Manpower wollte Krankentaggeld nicht zahlen

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lucky puke
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Manpower wollte Krankentaggeld nicht zahlen

Beitrag von lucky puke » 24 Mär 2010, 18:26

Allein gegen Manpower

Manpower wollte ihm das Krankentaggeld kürzen. Das liess sich Thomas Illhardt nicht bieten. Er klagte vor Gericht. Mit Erfolg! Von Matthias Preisser (Foto: Claude Giger) - 18.03.2010

Bild Seit sechs Jahren arbeitet der gelernte Kranführer Thomas Illhardt schon als Grenzgänger und Temporärangestellter auf Schweizer Baustellen. Zurzeit auf der grössten Kraftwerkbaustelle Europas, dem Neubau des Flusskraftwerks Rheinfelden AG. Dabei habe er gar nicht mehr auf Montage gehen wollen, sagt der Ostdeutsche. Mit seinen 48 Jahren sei er eigentlich zu alt. Aber sein Arbeitslosengeld wäre ausgelaufen, kurz nachdem in Deutschland die Hartz-IV-Reform in Kraft trat. Und statt zukünftig von Sozialhilfe zu leben, hat Illhardt seinen Wohnort Heiligenstadt im Nordwesten Thüringens 2004 doch noch einmal verlassen, auf der Suche nach Arbeit. Seither wohnt er im deutschen Weil am Rhein und besucht etwa alle zwei Wochen für ein Wochenende Frau und Tochter.
Illhardt ist alles andere als ein Aufmüpfiger. Er wirkt ruhig und spricht besonnen. Bis vor einem Jahr war er nicht einmal Gewerkschaftsmitglied. «Es ging ja vier, fünf Jahre alles problemlos», sagt er. Ende Februar 2009 kommen zuerst die gesundheitlichen Probleme: Schmerzen in Schulter und Oberarm machen das Arbeiten unmöglich. Der Arzt diagnostiziert ein «Einklemmungssyndrom» der Schulter und schreibt Illhardt für zwei Monate krank, bis zum Ende seines Temporäreinsatzes. Und plötzlich kommt noch ein gravierendes Problem dazu: Nach einem Monat bleibt einfach die Lohnzahlung aus.

MANPOWER STOPPT LOHN
Illhardt erkundigt sich beim Arbeitsvermittler Manpower, für den er damals arbeitete. Erst nach einem Monat erhält er ein Schreiben der Zürich-Versicherungsgesellschaft. Bei ihr hat Manpower die Kollektiv-Krankenversicherung abgeschlossen. Im Brief heisst es, er sei bereits früher wegen derselben Krankheit behandelt worden. Und: «Demzufolge gehen wir davon aus, dass das Maximum der geschuldeten Leistungen für eine ‹vorbestehende Krankheit› erreicht ist (28 Tage).» Der zuständige Manpower- Sachberabeiter bestätigt gegenüber work: Nach einem Monat setzt Manpower die Taggeldzahlung aus, bis die Zürich geklärt hat, ob Anspruch auf weitere Zahlungen bestehe.
Illhardt war tatsächlich schon drei Jahre zuvor wegen des gleichen Leidens behandelt worden. Dies geht auch aus dem Attest hervor, das sein Hausarzt der Zürich-Versicherung ablieferte. Gleichzeitig hält das Attest aber fest, die aktuelle Krankheit sei nicht von früheren beinflusst. Illhardt versucht sofort, mit dem Sachbearbeiter der Manpower- Verwaltung in Genf Kontakt aufzunehmen. Dort sagt man ihm, er solle das mit dem Basler Büro klären. Was tun? Illhardt wendet sich an die Unia, wo er seither Mitglied ist. Verena Della Picca vom Basler Unia-Rechtsdienst bestätigt: Als Kranführer ist er dem Landesmantelvertrag (LMV) für das Bauhauptgewerbe unterstellt. Dies auch, wenn er temporär angestellt ist. Und der LMV sieht im Krankheitsfall die Lohnfortzahlung während 720 Tagen vor. Irgendeine Reduktion bei «vorbestehender Krankheit» ist nicht vorgesehen.
Doch Manpower stellt sich weiterhin auf den Standpunkt, Illhardt habe gemäss Rahmenarbeitsvertrag nur Anspruch auf 28 Taggelder. Obwohl Illhardt keinen Anspruch auf Rechtsschutz durch die Unia hat, weil er zu wenig lange Mitglied ist, klagt er beim gewerblichen Schiedsgericht. Schliesslich habe er den LMV durchgelesen, und sei der festen Überzeugung, «dass man das nicht einfach abändern kann». Dieser Meinung schliesst sich das Gericht an: Am 9. November 2009 entschied es, Manpower müsse Illhardt die ausstehenden 5220 Franken Krankentaggelder für den letzten Monat zahlen.

DEN ANDEREN MUT MACHEN Manpower zieht das Urteil zwar ans Appellationsgericht weiter, macht dann aber einen Rückzieher. Illhardt erhält einen Brief, zwei Tage nach Ablauf der Frist, innerhalb deren der Personalvermittler seine Stellungnahme beim Gericht hätte einreichen müssen: Man habe das Urteil noch einmal «an höchster Stelle» geprüft, schreibt Manpower. «In Ihrem Fall ist entschieden worden, nicht nochmals Einspruch zu erheben.» Gleichzeitig überweist ihm Manpower 5366.45 Franken: das Krankentaggeld plus Zinsen.
Natürlich freut sich Illhardt über seinen Erfolg. «Denn, wenn die damit durchgekommen wären, könnte man sich den LMV gleich sparen.» Aber gleichzeitig ärgert sich Illhardt. Weil er überzeugt ist, dass sich schon viele mit dem Schreiben der Zürich-Versicherung zufriedengegeben haben. «Die haben es ganz einfach versucht und nicht damit gerechnet, dass ich so hartnäckig bin.» Umso wichtiger findet es der Kranführer, dass work seine Geschichte öffentlich macht. «Wenn es in Zukunft anderen Arbeitnehmern genauso geht, wissen sie, dass so ein Fall schon einmal gewonnen wurde.»

work, 18.03.2010
http://www.workzeitung.ch/tiki-read_art ... 50&topic=1
Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

kmarty123
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Re: Manpower wollte Krankentaggeld nicht zahlen

Beitrag von kmarty123 » 16 Jun 2010, 13:56

Super! Ich finde das immer bewundernswert, wenn Leute die Nerven haben sogar zum Gericht zu gehen, um sich ihr Recht zu erkämpfen. Aber es ist nicht das erste mal, dass ich so negative Geschichten von Manpower oder von anderen Jobvermittlern höre, schon einige Leute haben über die geklagt.

Kuddel
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Re: Manpower wollte Krankentaggeld nicht zahlen

Beitrag von Kuddel » 18 Okt 2011, 18:04

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