Angestellter schoss Chef nieder...

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-- gesperrt --
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Angestellter schoss Chef nieder...

Beitrag von -- gesperrt -- » 27 Jan 2010, 15:17

Ein 57-jähriger Maurer, welchem vor einem Jahr gekündigt wurde und dann als Temporärkraft behalten wurde, sollte nun endgültig aus dem Betrieb geworfen werden...

Dies muss er wohl nicht mehr verkraftet haben und ist mit 2 Pistolen heute morgen in den Betrieb, erschoss seinen Chef und eine weitere Person...

Ist schon schrecklich, wie dieses Schweinesystem die Leute so kaputt macht, dass sie zu sowas fähig werden...


20min

«Ich zerstöre, was mich zerstört hat»

Ein 57-jähriger Maurer schiesst im Zürcher Furttal frühmorgens seinen Chef nieder. Notfallpsychologe Herbert Wyss erklärt das Unfassbare – und wie man Anzeichen für Amokläufe erkennen kann.

Bewaffnet mit zwei Pistolen betritt heute Morgen gegen 7 Uhr ein 57-jähriger Italiener die Räumlichkeiten seines Arbeitsgebers, einer Sanitärfirma in Buchs ZH. Nach einem Streit schiesst er auf seinen Chef und einen weiteren Angestellten. Die restlichen Mitarbeiter fliehen in Panik. Der Amokläufer richtete sich anschliessend auf dem Parkplatz selbst.

Grosser Frust als Bedingung

«Es gibt keine spontanen Amokläufe», sagt Herbert Wyss. Für den Notfallpsychologen ist klar: Der Maurer muss seine Tat über Wochen geplant haben. Eine drohende Entlassung alleine könne nicht der Grund für die schreckliche Tat sein. Bei solchen Ereignissen gebe es immer eine längere Vorgeschichte, ein grosses Frustrationserlebnis. «Ich zerstöre, was mich zerstört hat», müsse sich der Amokläufer gedacht haben, sagt Wyss.

Gemäss Radio 24 ist dem Italiener bereits vor einem Jahr gekündigt worden, er habe bei der Sanitärfirma nur noch als Temporärangestellter gearbeitet. Nun habe ihn der Geschäftsführer offenbar definitiv ausmustern wollen. «Dies könnte der Auslöser für die Tat gewesen sein», so Wyss. Darüber hätten beim Amokläufer zwingend eine krankhafte Persönlichkeitsstörung sowie suizidale Züge vorgelegen. Er habe bereits vor seiner Tat mit dem Leben abgeschlossen, der Amoklauf und der Selbstmord seien nun die «finale Handlung» gewesen.

Häufigere Interventionen bei Firmen

Notfallpsychologe Wyss wurde in den letzten Monaten mehrmals von Firmen beigezogen, die sich bei Entlassungen vor unbedachten Handlungen seitens der Mitarbeiter fürchteten. «Solche Einsätze haben in der letzten Zeit massiv zugenommen.»

Bedingt durch die Wirtschaftskrise stellen zurzeit zahlreiche Firmen Leute auf die Strasse. Bei den allermeisten geht dies ohne grössere Probleme über die Bühne. Wie erkennt man Mitarbeiter, die gewalttätig werden könnten? «Alarmzeichen sind Äusserungen von Angestellten wie 'Wenn ich gehen muss, dann nicht alleine'», sagt Wyss. Oder wenn sich ein normalerweise lauter und aggressiver Mitarbeiter plötzlich sehr ruhig verhalte. Solche Warnzeichen sollten von der Vorgesetzten unbedingt ernst genommen werden.

Herbert Wyss führt seit 22 Jahren psychologische Kriseninterventionen durch. Für ihn ist klar: «Die Leute werden immer unsolidarischer - die Menschen und auch die Arbeitskollegen schauen weg.»

Chronologie der Amokläufe am Arbeitsplatz:


In den letzten Jahren hat es in der Schweiz nur wenige Bluttaten am Arbeitsplatz gegeben. Eine Häufung war in den Neunzigerjahren zu beobachten. Hier die schwerwiegendsten Vorfälle:

16. April 1986: Der Chef der Baupolizei der Stadt Zürich, Günther Tschanun, erschiesst nach Spannungen an seinem Arbeitsplatz im Zürcher Hochbauamt vier Kollegen und verletzt einen fünften schwer. Er wird zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

27. Feb. 1993: In einer Bäckerei im Berner Murifeld erschiesst ein 53-Jähriger seinen Bruder (den Besitzer der Bäckerei), dessen Ehefrau und einen Mitarbeiter. Danach begeht er Selbstmord. Offenbar wollte der Besitzer seinen Bruder entlassen.

2. April 1993: Ein 54-jähriger Angestellter der Berner Bedag Infomatik läuft am Arbeitsplatz Amok und tötet zwei Menschen, bevor er sich selber umbringt. Offenbar hatte er familiäre und Arbeitsplatz-Schwierigkeiten.

28. Nov. 1994: Beim Installationsunternehmen Sanitas Troesch in St. Gallen erschiesst ein Angestellter nach einem Konflikt mit seinen Vorgesetzten einen Kollegen und verletzt vier weitere.

