Was ist das Chefduzen-Forum?

Kuddel
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Re: Was ist das Chefduzen-Forum?

Beitrag von Kuddel » 20 Jun 2017, 17:52

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Chefduzen offline Area

Tausende werden zum G20-Gipfel Anfang Juli nach Hamburg kommen, um der Arroganz der Macht und der herrschenden Ungerechtigkeit entgegenzutreten.

Alle gesellschaftlichen Bereiche werden von dem Prinzip der Profitmaximierung überschattet. Das Gesundheitswesen wird genauso zum Ort des Gewinnstrebens wie der Bildungssektor. Die Arbeitsverhältnisse werden immer prekärer, die Beschäftigten sollen ihr Leben weitestgehend den Anforderungen der Wirtschaft unterwerfen, die Schere zwischen Arm und Reich klafft zusehends auseinander, die Erwerbslosen bilden eine Reservearmee für den Arbeitsmarkt und werden mit Schikanen in noch miesere Jobs gezwungen oder gleich ganz als unnütze Esser dem Sozialdarwinismus preisgegeben. Soziale Ausgrenzung ist heute genauso Normalität wie rechte Gewalt gegen Obdachlose. Dies ist das bewußt herbeigeführte Ergebnis einer derartigen Politik.

Die Regierungen des global herrschenden Kapitalismus reagieren auf die wachsenden sozialen Spannungen mit dem Abbau von Freiheiten und Menschenrechten. Während man innenpolitisch mit immer rigideren Methoden vorgeht, wird die Außenpolitik militarisiert.

Diese Politik will sich auf dem G20-Gipfel als alternativlos präsentieren, doch wir werden ihr das Feiern verderben. Das Anhäufen von Macht und Reichtum wird ein Ende finden, wenn die Ausgebeuteten ihre Macht erkennen, in diesem Spiel nicht mehr mitspielen und sich querstellen. Die Proteste zum G20 können einen Anfang darstellen, entscheidender aber wird der tägliche Widerstand und Aufstand in allen Lebensbereichen sein.

Das Forum der Ausgebeuteten chefduzen.de ist eine Internetplattform, auf der man sich seit 15 Jahren über Arbeit, Erwerbslosigkeit und den Umgang mit Ämtern und Behörden und vieles mehr austauschen kann. Die Wirkung von chefduzen lässt sich an den hysterischen Reaktionen der Gegenseite erkennen: Drohungen, Abmahnungen, Gerichtsverfahren, gezielte Hackerattacken.

Im Rahmen des G20-Gipfels bietet das Projekt chefduzen die Möglichkeit zum Austausch offline, einen Raum zum Quatschen, für Vorträge, Musik und Diskussionen, für Filme über Arbeitskämpfe, Selbstorganisation und Sabotage.

Den Kapitalismus von innen angreifen durch Selbstorganisierung der Ausgebeuteten.

Kuddel
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Re: Was ist das Chefduzen-Forum?

Beitrag von Kuddel » 18 Feb 2020, 18:05

Der "express - Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit" interessierte sich für chefduzen und hat ein Interview geführt.

Ein paar Worte zum »express«

Gegründet 1962 als »express international«, fusionierte der express 1972 mit der »Sozialistischen Betriebskorrespondenz« zum »express« und stellte sich mitsamt seinem neuen Untertitel – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit« – in die Tradition der undogmatischen Linken.

In der Onlineausgabe

http://express-afp.info/express-01-2020-erschienen

ist das Interview nicht nachlesbar, das gibt es nur in der Printausgabe.

Ich habe das Vorwort gescannt.

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Das Interview habe ich hier aus dem Originalmanuskript eingefügt:
Betriebsversammlung auf Malle

Interview mit den Aktiven von chefduzen.de


Express: Was könnt Ihr uns über das Entstehen des Projekts erzählen? Wann habt ihr angefangen und was waren Eure Gründe dafür?

