Soziale Kämpfe im Iran

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Hydra
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Soziale Kämpfe im Iran

Beitrag von Hydra » 26 Dez 2009, 04:18

Vor kurzem war der 7. Dezember. Der Tag wird im Iran als "Tag der Studenten" gefeiert, er erinnert an den Tod dreier Studenten, die im Jahr 1953 im Kampf gegen den Schah von der iranischen Polizei ermordet wurden. Es ist ein symbolischer Tag des Widerstandes und auch dieses Jahr gabs wieder Grossdemos.

In den vergangenen Wochen und Monaten ist es im Iran aber auch zu einer ganzen Reihe von sozialen Kämpfen gekommen. Die Auslöser sind dabei oft ausstehende Löhne, aber auch die Privatisierungspolitik der Regierung Ahmadinedschad. Diese Politik steht in offenem Widerspruch zu seiner angeblichen Rolle als "Anwalt der Armen". Sollten die Kämpfe mit der Protestbewegung gegen den Wahlbetrug zusammenkommen, könnte dies für das geschwächte islamistische Regime den Todesstoss bedeuten.
Streiks quer durch das Land

Zwei Publikationen, die wir heute dokumentieren, geben einen einigermaßen aktuellen Einblick in die wachsende Zahl der Auseinandersetzungen im Iran, die unter extrem schwierigen Bedingungen stattfinden.

Bild

a) "Das erste Thema des November paykare-no, das ist der Hungerstreik von
1500 Arbeitern von Wagon-Pars in Arak" - wird in der einleitenden Anmerkung der paykare-no Ausgabe vom November 2009 von der Redaktion geschrieben, nachdem dort ausgeführt wurde, dass man sich bemüht, auch die jeweils zum Verständnis nötigen Hintergrundinformationen zu leisten.

b) Die Arbeiterkämpfe der vergangenen Woche bieten die Iran-News November 2009 mit einem Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung der Zuckerarbeiter.
http://www.labournet.de/internationales ... kampf.html
die opfer und die täter
kommen heute etwas später
das schlachten ist verschoben
anweisung von oben

-- gesperrt --
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Re: Soziale Kämpfe im Iran

Beitrag von -- gesperrt -- » 29 Dez 2009, 17:25

der Schah ist ja auch erst mit der Ausrufung des Generalstreiks gestürzt worden... 8-)

Die iranische Revolution nimmt an Fahrt auf :D

Den besten Artikel zum Iran, habe ich auf 20min.ch gefunden! :o

Da hat sich jemand die Mühe gemacht im Internet einwenig zu recherchieren :=)
«Das ganze Land beginnt sich zu erheben»
von Peter Blunschi

Die Proteste im Iran eskalieren, bereits ist die Rede von einer «Intifada». Die Anhänger der Opposition lassen sich auch durch brutale Gewalt nicht einschüchtern. Doch das Regime wird sich mit allen Mitteln verteidigen.




Das Handy-Video sorgt weltweit für Furore. Es zeigt eingeschüchterte Polizisten mit schwarzen Helmen, die von Anhängern der iranischen Opposition gegen ein Tor gedrängt werden. «Wir sind keine Killer, bitte, wir sind keine Killer», versucht einer der Polizisten den wütenden Demonstranten zu versichern, doch vergeblich. Eine junge Frau schreit: «Bist du nur auf deinem Motorrad stark, du Stück Scheisse?»

Aufgenommen wurde die Szene irgendwann am letzten Sonntag in Teheran, während der Kundgebungen am schiitischen Aschura-Fest, gegen die Polizei und Milizionäre mit brutaler Gewalt vorgingen. Doch die Regimegegner liessen sich nicht einschüchtern. Dafür stehen Berichte über Polizisten, die sich geweigert haben sollen, auf Demonstranten zu schiessen. Oder Videos, die zeigen, wie Milizionäre verprügelt werden. Oder Fotos von Angehörigen der Sicherheitskräfte, die zur Opposition übergelaufen sind.