5. Juli 2004: Ein Kadermann der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erschiesst nach einem Konflikt am Arbeitsplatz in Zürich zwei Vorgesetzte und richtet sich selber.

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Sansculotte
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Re: Angestellter schoss Chef nieder...

Beitrag von Sansculotte » 27 Jan 2010, 20:22

«Die Leute werden immer unsolidarischer - die Menschen und auch die Arbeitskollegen schauen weg.»
die 'solidarische' gesellschaft ist im begriff zu sterben. auch solidarische institutionen werden nach und nach ausgehöhlt.

im streben nach der/die beste zu sein, im konkurrenz und profitmacherei, stört das menschliche wesen, dessen empfinden und sein verlangen - funktionieren statt solidarisieren heisst hier das motto. dieser 'normalzustand' in dem wir leben macht die jetzige gesellschaft nicht gerechter, und so wird es wohl noch viele geben, die 'durchdrehen'.
aramtamtam aaaaaaramtamtam!!!

revilo
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Re: Angestellter schoss Chef nieder...

Beitrag von revilo » 28 Jan 2010, 17:22

Praktischerweise wäre es doch dringend nötig von den lieben Mitmenschen endlich auch zu fordern, dass sie sich einmischen, wenn irgendwo irgendwelche Scheisse passiert. Sei das auf Arbeit oder einfach nur draussen beim Spielen. Ich denke, heute, wo die Leute auf so arschlochhaftes Konkurrenzverhalten zugerichtet sind, wäre doch auch mal etwas mehr als nur ne Bitte, nett zu sein, nötig. Vielleicht etwas gewaltigeres. Es fällt mir schwer das in Worte zu fassen. Ich befürchte, dass solidarisches Verhalten erstmal wieder erzwungen werden muss, bevor die Leute merken, dass es durchaus materielles Gewicht hat, wenn man zusammensteht und es dann eher wieder eine mehr oder weniger freiwillige Selbstverständlichkeit wird sich solidarisch zu verhalten. Vorher denke ich, dass solche (individuellen!!!) Verzweiflungstaten, auch weiter geschehen werden, die uns allen nur nochmals unsere Ohnmacht demonstrieren. Ich möchte den klassenherrschaftlichen Aspekt einer Situation, die zu solchen Vorfällen führt, keineswegs Leugnen. Damit aber in Zukunft vielleicht eher (kollektive!!!) Klassenkampfaktionen naheliegende Schlussfolgerungen werden, muss man heute wohl etwas energischer Druck machen, wenn die Ärsche rundherum mal wieder einen fertig machen.

gingerbreadman
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Re: Angestellter schoss Chef nieder...

Beitrag von gingerbreadman » 30 Jan 2010, 17:31

Ich hab im Blick am Abend gelesen, dass der Arbeiter sonst eigentlich ein sehr fröhlicher, hilfsbereiter Typ gewesen war. Den Artikel konnte ich online aber nicht finden. Dann hab ich Artikel im normalen Blick durchgestöbert. Wenn man so die Kommentare liest, scheint es dass die meisten Leute eure Einschätzungen teilen. Ein Kommentar war:
Wie verzweiferlt muss wohl dieser Mann gewesen sein, damit er so eine Tat begehen konnte! Die Wirtschaft kennt keine Gnade und eine Ethik schon gar nicht und deshalb wird dieser Fall bestimmt nicht der letzte sein! Ich kenne Leute, die 30 und mehr Jahre in einer Firma gearbeitet haben und wurden wegrationalisiert und dies, weil die von der oberen Etage die Firma heruntergewirtschaftet haben. Kürzlich hat sich ein Arbeiter wegen der Entlassung das Leben genommen. Doch dies interessiert kein Mensch
http://www.blick.ch/news/schweiz/zueric ... ier-138873

Kuddel
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V für Vendetta

Beitrag von Kuddel » 15 Dez 2010, 13:37

...weil seine Frau ihren Job verlor...

http://www.stern.de/panorama/florida-am ... 34360.html

Kuddel
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Re: Angestellter schoss Chef nieder...

Beitrag von Kuddel » 25 Sep 2014, 18:59

Studie in den USA
Zahl der Amokläufe steigt

Newtown, Aurora, Blacksburg: Das FBI hat Amokläufe in den USA untersucht. Ergebnis: Es gibt immer mehr Opfer. Die Täter sind meist männlich und handeln allein.


Bild

Die Zahl der Amokläufe ist der FBI-Studie zufolge von durchschnittlich 6,4 pro Jahr (von 2000 bis 2006) auf 16,4 (von 2007 bis 2013) gestiegen. Die Bundespolizei hat insgesamt 160 Zwischenfälle, bei denen Privatpersonen zwischen 2000 und 2013 in den USA in eine Menschenmenge schossen, untersucht. Andere Schießereien - etwa im Drogen- oder Gangmilieu - berücksichtigt die Studie nicht.

Die Mehrheit der Schießereien ereignete sich in Geschäften oder Büros (73), gefolgt von Erziehungseinrichtungen (39).
Bei Amokläufen in Schulen war der Schütze oft selbst dort Schüler. Das trifft auf 12 der 14 Täter an Highschools zu.


http://www.sueddeutsche.de/panorama/stu ... -1.2146883

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