Chefduzen: Es muß etwa die Jahrtausendwende gewesen sein, als die Idee für das Projekt entstand. Es ist da gerade ein politischer Zusammenhang zerfallen und bei der Suche nach einem neuen Aktionsfeld boten sich die bestehenden Gruppen in Kiel nicht an. Es gab viele Initiativen, die in ihrem Ansatz zwar löblich waren, sich aber zu sehr auf bestimmte Events (Wirtschaftsgipfel oder Nazidemo) oder auf spezielle Themen (Rüstung, Umwelt, Nazis) konzentrierten, aber wenig Auseinandersetzung mit dem Grundübel, dem kapitalistischen System, versprachen.
Die Erfahrung Ende der 80er Jahre mit einer Kleinstgruppe, einen Protest und Arbeitskampf im Krankenhaus losgetreten zu haben, war die Grundlage für einen neuen Anfang. Damals hatten wir die Klinikbeschäftigten mit Flugblättern speziell auf ihre Arbeitssituation angesprochen und zu einem Austausch am Kneipentisch eingeladen. Daraus hat sich eine richtige Bewegung entwickelt, die eine Pflegenotstand-Demo und einen einwöchigen Bummelstreik hervorgebracht hat. Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf lautete der neue Ansatz, nicht nur die Leute aus einem Betrieb oder einer Branche zusammenzutrommeln, sondern alle Ausgebeuteten einzuladen zu einem Austausch bei einem Stammtisch. Die Soziale Frage und die persönliche Betroffenheit als Ansatz für politische Arbeit. Jeder war eingeladen, egal ob mit oder ohne Arbeit, um über Probleme mit Job, Ämtern, Schulden oder Vermietern zu quatschen
Zu dieser Zeit ist in den USA die Dotcom Blase gerade geplatzt, tausende IT-Leute waren von Entlassungen betroffen. Sie begannen sich über ein Internetforum zu organisieren. Im Forum „Netslaves“ konnte man die Diskussion mitverfolgen und wie sich die Selbstorganisierung in dieser jungen Branche entwickelte. Diese Leute hätten sich wohl nicht als „politisch“ oder „links“ definiert, doch die Dreistigkeit, der Witz und die Militanz der Kampfformen hätten sich wohl nicht in einem traditionellen gewerkschaftlichen oder linken Milieu entwickeln können. Man diskutierte nicht nur den Kampf, sondern auch den Alltag, erzählte von den Bewerbungsgesprächen bei der Jobsuche, den Konzerten, die man besucht hat und machte sich Gedanken über die Tagespolitik, Das hat uns überzeugt und wir wollten es neben dem Stammtisch auch mit einem Internetforum versuchen, hatten aber von dem recht jungen Internet wenig technische Ahnung und brauchten bis 2002, bis www.chefduzen.de online gegangen ist.

Gibt es einen gemeinsamen politischen Nenner innerhalb Eures Projekts? Wie würdet ihr den umreißen?

Es ist ein Projekt für einen zeitgemäßen Klassenkampf. Wir wollen die einfachen Leute zusammenbringen mit ihren eigenen Interessen gegen die Interessen eines Systems der Profitmaximierung. Wir wollen nicht irgendwelche Konzepte aus den Hochzeiten der ArbeiterInnenbewegung vor 100 oder 50 Jahren wieder aufwärmen. Deren Arbeiterbild war teilweise schon damals nicht zutreffend. Wir wollen uns vorurteilsfrei ansehen, wie Leute heute über die Runden kommen, wo es zu Konflikten kommt und wo kollektive Kämpfe entstehen können. Uns interessieren auch die schmuddeligen Bereiche, bei denen Gewerkschafter und auch Linke lieber wegsehen. Erwerbslosigkeit, Schwarzarbeit, Kleinkriminalität, Drogenhandel, Prostitution, Clickwork, Freiberuflichkeit und Scheinselbstständigkeit. Aber wir sehen uns nicht als Spezialisten für die fiesen Randbereiche des Ausbeutungssystems, auch die Stammarbeiter der Großbetriebe, die sogenannte Arbeiteraristokratie, sind für uns von Interesse. Wir haben keinen Masterplan. Wir wollen den Austausch, die Situation verstehen, Mut machen, Kontakte Knüpfen. Learning by Doing.

Wenn Ihr eure Arbeit mal Revue passieren lasst – welche Aktivitäten würdet Ihr als Erfolge begreifen, wo seid Ihr auf Schwierigkeiten/Grenzen gestoßen?

Wir hatten mit vielen Auseinandersetzungen zu tun, wir können dabei auf mindestens vier erwähnenswerte Erfolge zurückblicken. Der erste lag in einer Auseinandersetzung mit dem Freenet Callcenter in Kiel und wurde durch dessen übertreibenen Reaktionen auf unsere Öffentlichkeitsarbeit erst möglich. Als der Internetprovider Freenet die Kunden, die das Chefduzenforum besuchen wollten, einfach auf das Ego-Shooter Onlinespiel World of Warcraft umleitete, war das ein Fall für die überregionalen Medien. Nachdem selbst die Freenet-Wikipediaseite beim Thema „Arbeitsbedingungen“ auf die Diskussion bei chefduzen verlinkte und das Kieler Jobcenter offiziell Freenet aus der Liste der seriösen Arbeitgeber strich und den Bewerbern auf den Weg gab, es seien keine Sanktionen zu erwarten, wenn man dort nicht arbeiten wolle, sah sich Freenet genötigt, den Stundenlohn für die Arbeit im Callcenter um 10% zu erhöhen. Es war nicht mehr möglich, zu den bisherigen Bedingungen neues Personal zu rekrutieren.
Als Ritterschlag für unsere Aktivitäten empfanden wir einen Arbeitskampf von Leiharbeitern auf einem großen deutschen Flughafen. Es war einer aus unserem inneren Kreis selbst auf dem Flughafen beschäftigt. In seinem Arbeitsbereich trafen sich die unzufriedenen Leiharbeiter, um eine Gegenwehr zu planen. Die Mischung aus Wildem Streik und Sabotage hatte es in sich. Das Chaos, das die Leiharbeiter angerichtet haben, die man wegen ihrer Fähigkeiten als eingespieltes Team nicht einfach austauschen konnte, brachte den Flugbetrieb so stark aus dem Tritt, daß das Management sich gezwungen sah, die Leiharbeiter in eine Festanstellung bei deutlich besserer Bezahlung zu übernehmen, um so den Flughafenbetrieb normalisieren zu können.
Der dritte Fall ist von der Ferieninsel Mallorca. Beim dortigen deutschen Callcenters CCES24, deren Arbeitsbedingungen so haarsträubend, die Möglichkeiten Diskussion jedoch wegen intensiver Überwachung und petzender Kollegen sehr begrenzt waren, entschieden sich die Beschäftigten zu einem anonymen Austausch auf unserer Plattform. Es entstand über mehrere Wochen eine tägliche virtuelle Betriebsversammlung. Es waren Tag für Tag die 600 Beschäftigten online, die sich in der regen Auseinandersetzung zu einem kollektiven Sick-out entschieden, an dem sich mehr als Dreiviertel der Belegschaft beteiligte.
Eine Idee, die bei unserem Stammtisch entstanden ist, hatte ungeahnte Folgen. Wir waren aufgebracht, weil Volkswagen in China Polizeieinsätze und Verhaftungen gegen protestierende Leiharbeiter erwirkt hat, die es gewagt haben, den Konzern zur Einhaltung des chinesischen Arbeitsrechts aufzufordern. Als der gewählte Sprecher der Leiharbeiter nicht aus der Haft entlassen wurde, wollten wir es nicht hinnehmen und entschieden uns, mit einem Flugblatt und Infotisch in Wolfsburg aufzuschlagen. Uns gelang es, auch Solidaritätserklärungen von Daimlerbetriebsräten und von Leiharbeiterorganisationen zu bekommen und haben sie nach China weitergeleitet. Doch die größte Wirkung hatte ein zweisprachiges Protestbanner, das bei den G20 Protesten in Hamburg getragen wurde. Dieses Bild verbreitete sich in Windeseile den Sozialen Medien der chinesischen Leiharbeiter und führte zu einer Wiederhaufnahme ihrer Proteste. Als deutsche Medien über diese Entwicklung bundesweit berichteten, befriedete Volkswagen den Konflikt mit der Übernahme von 900 Leiharbeitern in die Stammbelegschaft zu einem doppelt so hohen Lohn.
All diese Kämpfe wurden nicht von uns geführt, sondern von den Betroffenen. Doch ohne unsere Vorarbeit wäre es nicht zu diesen erfolgreichen Auseinandersetzungen gekommen. Darin sehen wir auch unsere Rolle. Wir wollen Zündfunke und Hilfsmittel für Kämpfe sein, aber nicht selbst an deren Spitze stehen.
Die hier aufgeführten Beispiele stammen alle aus dem Bereich prekärer Arbeit. Das Forum wird auch von Leuten aus den Stammbelegschaften großer Unternehmen besucht, doch die wollen nur lesen, was da über „ihren“ Betrieb steht, sie beteiligen sich aber nicht aktiv an der Diskussion. Wir hofften darauf, ein Werkzeug für das gesamte Spektrum der Ausbeutungsverhältnisse zu sein. An dieser Front sind wir jedoch gescheitert.

Wenn Ihr über den Tellerrand Eures Projekts hinausblickt – wie seht ihr die gegenwärtige Lage der bundesdeutschen Linken?

Das ist nicht so einfach für chefduzen.de zu sagen, da wir eher ein lockerer Haufen, als eine Gruppe mit einer einheitlichen Meinung sind. Bei der Beurteilung der bundesdeutschen Linken setze ich keine großen Hoffungen auf diese Szene. Ich wundere mich nicht, daß sich in Frankreich mit den Gelbwesten die spannendste Bewegung jenseits der linken Strukturen entwickelt hat.

In letzter Zeit wurde viel über eine neue Klassenpolitik der Linken geschrieben und diskutiert – welche Relevanz hat diese Debatte bzw. Klassenpolitik für Eure Arbeit?

Wir verfolgen diese Debatte nicht nur, wir führen sie auch im Forum. Es ist eine Chance, daß Linke Politik sich wieder mit den kapitalistischen Verhältnissen auseinandersetzt und nicht nur mit einzelnen Mißständen. Ich bin da jedoch wenig optimistisch. Es bleibt die Frage, ob „Klassenpolitik“ und „Stadtteilarbeit“ tatsächlich Ansätze für ein anderes Politikverständnis sind oder nur eine politische Mode. Auch das Thema „Logistik“ ist schwer angesagt in der linken Szene. Als man jedoch eine Hafenblockade organisierte, war es allein ein Thema von Linken für Linke und man vergaß die Hafenarbeiter in die Planung und Durchführung einzubeziehen. Es gibt weiterhin eine Distanz zwischen Arbeiter*innen und der linken Szene, die zu weiten Teilen ein geschlossener Zusammenhang mit eigenen Sprach- und Kleidungscodes ist. Die oftmals prekären Arbeitsverhältnisse der Aktivisten selbst werden nur selten von ihnen thematisiert oder Ziel von Gegenwehr.

Der express ist eine Zeitung für sozialistische Gewerkschaftsarbeit – deshalb würde uns interessieren: wie blickt Ihr auf Gewerkschaften als Orte einer fortschrittlichen, linken Praxis?

Ich kann an dieser Stelle nur einen Stoßseufzer ausstoßen. Die Gewerkschaften spielen eine wahrlich traurige Rolle in den Klassenauseinandersetzungen. Den DGB Gewerkschaften laufen, ähnlich wie den Volksparteien, nicht nur die Mitglieder weg, sie verlieren auch ihre Autorität. Man versucht es nun mit einem jungen Design, Jugendsprech, Organizing und rekrutiert Personal unter Bewegungslinken. Es sind aber Organisationen, die wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden. Die Funktionäre haben erst einmal neue Mitglieder zu werben, bevor sie sich an eine inhaltliche Arbeit machen dürfen. Der Arbeitsdruck wächst im Gewerkschaftsapparat ähnlich wie in der freien Wirtschaft. Das Kernproblem liegt jedoch in der inhaltlichen Ausrichtung. Die DGB Gewerkschaften sehen ihre Hauptaufgabe darin, die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft sicherzustellen. Ich habe keinerlei Hoffnung, daß es bei der sozialpartnerschaftlichen Ausrichtung jemals die Chance auf eine grundlegende Kursänderung geben wird, egal wieviel Druck von der Basis kommen mag. Die folgerichtige Antwort auf Gewerkschaften, die ihre klassenkämpferischen Aufgaben verweigern, sind die Basisgewerkschaften. Ich muß mich der vernichtenden Kritik aus der Streitschrift „Syndikalismus und neue Klassenpolitik“ anschließen, FAU und IWW sind ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden und haben es nicht geschafft, eine wichtige Rolle in den Klassenauseinandersetzungen zu spielen. Das halte ich aber für keinen Grund, das Projekt nun zu beerdigen. Die Erkenntnis des Scheiterns kann auch ein Überdenken der bisherigen Arbeit ermöglichen. Die IP in Polen und die SI Cobas in Norditalien haben es als Basisgewerkschaften geschafft aus der linken Nische zu treten und eine Rolle in den Klassenauseinandersetzungen zu spielen. Es müssen aber nicht zwingenderweise Gewerkschaften sein, die die Kämpfe in Zukunft führen. In Hongkong gab es einen Generalstreik mit einer Beteiligung von 350.000 Menschen, bei der keine Gewerkschaft eine Rolle gespielt hat. Sie folgten dem Aufruf der nichthierarchisch organisierten Protestbewegung. Das entstehen der Gelbwestenbewegung ist auch eine Antwort auf die aktuellen Klassenverhältnisse, bei denen die klassischen gewerkschaftlichen Organisierungsformen nicht mehr funktionieren. Wir haben kein großes, einheitliches Industrieproletariat mehr. Es geht den meisten dreckig, den Leuten in Erwerbslosigkeit, in Leiharbeit, in Freiberuflichkeit, den kleinen Selbstständigen und Rentnern, doch eine Gewerkschaftmitgliedschaft bringt ihnen nichts. Es lag auf der Hand, daß sie sich selbst erhoben und nichts von Gerwerkschaften und Linken Parteien hören wollten, die sich nie zuvor für sie interessiert haben. Es gibt ähnliche Tendenzen innerhalb der Aufstände im arabischen Raum und in Lateinamerika.

Wenn Ihr auf die nähere Zukunft schaut – welche Ideen für Aktionen/Kampagnen/Praxen würdet Ihr gerne mal in der deutschen Linken diskutieren/umsetzen?

Die Klassenfrage bleibt die zentrale Frage. Linke werden keinen nennenswerten Einfluß in den Klassenauseinandersetzungen haben, wenn sie ArbeiterInnen wie Aliens betrachten. Der gesamte Avantgardeanspruch nervt. Es wird nicht eine Linke die herrschenden Verhältnisse stürzen, das kann nur die Klasse. Es bleibt abzuwarten, ob Leute bereit sind, aus der linken Szene herauszutreten und auch in anderem Milieu Freunde und Genossen zu finden. Die Idee, aus politischen Gründen in den Betrieb zu gehen, hat sich nicht überholt, auch wenn es nicht mehr so angesagt ist. Aber wenn man diesen Ansatz ernst nimmt, muß man enorme Geduld haben und in Zeiträumen von Jahren denken. In einer kurzlebigen Kampagnenpolitik sehen wir keine Perspektive. Nicht als Linke, sondern als Teil der Klasse, die insgesamt angegriffen wird, brauchen wir verläßliche Kontakte und Strukturen, die sowohl zur Bewältigung der Probleme des Alltags taugen, alsauch zur kollektiven sozialen Selbstverteidigung. Das halten wir für die notwendige Basis.

Gibt es in eurer Arbeit weitere Aspekte, die ihr zum Abschluss den Lesern des express mit auf den Weg geben wollt?

Unser Forum wird mehrheitlich von Leuten aufgesucht, die keinerlei politische oder gewerkschaftliche Erfahrungen haben. Auf jeden, der im Forum schreibt, kommen gut 200 stille Mitleser. Wir würden uns freuen, wenn wir von den Express-leserInnen ein paar aktive Communitymitglieder hinzubekommen, die von einer interessierten Leserschaft ausgehen können.

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