«Menschen haben keine Angst mehr»

Zwar lassen sich die Berichte nur schlecht verifizieren, doch ihre schiere Fülle belegt eine Entwicklung, die in zweifacher Hinsicht bemerkenswert ist: «Die Menschen haben keine Angst mehr», sagte ein Aktivist der britischen «Times». Sie lassen sich auch durch Gewalt nicht stoppen. Und das Regime hat den «Informationskrieg» auf der ganzen Linie verloren, trotz aller Versuche, ausländische Journalisten an der Berichterstattung zu hindern und das Internet zu zensieren. Die Videos und Fotos werden trotzdem hochgeladen.

Damit erhärtet sich eine Beobachtung während der ersten Protestwelle im Sommer: Erstmals wird der Versuch eines autoritären Regimes, den Informationsfluss zu kontrollieren, durch moderne Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone und Internet unterlaufen. «Wenn die Deutungshoheit über die Ereignisse im Internet gewonnen wird, hat zumindest auf internationaler Bühne die iranische Regierung bereits verloren», schreibt die «Süddeutsche Zeitung» in ihrer Online-Ausgabe.

Vor dem Sieg ein Blutbad?

In der Euphorie sprechen Beobachter von einer «iranischen Intifada», in Anlehnung an den Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung. «Die Samthandschuhe sind weg. Niemand kann bezweifeln, dass der Wandel kommt», sagte Ali Ansari, Professor für iranische Studien an der Universität von St. Andrews in Schottland, gegenüber der «Times». Weiter zitiert die Zeitung einen führenden Oppositions-Aktivisten: «Das Regime lebt von geborgter Zeit. Das ganze Land beginnt sich zu erheben.»

Andere Iran-Experten sind skeptischer. Sie verweisen darauf, dass für die iranische Führung zu viel auf dem Spiel steht und zu viele Menschen eine Rechnung mit den Machthabern zu begleichen haben. Weshalb Regimegegner gemäss der «Times» zwar fühlen, dass der Sieg möglich ist, sie fürchten jedoch, dass es vorher zu einem Blutbad kommt. «Die Sicherheitskräfte, vor allem die Revolutionsgarden, sind bereit, bis zum Letzten zu kämpfen, denn sie können nirgendwo hin», sagte ein Mitglied der Opposition.

Drohung gegen Oppositionsführer

Ein Vorgeschmack könnten die Verhaftungen von Mitarbeitern und Verwandten führender Oppositioneller sein, darunter auch die politisch nicht aktive Schwester von Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi. Sie sollen offensichtlich die Regimegegner einschüchtern. Auch die drei Oppositionsführer Mohammed Chatami, Mehdi Karrubi und Mir-Hossein Mussawi sind nicht mehr vor einer Festname sicher. «Diese drei sollen aufpassen, dass sie nicht bald in der Mülltonne der Geschichte landen», sagte Ali Resa Dschabari, ein General der Revolutionsgarden. Karrubi wurde am Montag nach dem Besuch einer Moschee angegriffen, vermutlich von Anhängern der Regierung.

Doch die Basis dürfte sich nicht abschrecken lassen, sie hat sich längst verselbständigt. Bereits werden neue Kundgebungen erwartet, gemäss dem schiitischen Zyklus, wonach am 3., 7. und 40. Tag nach einem Todesfall Trauerfeiern angesagt sind. Der Mittwoch wäre der erste Trauertag für die am Sonntag getöteten Demonstranten.

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lucky puke
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Re: Soziale Kämpfe im Iran

Beitrag von lucky puke » 03 Jan 2010, 21:28

Tatsächlich mal ein guter Artikel im 20 min. :o

Hier ein Bild, das ich beim surfen gefunden habe und sehr schön finde. Die Leute werden unterdrückt, aber sie geben nicht auf. Man sollte öfter hinschauen was dort passiert - gerade die Schweizer, die behaupten, mit ihrem JA zur Minarettinitiative sich auch gegen staatliche Unterdrückung gewendet zu haben (das kaufe ich ihnen nämlich nicht ab, denn für die wirklichen Ereignisse im Iran interessieren sie sich wahrscheinlich alle einen Scheiss !!!

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Freiheit heisst nicht, zu tun was man tun will, sonder zu wollen was man tun muss. (G. Blocher)Bild

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