zum Beispiel in kanadischen Knästen zu. Dort stehen jedem Häftling alle zwei Monate 72 Stunden an "privatem Familienbesuch" zu. Mittlerweile dürfen sich Gefangene in Deutschland immerhin schriftlich um die Möglichkeit für intimen Besuch bewerben. Mehrere Gefängnisse haben bereits sogenannte Liebeszellen eingerichtet. In einer von ihnen kam es 2010 allerdings zur Tragödie. In Remscheid ermordete ein 50-jähriger Häftling seine Freundin in einem solchen "Langzeitbesucherraum", wie die Zellen offiziell heißen.

Geht es nach der Europäischen Menschenrechtskonvention, sind die streikenden Gefangenen in der Schweiz mit ihrer Forderung nach Sex im Recht. Die EMRK fordert, es müsse Gefangenen generell erlaubt sein, zwischenmenschliche Kontakte aufrechtzuerhalten. Und dazu gehöre ganz konkret auch sexueller Kontakt.

Viele Schweizer Gefängnisse bieten solche Räume bereits in unterschiedlichen Formen an: In Pöschwies, der größten geschlossenen Vollzugsanstalt der Schweiz, dürfen Gefangene alle zehn Wochen ein Zimmer mit Kochnische und Sofa für fünf Stunden reservieren. Die Strafanstalt in Lugano stellt ihnen sogar ein kleines, überwachtes Häuschen in einem Wald zur Verfügung.

Die Forderungen der streikenden Häftlinge in Thorberg nehme man ernst, teilte der dortige Gefängnisdirektor am Montag mit. Bis Ende der Woche wolle er "eine erste Stellungnahme gegenüber den Gefangenen abgeben".
https://www.vice.com/de/article/ne3g38/ ... sex-zimmer

Kuddel
Beiträge: 396
Registriert: 13 Nov 2009, 14:11

Re: Unruhe im Knast

Beitrag von Kuddel » 10 Dez 2017, 15:43

Ein weiterer Bericht zur gleichen Sache:
50 Thorberg-Häftlinge im Streik - Direktion prüft Forderungen

Bild

Rund 50 Häftlinge der Berner Justizvollzugsanstalt Thorberg sind in den Streik getreten. Sie verlangen unter anderem einen Begegnungsraum für intime Kontakte, einen höheren Lohn und mehr zu essen.

Thorberg-Direktor Thomas Egger bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Blick". Inhaltlich wollte er nicht Stellung zu dem dreiseitigen Forderungskatalog nehmen.

"Wir werden das Papier analysieren", kündigte er an. "Bis Ende Woche werden wir gegenüber den Streikenden eine erste Stellungnahme abgeben."

Auf dem Thorberg zwischen Bern und Burgdorf sitzen rund 180 Häftlinge. 50 von ihnen verweigern seit Freitag die Arbeit, wie Egger berichtete. Der Betrieb der Justizvollzugsanstalt sei dadurch nicht beeinträchtigt. "Die Logistik funktioniert wie immer."

Streiks gebe es in der Anstalt ab und zu, sagte Egger weiter. Meistens seien es aber Einzelpersonen, die ihrer Arbeit aus individuellen Gründe nicht nachgingen. Dass mehrere Dutzend Häftlinge gemeinsam streikten, sei selten. Aber offensichtlich funktioniere die Gruppendynamik.

"Wir sind überzeugt, dass manche Streikende lieber arbeiten würden", erklärte Egger. Doch gebe es in einer Strafanstalt eben eine Hackordnung.

Laut "Blick" erhalten die Häftlinge 320 Franken im Monat. Während der Arbeitsniederlegung kriegen sie gar nichts, wie Egger auf Anfrage sagte.

Gefangene sind gemäss Strafgesetzbuch zur Arbeit verpflichtet. Die Arbeit sollte den individuellen Fähigkeiten entsprechen und den Häftlingen helfen, in Freiheit den Lebensunterhalt wieder selber verdienen zu können.

Auf dem Thorberg gibt es unter anderem eine Sattlerei/Polsterei, eine Buchbinderei, eine Malerei und eine Weberei. Arbeitsplätze finden sich auch etwa in der Küche, in der Wäscherei, in der Bäckerei und im Hausdienst.

"Sex-Verbot ist weisse Folter"

Die Gefangenen-Selbsthilfeorganisation Reform 91 zeigt Verständnis für die Forderungen der Streikenden. Wenn man Gefangenen die Möglichkeit von sexuellen Kontakten vorenthalte, sei das weisse Folter, sagte Reform-91-Sprecher Peter Zimmermann auf Anfrage. Weisse Folter umfasst Methoden, die nicht sichtbar sind, die Psyche der Menschen aber angreifen und schädigen können.

In den Strafanstalten Pöschwies (ZH) und Bostadel (ZG) gebe es sogenannte Beziehungszimmer. "Wir sind der Ansicht, dass sich auch die Berner Justiz an die Bundesverfassung halten sollte." Zimmermann kritisierte die Strafanstalt Thorberg auch grundsätzlich: "Man plaudert und plaudert seit Jahren, aber man setzt nichts um."
https://www.swissinfo.ch/ger/50-thorber ... n/43690050

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast